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Zehnter Band.
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Lebensmagnetismus — Magie.

mechanischer von unbewußten Muskelbewegungen abhängiger Druck die einzige Ur-sache der Tischrotalion sei, und von irgend besondern elektrischen oder magnetischenim Tische selbst erweckten Kräften durchaus nicht die Rede sein könne*); alleinimmer blieb damit unerklärt, warum denn doch der Tisch gerade in Einer Richtungvon Allen bewegt wurde. Denn waren die Bewegungen rein mechanisch, so konnteebenso gut die eine Person nach links, die andere nach rechts drücken, und niemalswürde eine einzige gemeinsame Bewegung daraus hervorgegangen sein. Selbst dieErscheinung ist hierdurch hinreichend erklärt, welche wir selbst oft genug an demvon meinem Sohne construirtcn Apparate beobachtet haben, und welche mir, bevorich den eigentlichen Schlüssel zur Lösung des Räthsels gefunden, den Gedanken aneine Ähnlickkeit mit dem unter elektromagnetischer Einwirkung sich selbst drehendenkupfernen Rade gegeben hatte, nämlich daß, wenn die im Kreise wirkenden Perso-nen Alle zugleich plötzlich eine Änderung der Fingerlage vornehmen (sodaß etwa dieFingerspitze, welche in der gebildeten Kette erst oberhalb der des Andern lag, nununterhalb derselben zu liegen kommt), die Notation der Tafel nun mit einem malein entgegengesetzter Richtung vonstatten geht. Begreiflicherweise ist hierbei dieseFingerlage und ihre Verwechselung an sich ganz gleichgültig, und ein bloßer Schein-moment (denn die Hände brauchen sich ebenso gut gar nicht zu berühren, und wenndie unbewußten Bewegungsvorstellungen erweckt sind, so dreht sich der Tisch doch),aber daß in allen betheiligtcn Personen an eine solche Verwechselung der Lage dieVorstellung davon geknüpft wird, daß der Tisch nun sich umgekehrt bewegen werde,macht es allein, daß nun auch diese Bewegung wirklich eine andere wird.

Es versteht sich von selbst, daß Dasselbe, was wir hier von dem eigentlichenTischrücken gesagt haben, nun auch im vollen Umfange gilt von dem sogenanntenTischklopfen und den dadurch ertheilten Antworten auf irgend vorgelegte Fragen.Auch hier blickt man am besten auf die schon von Ammianus Marcellinus beschrie-benen Pendelvcrsuche zurück, um zu vollkommenem Verständniß zu gelangen. Wiedort der Ring die Anfangsbuchstaben von Theodosius anschlug, weil die Verschwo-renen den Mann dieses Namens im Sinn hatten, und wie noch jetzt in dem be-kannten Versuche der Ringpendel, den man in einem Glase schwingen läßt, gewöhn-lich ziemlich richtig die Stunde schlägt, wenn der den Faden Haltende daran denkt,daß der Pendel die Zeit angeben soll, so klopft auch der Tischfuß in jenen Versuchennur die Zahl von Schlägen, welche von dem vorzugsweise Jnnervationsmächtigen derbewegenden Personenkette gedacht wird, oder welche eben durch abgedachte mesme-rische Strömung sich unbewußterwcise dem Scnsorium aller die Kette bildenden In-dividuen mitgetheilt hat. Damit ist aber gar noch nicht gesagt, daß diese Antwor-ten eben Wahrheiten enthalten müßten. Die Wahrheit des Unbewußten federt einegroße Naivität und meist völlige Abwesenheit des Bewußtseins, wenn sie rein her-vortreten soll, und diese Bedingung wird selten erfüllt. Könnte man der BrieftaubeUnterricht in der Geographie geben, so wäre mit eins ihr unbewußt richtiger Zugzum Endziel ihres Fluges eine Unmöglichkeit geworden; und aus dem gleichen Grundewerden wirklich prophetisch-richtige Aussagen, sowie überhaupt unter gewöhnlich den-kenden Menschen, so auch unter solchen, welche zu einem Versuche der Tischbewe-gung zusammentreten, eine höchst exceptionelle Seltenheit. Das Äußerste, was alsodie Wissenschaft zugeben kann, wenn von prophetischen Aussagen des klopfendenTisches oder jenes von einer oder zwei Personen bewegten scheerenförmigen hölzer-nen Instruments, dem man die unverdiente Ehre erzeigt hat, es einen „Psychogra-phen" zu nennen, zugeben kann, ist, daß sie in einzelnen Fällen, vermöge des tiefAhnungsvollen im Unbewußten des diese Körper bewegenden Menschen selbst, ebensomöglicherweise Wahrheit enthalten können, wie in einzelnen Träumen mitunter Wahr-

*) Man sehe ein Resume der in England über diese Gegenstände gefaßten Vorstellungenin dem Aufsätze: „KIsotro -divlogis »n<l me8meri8m" im „Oiiarterlv revie^v", Septem-ber 1853.