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Zehnter Band.
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358 Das Eisenbahnwesen.

durch die Verbindung aller einzelnen Theile herstellen. Viel allgemeiner ist freilichein anderer Übergang aus der frühern Geschäftsweise zu beobachten, der nämlich,daß sich die frühern Handwerksmeister einem fabrikartigen Unternehmen als kundigeArbeitskräfte unterordnen und im nächsten Dienste dieses, nicht mehr des Publikums,ihren Unterhalt gewinnen. Im Übrigen ist es bekannt, daß keineswegs alle Hand-werksmäßigen Arbeiten durch die Produktion capitalstarker Industrien, und namentlichauch nicht solcher bedroht sind, in welcher eine umfassende Maschinenverwendungstattfindet. Für solche Handwerke hat die gewaltige Erleichterung des Personen-verkehrs auch einen großen Geschäftswerth. Ohne größer» Zeit- und Geldverlustkönnen sie in näherer und fernerer Nachbarschaft sich andere Geschäftsbetriebe undihre Erfolge ansehen, Vergleichungen anstellen und auf diesem Wege zu Besserungenvorschreiten. Jedenfalls aber tritt auch für sie eine Erweiterung der frühern Con-currenz in Wirksamkeit — die der Handwerksmeister aus andern Städten der Nach-barschaft. Die billige Fracht macht es z. B. den holz - und eisenarbcitendcn Hand-werker möglich, auch in auswärtigen Orten Kunden zu erhalten: die Raschheit desTransports beseitigt alle Hindernisse für den auswärtigen Metzger, Bäcker und Con-dikor, der wohlfeile und rasche Personentransport gestattet es dem Schneider, Maßezu nehmen u. s. w. So wird namentlich das Handwerk in kleinen Städten auseinem alten Schlendrian, aus einem Übermaß von Ansprüchen, aus sorgloser HauS-wirthschaft aufgestört, dem Publikum zum Vortheil, wie ihm selbst, da ja jederHandwerker, wenn er rührig ist und Tüchtiges leistet, die Vergünstigung der neuenTransportmittel für sich benutzen kann. Jenes Lernenkönnen durch persönlichen Au-genschein und Vergleichungen gilt natürlich gerade so gut auch für die Vorstände dergrößten Jndustrieetablissements; ja wir könne» ohne weiteres sagen, es hat für sieeinen viel höhern Werth, weil der Fortschritt in dem Maschinenwesen und überhauptauch bei allen Geschäftsbetrieben, welche viele verbefferungssähige einzelne Operationenumschließen, viel mehr Raum gewinnt sich geltend zu machen. Und wir müssen dertäglichen Erfahrung gegenüber bekennen, es wird in der That diese durch die Eisen-bahnen erschlossene Schule des Lebens von den Geschäftsmännern mit Eifer benutzt.Wir sind der Ansicht, daß die Industrieausstellungen zwar gewiß einen hohen Werthals eine neue Art von Marktplätzen haben, welche zu Bestellungen anregen unddem tüchtigen Producenten einen ausgedehnten Ruf vermitteln; sie äußern aber sicher-lich für die Aussteller auch dadurch einen ebenso hohen Werth, daß diese an denProdukten ihrer Rivalen merken können, worin und wie weit ihre eigenen Arbeitenzurückstehen. Diese Jndustrieausstellungshallen, welche ein Land nach dem andernin dem Mittelpunkte seines Verkehrs für das In - und Ausland aufbaut, sindgleichsam die Börsen, auf denen die Aussteller den Stand ihrer Geschäftspapiereprüfen. Jeder sieht, was in seiner Branche geleistet werden kann, und muß denherzhaften Entschluß fassen, nicht zurückbleiben zu wollen. Das aber wird wol Nie-mand zu bestreiken übernehmen, daß die Industrieausstellungen in der Form, wiesie vor uns stehen, in der Art wie sie benutzt werden, nur möglich geworden sinddurch die Transporkerleichterungen, welche die Eisenbahnen für Waarengüter undPersonen realisirt haben.

Einfluß auf den Handel.

Der Handelsstand lebt von dem Verkehr. Er sinnt und drängt ununterbro-chen auf Vcrkehrserleichterungen; er hat vor allem auf unserm Continent die Eisen-bchne» mit der größten Freude begrüßt und am energischsten gefördert. Und frei-uch die ungeheuren Gütermassen, welche jetzt täglich auf den Schienenwegen beför-dert werde,^ bezeugen hinlänglich, in welchem Maße die Thätigkeit des Verkehrsstandesm wird. Wir haben schon oben Angaben über diesen Punkt

aus den Betricbsmittheilungen der Eisenbahnverwaltungen geliefert und brauchenhier nur noch auf die Thatsache aufmerksam zu machen, daß diese gewaltigen Güter-maffcn sich noch nach jedem Ausweis als in einem fortwährenden Wachsthum be-