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sie sich freilich durch Franz Wegele's Schrift über den Großherzog Karl August vo>rWeimar eines Bessern belehren; jedenfalls aber müßte Herzog Ernst II. von Gothaihr Mann sein, da er nicht blos Schiller's „Glocke" vollständig auswendig wußte,Goethe oft bei sich sah, niit Merck reiste und einen lebhaften Briefwechsel führte,Thümmcl und Götter begünstigte und für Eckhof und Jffland ein Theater baute,sondern auch Männer ernster Wissenschaft, wie Gcißler, Schlichtegroll, Schlotheim,I. G. Eichhorn, Hos, Manso und Jacobs, um sich sammelte und nicht blos denrömische» Klassikern huldigte, Bibliothek und Sammlungen ansehnlich vermehrte,sondern auch U. I. Seetzen's orientalische Reise unterstützte, sich von Burckhardt undCunningham über Lebon's Thermolampen und von Blumenbach aus der Schädel-lehre berichten ließ. Mit Zach arbeitete er auf der von ihm gegründeten und be-rühmt gewordenen Sternwarte; L. Eh. Lichtenberg wurde aus Göttingen verschrie-ben, um naturwissenschaftliche Vorlesungen zu halten, und Ritter aus Jena, umgalvanische Experimente anzustellen. Außerdem nahm der Herzog an der Landes-verwaltung so lebhaften Antheil, daß er bei der Ausarbeitung einer neuen Proceß-ordnung, bei der Einrichtung der Werk- und Armenhäuser im ganzen Lande, beider Einrichtung des Leihhauses, der Witwenkasse für Staatsdiener, der Brandasse-curanz und bei der Verbesserung der Landwirthschast und Viehzucht stets die Handunmittelbar im Spiele hatte.
Gegenwärtig hat sich die Scene insofern nicht unbeträchtlich geändert, als diegrößern Staaten sich an den kleinen ein Beispiel nahmen und Berlin und Münchenmit umfassenden Mitteln, was die Ausstattung der künstlerischen und wissenschaft-lichen Werkstätten betrifft, Weimar, Gotha und Jena beträchtlich überflügelten. Indeßsehen die kleinen Pflanzstätten der Humanitätsbildung den gewaltigen Aufschwungohne Neid; auch sie erfreuen sich daran. Kamen im Jahre 1799 die preußischenMajestäten zur Aufführung des „Wallenstein" nach Weimar, so reist man gegen-wärtig vielleicht von Weimar nach Berlin, um der Darstellung des „Propheten"oder der „Satanella" beizuwohnen; allein es kann nicht zweifelhaft sein, wo diegrößere Bedeutung liegt. Schlimm genug, daß Friedrich der Große einen Lessingunbeachtet lassen konnte und daß Klopstock, als er auf Kaiser Joseph's II. Ein-ladung Wien besuchte, dort alle Voraussetzungen vermißte, um der deutschen Natio-nalliteratur Boden zu gewähren. Norddeutschland wurde von der Nationalliteraturinzwischen vollständig in Besitz genommen, und stehen ihre Vorposten gegenwärtignicht blos in München, Wien und Triest, sondern selbst in Pesth und Hermann-stadt, Krakau und Posen, so hat das kleine Weimar, die Geburtsstätte der deut-schen Klassiker, ein wesentliches Verdienst an jenen Eroberungen, die in jeder Auf-führung der Schilstr'schen und Goethe'schen Dramen in Klausenburg, in Kronstadtund anderwärts noch immer weitergreifen. In Weimar war man nicht so „mittel-deutsch" gesinnt, sich gegen die Einwirkungen von Königsberg, Tübingen, Heidelbergund woher immer Gutes kam, zu verschließen; vergesse man also in München auchnicht ganz, daß man dort Schlichtegroll, vorübergehend Jacobs und dauernd Feuer-bach und Schelling von Jena und Gotha erhielt.
Auch gegenwärtig werden in Thüringen Kunst und Wissenschaften von denFürsten mit Liberalität, von den Bewohnern mit Eifer gepflegt. Auch gegenwärtignehmen die typographischen Anstalten von Gotha, Hildburghausen und Weimar ei-nen hervorragenden Platz ein. Weimar ist noch immer reich an Reminiscenzen sei-ner großen Zeit: wagte sogar Hoffmaun von Fallersleben ein „Weimarisches Jahr-buch" darauf zu gründen! In Gotha leben Gustav Freytag, der Verfasser der „Va-lentine", Emil Jacobs, der Maler des „Sklavenmarkt", der Bildhauer Wolfgang,Ludwig Storch, welcher sein poetisches Talent leider durch Literaturpolitik beein-trächtigen ließ, in Waltershausen. In Neuseß bei Koburg siedelt Friedrich Rückert,und Gerstäcker will im schönen Jtzgrunde die umfassenden Resultate seiner Weltrei-sen gestalten. Der eigentliche literarische Thüringer ist der immer sammelnde, im-mer gestaltende Ludwig Bechstein i» Meiningen. Aus Tradition nimmt der wei-