Band 
Zehnter Band.
Seite
387
JPEG-Download
 

387

Algerien.

teil und Gewohnheiten entsprechende Organisation zu geben. Das unterste Glieddieser Organisation ist der Donar, ein Agglomcrat von kreisförmig aufgerichtetenZelten. Der Donar entspricht also gewissermaßen der europäischen Dorfgemeinde.Mehre solche Donars bilden eine Fcrka oder Canto», an deren Spitze ein Scheikhsteht. Die verschiedenen Ferkas vereinigt repräsentiren den Stamm, welcher unterLeitung des Kaid steht. Mehre Stämme zusammen bilden ein Kaidat oder Aghalik,mit einen, Kaid-el-Kiad oder einem Agha als Vorgesetzten. Endlich bilden eineAnzahl solcher Aghaliks eine Körperschaft, welche etwa der militärischen Divisionentspricht und von einem Basch-Agha oder Khalifa befehligt wird. Da alle Ange-legenheiten der Bevölkerung unter Leitung der Militärbehörden stehen, so mußte einMittelglied zwischen den Häuptern der Eingeborenen und der Oberbehörde geschaffen wer-den. Dieses Mittelglied sind die sogenannten Luresux arsbss. Ein solches Lurssuarabo ist dem Generalgouvernement in Algier beigegeben. Sodann bestehen Divi-sionsbureaux bei den Divisionsbefehlshabern, Bureaux erster Classe bei den Comman-deurs der Unterdivisionen, Bureaux zweiter Classe bei den Befehlshabern der perma-nenten militärischen Posten, endlich Nebenburcaux bei den nicht permanenten Mili-tärposten. Im Ganzen bestehen 40 dergleichen Bureaux, nämlich 14 in der Pro-vinz Algier, 14 in der Provinz Konstantine und 12 in der Provinz Oran. DieBeamten dieser Bureaux sind sämmtlich Offiziere und Unteroffiziere, welche dieSprache, Sitten und Bedürfnisse der einzelnen Stämme genau kennen. Ihre Auf-gabe ist es, einerseits die religiösen und bürgerlichen Interessen der Araber, anderer-seits diejenigen der Coloniste» in den Beziehungen zu den Eingeborenen wahrzuneh-men. S^ haben seit der Unterwerfung Abd-el-Kader's am meisten dazu beigetragen,die Autorität der französischen Regierung unter den rebellischen Stämmen zu be-gründen, das Schulwesen und den muselmännischen Cultus zu ordnen, kurz die ein-geborene Bevölkerung so viel als möglich der europäischen Civilisation zugänglich zumachen. Außerdem sind auch noch den Präfecturen arabische Bureaux beigegeben,welche Alles, was die Verhältnisse der Eingeborenen in den Städten des Civilgebictsbetrifft, zu überwachen haben. Sie handhaben, im Namen des Präfecten, die ge°sammte Polizei, führen die Civilstandsrcgister, verwalten Rechtspflege, Cultus, Wohl-thätigkeitsanstalten, sammeln die statistischen Materialien über die muselmännischeBevölkerung. Die Regierung der Eingeborenen vermittelst ihrer Chefs nnd derarabischen Bureaux ist ebenso einfach als wenig kostspielig. Die Gehalte sämmtlicherarabischer Beamten betragen zusammen nicht über 300000 Francs.

Die arabischen Stämme haben zweierlei Abgaben zu entrichten. Die eine undhauptsächlichste ist der Achur oder Zehnte, welcher von den Bodenproducten erhobenwird; die andere ist der Zekket und wird von dem Vieh erhoben. Der Zekket wirdjedoch in der Provinz Konstantine durch den Hokor ersetzt: derselbe repräsentirt dieBodenpacht und wird in Geld entrichtet. Die Steuerrollen werden von der Con-sultativcommission der Unterdiviston nach den Listen festgestellt, welche die Kaidsund Aghas zu Anfang des Frühjahrs einzureichen haben. Der Zekket wird als-dann sofort, der Hokor und der Achur hingegen werde» nach der Ernte erhoben.Jedes Stammoberhaupt erhält einen gewissen Antheil von den einlaufenden Steuern.Jede Dschcbda (ein Stück Acker, welches von zwei Ochsen bestellt werden kann) hatein Maß Weizen und ein Maß Gerste zu entrichten. Von je 100 Stück Hammel,von 30 Ochsen, von 40 Kameelen ist je ein Stück zu entrichten. Bei den Stäm-men, welche noch keine regelmäßige Verwaltung haben, ist die Veranschlagung derSteuern den Chefs überlassen, welche dieselbe je nach dem Neichthume des Stammesan Rindvieh, Kameelen und Palmbäumen bewirken.

Budget.

Daß eine Colonie, welche im Innern kaum erobert worden, deren Besetzungnoch einen bedeutende» Aufwand an Militärkräften erfodert und deren Hülfsquellen

25 *