413
Algerien.
schiffte sich am 10. Juli nach Maho» ein, und die unverheiralheten türkischen Sol-daten wurden nach Kleinasien transportier. Der Staatsschatz von Algier, im Be-trage von 48,700000 Francs ward von den Franzosen in Beschlag genommen.
Der Einnahme von Algier folgten in kurzen Zwischcnräumen Züge gegen Bli-dah, Bona und Oran, die zwar vorübergehenden Erfolg hakten, jedoch durch dieJuliereignisse in Paris unterbrochen wurden, infolge deren General Bourmont ab-berufen und Anfangs September durch den General Clauzel ersetzt wurde. Daserste größere Unternehmen Clauzebs war gegen den Bei von Titcri gerichtet, welcherder Mittelpunkt aller feindlichen Stämme war. Die Franzosen nahmen Biidah,marschirten am 21. Nov. 1830 über den Atlas und durch den Engpaß von Teniah,bemächtigten sich des letzter» nach einem blutigen Gefechte und standen am 22. vorMedeah, das sich freiwillig ergab. Der Bei stellte sich als Kriegsgefangener und wardseiner Würde entsetzt. Auf dem Rückmärsche hatten die Franzosen von neuem dieKabylen zu züchtigen, welche in der Zwischenzeit Biidah angegriffen. Clauzel'sPlan war, seine Kräfte ausschließlich auf Algier zu concentriren und die andernBeiliks, Konstantine und Oran, gegen einen jährlichen Tribut, Prinzen aus der Fa-milie des Bei von Tunis zu überlassen. Allein die französische Regierung ratifi-cirte den von Clauzel mit dem Bei abgeschlossenen Vertrag nicht und berief denGeneral ab, dessen Nachfolger, General Berthezene, am 20. Febr. 1831 in Algieranlangte. Die politischen Verhältnisse Europas machten gleichzeitig eine Reductionder Eroberungsarmee nothwendig, welche nunmehr auf etwa 10000 Mann herab-sank. Demgemäß war auch Berthezöne angewiesen worden, sich hauptsächlich mit derVerwaltung zu beschäftigen. Die feindlichen Häupter der Stämme machten sich dieszu Nutze, um die Franzosen von neuem zu beunruhigen. So namentlich bedrohte derabgesetzte Bei Ben-Mesrag Medeah, und Berthezene war unklug genug, die Hälfteseiner Armee gegen ihn zu senden. Ohne etwas ausgerichtet zu haben, kehrte dasCorpS am 5. Juli 1831 nach Algier zurück, nachdem es eine bedeutende Niederlageam Col de Teniah erlitten hatte. Auch in den beiden andern Provinzen zeigten sichbedrohliche Aufregungen. Die Regierung sandte eine besondere Division unter demGeneral Boyer gegen Oran, welcher auch die Stadt in Besitz nahm und nun alsselbständiger Commandant der Provinz fungirte. I» Algier indeß gingen die Sachennicht vorwärts. Bei der Schwäche seiner Streitkräfte blieb dem General Berthezenenichts Anderes übrig, als mit den Arabern einen Vergleich abzuschließen. Im Übri-gen bewies er sich seiner Aufgabe als Oberbefehlshaber nicht gewachsen und wurdeauch im Herbste 1831 abberufen, gerade in einem Augenblicke, wo der Krieg inAlgier eine ernstere Gestaltung als je zuvor annahm. Zum Nachfolger Berthezene'sward General Savary, Herzog von Novigo, ernannt, welcher am 25. Dcc. inAlgier landete.
In der Provinz Oran hatten inzwischen die Dinge eine besonders bedrohlicheWendung genommen. Abd-el-Kader, der Sohn des Marabut Sidi-Mahiddin, hattesich zum Prätendenten der erledigten Herrschaft aufgeworfen, Maskara erobert,diesen Ort zu seiner Hauptstadt erhoben und vorläufig den Nachbarstämmen derStadt Oran aufgegeben, die französische Besatzung daselbst zu blvckiren, ein Unter-nehmen, welches der General Boyer nicht zu hindern vermochte. Gleichzeitig ver-suchte auch ein Maure Sidi-Sadi in Algier einen Volksaufstand zu Gunsten desvertriebenen Dci zustande zu bringen. Allein dieser Versuch scheiterte schließlich ander Uneinigkeit der bethciligten Stämme.
Das Auftreten Abd-el-Kader's bezeichnete überhaupt eine neue Phase in demalgicrischen Eroberungskriege. Wir haben weiter oben, gelegentlich der Besprechungder religiösen Orden Algeriens, erwähnt, wie Abd-cl°Kadcr es hauptsächlich jenerangeblichen Prophezeiung in Mekka zu verdanke» hatte, daß mehre Stämme ihnim Jahre 1832 zum Anführer erwählten. Er nahm damals den Titel eines Beivon Maskara an. Als der Todfeind der Franzosen, suchte er den Kaiser von Ma-rokko zu bewegen, sich ihm anzuschließen, was dieser indessen, durch die Drohungen