332 Das Eisenbahnwesen.
hin die Leistung erfolgt. Die Eisenbahnen zeigen allerdings in beiderlei Hinsichteinen gleichzeitigen Fortschritt des Transportwesens. Was die Bahn betrifft, sokommt weniger die principielle Ebnung derselben in Frage, denn diese kann eines-theils bei gewöhnlichen Chausseen cbensowol im Auge behalten werden, und andern-theils ist man bei den Eisenbahntracen heutzutage schon bis auf Steigungen von1:40 vorgegangen, hat auch schon früher unter Verwendung sogenannter Seil-ebenen eine Unterbrechung der gewöhnlichen Benuhungsark der Locomotivcn eintretenlassen. Und mit der Geradheit der Trace verhalt es sich etwa in derselben Weise.Man findet jetzt bedeutende Krümmungen zum Theil selbst mitten in Tunneln zuläs-sig, hat aber auch eine gerade Bahnlinie schon vor den Eisenbahnen soviel als thun-lich einzuhalten gesucht. Vielmehr liegt die Hauptsache der Verbesserung des Bahn-körpers in der Legung der eisernen Schienen, wodurch die Reibung zwischen Radund Grund sehr stark vermindert und deshalb der gleichen Zugkraft eine viel höhereLeistung möglich gemacht wird. Das Verhältniß ist der Art, daß eine Bewegungs-kraft, welche auf ebener Chaussee 21'/-Centner fortschafft, auf de» Schienen der hori-zontalen Eifenbahntrace 240 Centner weiterbringt. Wie groß nun auch dieser Nutz-effect dasteht, so ist er doch so wenig die Hauptsache bei dem neuen Transport-mittel, daß man überall die Schienenbahn mit Pferdebetrieb nur als einen sehr un-geeigneten Ersatz für die Locomotivebahn ansieht und eine Umänderung jener in dieletztere, sobald es irgend angeht, eintreten läßt. Die Anwendung der Dampfmaschine,die Einführung der Maschinenarbeit für die Leistungen der Transportmittel: das istes, was den eigentlichen Kern der Sache bildet. Prüfen wir nun den Nutzeffectder Maschinenarbeit auf dem Gebiete der gewerblichen Industrie, etwa in einer me-chanischen Spinnerei, so finden wir: gegenüber der menschlichen Arbeitskraft find dieDienstleistungen der Maschine (und darum auch ihre Producte für den Consumen-ten) viel wohlfeiler. Die Maschine arbeitet weit rascher und vollbringt gleichzeitig diefrühern Arbeitsleistungen sehr vieler Menschenhände; sie kann fernerhin stetig, unun-terbrochen arbeiten, und was sie beschafft, ist in allen seinen Theilen gleichmäßiger;ja das Maß z. B. der Feinheit des Fadens, der Naschheit der Arbcitsvollbringunghat man so sehr in der Hand, daß man es innerhalb der überhaupt möglichen Lei-stungen im voraus genau bestimmen und während der Vollbringung beliebig modi-ficiren kann. Endlich hat man für diese Leistungen Ausfichten aus weitere Verbesse-rungen, welche eben nur an den Fortschritt der Technik und der Erfindungen iniMaschinenwesen geknüpft sind. Ganz genau diese Punkte sind es, in welchen derunmittelbare Nutzeffect der Eisenbahnen in ihren Arbeitsleistungen für den Trans-port besteht. Wir wolle» dieselben nacheinander ins Auge fassen.
Die Wohlfeilheit der Transportleistungen der Eisenbahnen als Nutzeffect dersel-ben gegenüber den frühern Transportmitteln, darf man nicht mit der Wohlfeilheitdes Transports für das die Eisenbahnen benutzende Publicum verwechseln, welche wirvielmehr als eine direkte Wirkung der Eisenbahnen ansehen müssen. Mit andern Wor-ten : die Wohlfeilheit der Eisenbahntransportleistungen zeigt sich nicht ohne weiteres inihren Tarifsätzen für die Beförderung von Personen und Waarengütern. Jene kanngrößer und geringer sein, als diese vermuthen lassen; die Wohlfeilheit kann aber auchin beiden ihren genauen Ausdruck finden. Das Letzte ist der Fall, wenn sich die Ver-zinsung des Anlagecapitals und die Unterhaltungs- und Betriebskosten der Bahn geradeverwerthen; das Zweite, wenn dies Ergebniß mit der Gesammteinnahme noch nichterreicht wird; das Erste, wenn darüber hinaus Dividenden oder Überschüsse für dieStaatskassen zum Vorschein kommen. Dies vorausbemerkt, können wir sagen: schongegenwärtig ist die Transpvrtleistung der Eisenbahnen im großen Durchschnitt etwasbilliger, als die Tarifsätze vermuthen lassen, und diese selbst können uns wol denMaßstab im Allgemeinen abgeben, in welchem die Wohlfeilheit der Transportleistun-gen der reinen Verkehrsmittel sich darstellt. Indem sich der Leser Das vergegenwär-tigen möge, was wir früher über die Tarifsätze bemerkt haben, wollen wir einigeAngaben zum Belege für das Maß der Wohlfeilheit und für den Vergleich derselben