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Das Eisenbahnwesen.
man so manchen Würdenträger der Wissenschaft hier mit ironischem und sarkastischemNedespiel und dort mit gerader heftiger Jnvcctive gegen die brausenden Denkmaleeines „in Materialismus versunkenen Geschlechts" sich erheben sieht, sollte man nichtmeinen, diese Männer für ihre Person zögen es entschieden vor, nach wie vor inschleichender Kutsche oder gar zu Fuß des Wegs zu ziehen? Aber nichts wenigerals Das! Alle diese Leute benutzen sehr gern und sehr oft die billigen, raschen Trans-portmittel, welche von den materiellen Bestrebungen mit so großen Anstrengungenzu Tage gefördert sind. Auch ihnen kommen, abgesehen von allem Andern, die ge-waltigen Ersparnisse des Personenverkehrs von Zeit und Geld zugute. Nie hatman sie so oft und in solcher Zahl unterwegs gesehen, nie haben sie so weite Aus-flüge gemacht, und immer konnten sie doch auch zur rechten Zeit, auf die Stundewieder zu Hause sich einstellen. Aber was ist es damit? könnte man meinen — istdas ein Dienst für die Wissenschaft, daß die Träger und Förderer derselben jetztviel und billig reisen können, vielleicht gar darüber ihre Arbeiten versäumen? Nein,diese Erleichterung der Vergnügung-- und Erholungsreisen, welche dem Gelehrtenso gut wie dem Fabrikarbeiter zu gönnen ist, ihnen Beiden wohlthut und doch aucham Ende selbst ihrer Arbeit wieder zugute kommt — diese haben wir nicht im Auge.Auch die Männer der Wissenschaft sind jetzt viel mehr unterwegs, sie benutzen weitöfter und in viel größerer Zahl das Transportmittel, weil es der Betrieb der Wissen-schaft in unserer Zeit so verlangt, und weil auf diese Weise allein die stärksten Inter-essen der modernen Wissenschaft gefördert werden können. Schon die Literatur, inwelcher die Leistungen früherer Generationen niedergelegt sind, und die doch von denspätern genutzt werden sollen, ist an zahllosen Stellen in Bibliotheken und Archivenverstreut. Die Verstreuung über einen weiten Raum hin gilt »och mehr von allenDenkmalen, welche wir theils als handschriftliche Belege theils als stumme Zeu-gen für Leistungen in allen Disciplinen aufsuchen müssen, die eine Erforschunggeschichtlicher Zustände und Entwickelungen nöthig machen. Alle Wissenschaften,welche sich auf die Beobachtung des Volkslebens wie die Erscheinungen in der Naturangewiesen sehen, suchen an Ort und Stelle die ihrem Kreise angehörigen Thatsachenzu ermitteln, zu beobachten, zu vergleichen. In die Länder der alten Cultur, wieauf Territorien, welche kaum dem Europäer zugänglich geworden sind, zu Wasserund zu Lande, nach allen Seiten hin sind ununterbrochen Scharen von Männernim Dienste der Wissenschaft unterwegs, immer zu Orlsveränderungen genöthigt, undwo diese nur die Trace einer Eisenbahn erreichen können, werden sie auch die segens-reichen Erfolge der materiellen Bestrebungen für die Wissenschaft und ihre Bedürf-nisse anerkennen müssen. Die Ersparung von Zeit und Geld ist es, welche dieEisenbahnen ganz handgreiflich und ganz allgemein auch dem Gelehrten in seinemBerufe gewährt. Diese Geldersparniß verursacht vor allem, daß die Forschungdurch persönliche Untersuchungen, fern von dem eigenen Wohnsitze, nun auch demweniger Bemittelten möglich wird. Die gewaltige Ersparniß an Zeit kommt aber um-somehr in Betracht, als doch eben ein Mann, welcher auf der Höhe seines Lebensnach langen Anstrengungen zu einem productivcn Arbeiter auf dem Felde der Wissen-schaft herangereift ist, nicht genug mit seiner Zeit feilschen kann. Was er auf denim Dienste der Wissenschaft nöthigen Ortsveränderungen an Zeit erspart, kann erals productiver Arbeiter daheim oder für seine Forschungen und Vergleichungen in derFremde zusetzen. Bei der großen Ausdehnung der Entfernungen, die jährlich zurück-zulegen sind, und bei der großen Zahl von Männern, die stetig unterwegs ist, bleibtes freilich unmöglich, geradezu ein bestimmtes Maß von Dem, was die Eisenbahnenin dieser Beziehung den Wissenschaften leisten, auszustellen: sicher kann man nursagen, daß der Betrag dieser Leistungen bei weitem jene Spenden übertrifft, welcheliberale und für die Wissenschaft begeisterte Mäcene dem Gelehrten zu gewährenvermögen. Man kann selbst mit Bestimmtheit behaupten, daß ohne die modernenErrungenschaften in der Erleichterung des Verkehrs die Pflege der Wissenschaften,wie sie stattfindet und wie sie für nöthig erachtet wird, gar nicht möglich wäre. Was