334 Das Eisenbahnwesen.
auf weiteres Sinke» der Preise durch Fortschritte der Technik und neue Erfindungenverhüllt. Ein Ähnliches kann mit Beziehung auf die Steigerung der Raschheit derneue» Transportleistungen gesagt werden.
Diese Raschheit der Eisenbahnzüge ist es vornehmlich, welche der großen Massevon Menschen unter allen Erscheinungen in dem neue» Transportmittel ani meistenin die Augen gefallen ist. Das gewöhnliche Maß derselben hat sich seit der Ein-führung der Eisenbahnen beträchtlich gehoben, und wir können noch immer alljährlichweitere Steigerungen der Geschwindigkeit einregistriren. Dieses gewöhnliche Maß,wie die Steigerung der Geschwindigkeit für die einzelnen Gattungen von Zügen,von dem gewöhnlichen Eüterzuge an bis zum Eilzuge für- die I. oder die I. und ll.Personcnclasse, zeigt auf einzelnen Bahnen, mehr aber noch auf Bahnen verschiede-ner Länder beträchtliche Unterschiede. Da man nicht mit Unrecht von allzu großerGeschwindigkeit manchen vermeidlichen Unglücksfall herleitete, so ist in der neuernZeit, namentlich für deutsche Bahnen, ein äußerstes Maß festgesetzt, dabei aber, wiebillig, eine Erhöhung desselben nach vorangegangenem technischen Fortschritt vorbe-halten worden. Güterzüge, deren Beförderung keine besondere Beschleunigung er-heischt, können natürlich in beliebiger Langsamkeit fortbewegt werden. Für Züge,auf welchen auch Personen befördert werden, ist gegenwärtig eine mittlere Geschwin-digkeit von 8 —12 Wegstunden pro Zeitstunde in den continentalcn Ländern üblich.Wie weit diese Geschwindigkeit schon bei dem jetzigen Stande der Technik gestei-gert werden kann, mag daraus ersehen werden, daß in England, wo mit dergrößten Raschheit gefahren wird, häufig 60, ja in einzelnen Fällen noch mehr Milesin der Zeitstunde zurückgelegt werden — also 13'°/» deutsche Meilen und darüber.Stimmt man nun hinzu, daß sich die Eisenbahnlinien zunächst auf dem europäischenund dem Nordamerikanischen Continent in inimer größere und größere Entfernungenhin mit ununterbrochenem Zusammenschluß aneinander reihen; ferner, wie es ge-rade eine jener besondern Eigenthümlichkeiten der neuen Bewegungskraft ist, daßsie ohne Ermüden und Aufhören, stetig und ununterbrochen arbeiten kann; endlich,daß längst auch Nachtzüge gerade auf allen größer» Linien und Hauptbahnen ein-geführt werden konnten: so sieht man wol ohne weiteres ein, wie selbst die allergrößtenEntfernungen in kurzer Frist bewältigt werden können. Schon bei einer, in Eng-land überbotenen, Geschwindigkeit der Fahrt von 12 geographischen Meilen in einerZeitstunde würde man die Erstreckung eines Meridians oder des Äquators — etwa5400 Meilen — in 15 Tagen und 15 Stunden zurücklegen können. Wo dieneuen Transportmittel ihre größte Geschwindigkeit entfalten, da handelt es sich im-mer nur um Personenzüge. Gleichwol ist die Zunahme in der Geschwindigkeit fürdie Beförderung der Waarengüter, und zumal der gewaltigen und voluminösen, eineverhältnißmäßig größere, und in ihren Folgen mindestens den Folgen für den Perso-nentransport gleichzustellen. Das Verhältniß zwischen der Geschwindigkeit des Gü-tcrzuges und des Lastfuhrwagens zeigt größere Abstände als das zwischen der Extra-postfahrt und dem Eilzuge der Eisenbahn.
Sind wir nun aber über die thatsächlich vor Aller Augen liegende Erfahrungdes Lebens hinausgegangen, als wir rücksichtlich der Eisenbahnen auf die Analogiemit der Maschinenarbeit auf dem Gebiete der gewerblichen Industrie auch in denübrigen wesentlichen Punkten hinwiesen? Kann man nicht bis auf Minuten dieGeschwindigkeit des Transports eines Eisenbahnzuges im voraus feststellen? Hates nicht der Lokomotivführer in seiner bewußten Gewalt, das Maß derselben zusteigern oder zu mindern, innerhalb der überhaupt möglicherweise zu erreichendenLeistung? Werden nicht in einem und demselben Zuge ungeheure Mengen von Men-schen und von Waarengütern von der einen Maschine fortgeführt, Mengen zu derenTransport nach früher üblicher Weise eine größte Zahl von Zugthieren, Personen-und Lastwagen erfoderlich war? Sehr bedeutsame Erscheinungen in dem modernenVerkehrslebcn sind das Ergebniß dieser Bestandtheile in dem Nutzeffect der neuenTransportmittel. Wenn früher zumal für einen Landtransport über weitere Strecken