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Zehnter Band.
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428 Thüringen.

gischer Sagen" manche Perle aufbewahrt worden. Wie anderwärts sanken auch indieseni Lande die altgermanischen mächtigen Götter und Göttinnen zu gefürchtetenRiesen, zu schielenden Zwergen und Hexen herab, oder sie verflüchtigten sich zunebelhaften Gespenstern. Der alte Glaube wurde Aberglaube; ernste Gebräuchekurzweilige Unterhaltung. Auch die christlichen Heiligen haben das Terrain dort ein-gebüßt, wo der noch aufrechtstehende Stein, in dessen Nische sich ehemals eine Mon-stranz befand, zum „Niesenlöffel" gemacht werden konnte! Nur vom heiligen Bo-nifacius wird noch erzählt, daß, als ihn hungerte, die Adler der Orla ihm Fischebrachten. Übrigens hat sich heidnische und christliche Zeit in einigen großartigenBildern wunderbar gemischt oder alttestamentliche Ursagen sind frei ins Thüringischeübersetzt worden. Das hiesige Sodom z. B. heißt Ebcrsdorf und lag dort, wo unterdem Wege von Schmalkalden nach Steinbach-Hallenberg sich gegenwärtig ei» Wie-seugrund hinzieht. Das Dorf war reich, denn seine Bewohner trieben Bergbau ausGold, Silber und Kupfer. Aber der gewonnene Reichthum machte sie übermüthig;sie frevelten am Heiligen, gingen nicht mehr in die Kirche und führten ein gottlosesund üppiges Leben. Nun diente in Ebersdorf eine fromme Magd, aus Spring-stillen nahe bei Schmalkalden gebürtig, die bat an einem Sonntage Urlaub von ihrerHerrschaft, um nach Hause zu gehen und mit den Ihrigen das heilige Abendmahlzu genießen. Über diesen frommen Vorsatz wurde sie gescholten und gehöhnt, dochdurfte sie sich entfernen und ging weinend ihres Wegs. Als sie zurückkam, fandsie das Dorf nicht mehr. Dort, wo es gestanden, ragte nur noch ein Hügel, undaus diesem blinkte das goldene Kreuz der Thurmspitze in der Abendsonne, wie dasKreuz über einem Grabe. Das Dorf war versunken und aus der Tiefe war dasängstliche Krähen der Hähne zu vernehmen. Eilends kehrte die Magd in ihren Hei-matsort zurück und verkündete, was sie wahrgenommen, aber Niemand wollte ihrglauben. Als jedoch einige Springstiller mit der Magd gingen, fanden sie die Be-stätigung des Gesagten. Das Kreuz war versunken und kein Hahn krähte mehr.Es herrschte Todtenstille; erst spät nahmen die Nachbar» Besitz von der FlurmarkungEbersdorf, daher es kommt^ daß noch mehre Springstiller dort Wiesen besitzen.Man sieht noch den Hügel in der Mitte des Thals; in seiner Nähe finde» sich alteHeckenlinien, die Grenzen ehenialiger Gärten.

Über dem Dorfe Krock bei Eisfeld findet man Steinchen, wie Erbsen groß,auch wol größer, ähnlich denen, welche zwischen Jerusalem und Bethlehem bemerktwerden; dort wie hier bildete sich die Sage von einem Erbsenacker, dort mit derJungfrau Maria, hier mit einer „Königstochter" in Verbindung gebracht. Amberühmtesten ist aber der Hörselberg durch seine Sagen. Mitten in grünender undblühender Umgebung ganz öde und kahl emporragend, mußte er dem Auge verdächtigwerden. In einer dunkeln Schlucht hörte man das Wasser rauschen; man hortedort Stimmen und der Eingang zum Fegfeuer, zur Hölle selbst mußte dort sein.Andere vernahmen Liederstimmeu und Mädchengekicher, und so war die Residenzder Frau Venus, der gefährlichen Zauberin des Mittelalters, gefunden. Voin Hör-selberge aus beginnt die wilde Jagd, welche im Schwarzwaldc wiederkehrt, auf drei-,beinigen Pferden, mancher Mann das Gesicht auf dem Rücken, oder den Kopf unterdem Arm. Dem wilden Heer voraus zieht der getreue Eckart mit weißem Stäbein der Hand und warnt die Begegnenden, sich niederzuwerfen, die Jagd nicht zusehen und den Lärm vorüberbrausen zu lassen. Einst kam nun auch der edle Tann-häuser, ein Rittersmann aus Franken, nach vielen abenteuerlichen Zügen am Hör-selberge vorbei, indem er den Landgrafen Hermann auf der Wartburg zu besuchengedachte. Frau Venus verlockte ihn, bei ihr einzukehren und Tannhäuser folgte,blieb ein ganzes Jahr, empfand dann aber Überdruß am unterirdischen Minnehofe,Neue und Sehnsucht, den Ort zu verlassen. Vergebens bot Frau Venus alle Bitten,alle Künste auf, ihn ferner zu fesseln; der Ritter ließ sich nur das Versprechen er-pressen, im Fall er keine Vergebung seiner Sünden erlange, wiederzukommen.Tannhäuser pilgerte nach Rom und warf sich dem Papste Urban zu Füßen, allein