Band 
Zehnter Band.
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Das Eisenbahnwesen. 355

Melioration mittels Capitalanlagen auf Seite der Bedrohten gering sind, behalt auchder zähe Landmann keine lange Zeit zum Besinnen und Abwägen. So in gebir-gigen Landstrichen, welche etwa Getreide producirten, in Bezirken von Weinländernmit starkem, inländischen Weinconsum, welche mit ihrer kostspieligen Produktion geringererWeinsortcn vor der Concurrcnz besserer und billigerer Weine des benachbarten Gebietsdurch den Mangel leichter Passagen geschützt waren u. s. w. Da sieht man, wiebald das Getreide aufgegeben werden muß, um der Weide Platz zu machen, oderwie an die Stelle der Nebe der Obstbaum tritt. Indessen würde es doch auchganz ungerechtfertigt sein, wenn man die Thatsache eines bedeutsamen Umschwungsfür solche Gegenden zugestehen wollte, sie aber für andere leugne» möchte, wo etwanur der Weizen oder der Hopfen, die Kartoffel oder die Runkelrübe u. s. w. ineinem sehr beträchtlichen Umfang Terrain einbüßen oder gewinnen. Schließlich wirdman für das Gemeinwohl einiges Gewicht darauf legen können, daß jede Frucht-gattung auf dem ihr am meisten zusagenden Boden verhälknißmäßig die stärkstenStöße der Miswitterung aushalten kann, und daß alle jene Ursachen, welche dielandbautreibenden Classen unter die verstärkte Macht der Concurrcnz und zuletzt auchzu Änderungen in dem gewohnten Betriebe führen, nicht ohne die heilsamsten An-regungen für ihr geistiges Leben und Erkennen verbleiben.

Einfluß auf das Gewerbswesen.

ch Er gibt nur sehr vereinzelte Zweige der handwerksmäßigen GewerbSarbeit,welche nicht ein unmittelbares und lebhaftes Interesse an dem Zustand und den Lei-stungen der Transportmittel haben, solche etwa, welche in einer rein localen Bedeu-tung mehr den Charakter von Taglöhner - als von Handwerksarbeit ausweisen. Mitder Größe des Gewcrks und des industriellen Etablissements steigert sich dieses In-teresse. Transportleistungen müssen ja in Anspruch genommen und vergütet werdenzur Herbeischaffung des zu verarbeitenden Rohmaterials und aller jener Hülfsmittelfür den Betrieb, wie Geräthschaften und Maschinen, Holz und Kohlen, und ebensobei der Versendung der fertigen Fabrikate auf ihre Absatzmärkte. So kann mandenn freilich zunächst den Schluß ziehen, daß die mit den Eisenbahnen herbeigeführteTransporterleichterung dem Gewerbswesen im Ganzen, allen Zweigen der industriellenArbeit überhaupt und überall ihren großen Nutzen gebracht habe. Indessen erblicktman bei näherer Prüfung des Detail mancherlei bedeutsame Bedingungen, durchwelche ein für alle Zweige der Eewerbsarbeit und für alle Heimatsstätten der In-dustrie gleiche Wirkungskraft jener Transporterleichterungen unmöglich gemacht wird.Einmal nämlich ersieht man ja gleich, daß die Transporterlcichterungen für diemeist schweren und voluminösen Rohstoffe der veredelnden Industriearbeit weit größersind als die für die fertigen Fabrikate. Das würde schon unter allen Umständender Fall sein, gilt aber noch mehr deshalb, weil gerade erst die Eisenbahnen fürjene Rohstoffe einen beträchtlich niedrigern Transportsatz aufstellen als für sonstigeWaaren. Wir müssen also bekennen, daß nicht nur überhaupt fortan doppelt unddreifach der Vorsprung jener Gewerbe und Industriezweige vermindert ist, welche sieandern gegenüber damit geltend machen konnten, daß sie eben in der unmittelbaren Näheoder wenigstens in der großem Nachbarschaft der Nohproductionsorte sich befanden.Freilich bleiben immer wol die Transportkosten für die Rohstoffe insgesammt höherals die Transportkosten für die aus ihnen verfertigten Fabrikate, auch in demEisenbahnverkehr, weil das Gewicht der Fabrikate in einem die Transportkostendiffe-renz übersteigende» Verhältniß kleiner zu sein pflegt. Man könnte deshalb wol fol-gern, daß schließlich doch das Übergewicht der in der Nähe der Nohstoffproductionbefindlichen Gewerbe und industriellen Etablissements entscheidend verbleiben werde,weil heutzutage in dem Wettkampf der concurrirenden Productc auch schon kleineVortheile in den Erzeugungskosten den Sieg sicher verbürgen können. Aber es istjener Vortheil, in der Nähe der Nohstoffproduction gewerbliche Fabrikate zu verar-

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