Algerien. 371
Die Provinz Algier umfaßt die unmittelbar an der Küste liegende, fast abge-sonderte Bergmasse, welche das Massif von Algier genannt wird; ferner die süd-westlich daranstoßenden Hügel, der Sahel genannt, die südöstlich gelegene EbeneMetidscha und endlich die erste Parallelgebirgskettc des Atlas.
Das Massif, auf dessen südöstlichem Abhänge die Stadt Algier gebaut ist,wird durch eine ineinander verschlungene Hügelmasse gebildet, deren höchster Punktder Bu-Zaria, 1221 Fuß über dem Meere ist. Alle auf dem Massif entspringen-den Gewässer fließen entweder in das Meer oder in die Ebene Metidscha. Am west-lichen Fuße dieser Bergmasse und zwei Meilen von Algier liegt die Bucht vonSidi-Ferruch, wo im Jahre 18,10 die Ausschiffung der französischen Eroberungs-armec stattfand. Gegenüber, auf einem südöstlichen Nebenzweige und zwar im Sü-den der Stadt, liegt das Fort de l'Empereur, welches zuerst erobert werde» mußteund nach dessen Fall die Stadt Algier durch Capitulation sich ergab. Die Bergedicht bei Algier sind fast bis zum Gipfel angebaut oder mit Waldungen bedeckt.Man findet hier sehr anmulhige Thäler voll üppiger Vegetation: die Natur scheintsich hier gleichsam erschöpft zu haben. Die mittlere Höhe des Massif beträgt etwa480 Fuß. Das Massif bildet theilweise das Weichbild der Stadt Algier; auf densüdlichen Abfallen wohnen einige unbedeutende Stämme von Eingeborenen. Fernerliegen daselbst die Colonistendörfer Del-Ibrahim und Kuba.
Die Metidscha ist eine grüne Ebene, 11 —12 Meilen lang und 2 —2'/, Meilenbreit, wenig wellenförmig, selbst nicht an der Wasserscheide des Arrasch und desHämisch und Massafran. Südlich erhebt sich der Kleine Atlas schroff, fast jähe, imNorde» das Massif sanft und nur an einzelnen Stellen etwas schroff. Die Metidschasoll ihren Namen, nach arabischer Sage, einer christlichen Prinzessin verdanken, dieebenso geheißen hat. Die Ebene beginnt östlich am Flusse Buduau oder Khadaraund streckt sich westlich bis über den Dscher hinaus. Ihr Boden ist mit fetter frucht-barer Dammerde bedeckt; der nördliche Rand ist sehr sumpfig, der südliche hingegenist reich an üppigem Graswuchs, schönen Feldern und Holzgewa'chsen mancherlei Art.Die Dammerde im mittlern Theil ist sehr lehmhaltig, sodaß sie im heißen Sommerförmliche kluftartige Sprünge und Nisse bekommt, und einen furchtbaren Stauberzeugt, der die Märsche höchst beschwerlich macht. Infolge des sanften Abfalls, dendie Ebene von Süden nach Norden hat, sind an ihrem nördlichen Rande, wo dasWasser keinen Abfluß findet, viele Sümpfe entstanden; doch tragen hierzu allerdingsauch die Regengüsse in der Winterzeit daS Ihrige bei. Einer der bedeutendste» dieserSümpfe liegt mitten in der Ebene bei dem Städtchen Busarik. Die Sumpfgegendam Arrasch, der die Metidscha von Süd nach Nord durchschleicht, hat zwar einigeWiesen, sie sind aber morastig oder stehen unter Wasser, und nur auf den höhergelegenen Stellen befinden sich einige arabische Meierhöfe. Vor 30 Jahren noch solldie Metidscha sehr gut cultivirt gewesen sein, vortreffliches Getreide, gute Wiesen undreiche Pflanzungen gehabt haben. Der Krieg hat dies Alles zerstört. Erst in neuerZeit, wo die Sicherheit des Landes sich befestigt, hat man wieder angefangen, dieEbene zu bebauen. Der culturfähige Boden ist, selbst ohne Dünger, sehr ergiebig.Ein großer Ubelstand sind jedoch die häufigen Nebel, welche Morgens und Abendsin der Ebene herrschen und unter den Europäern böse Krankheiten erzeugen. ImWesten wird die Metidscha durch den Sahel begrenzt, den der Massafran durchbrechenmuß, bevor er in das Meer mündet. Nordöstlich bilde» die Sanddünen an denMündungen des Arrasch und Hämisch, die sogenannten Collines du Sahel, dieGrenze; im Osten reicht die Grenze bis an den Buduau. Diese ganze Hügelreihe
osten mit ihrer in steter Bewegung begriffenen Bevölkerung hinzurechnet oder nicht. DerVerfasser beschränkt hier die Grenzen der Colonic auf diejenigen Gebiete und Bevölkerungen,deren politische Zuhörigkeit eine Thatsache ist. Andere greifen weiter, und erhalten damitem Areal von wenigstens 6!>W Quadratmcilen, sodaß die Colonie einen Umfang von etwazwei Drittheilen Frankreichs selbst erreichen würde. D. Red.
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