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zu republikanischen Nebclbildern verlocken, deren eigentliche Bedeutung sie selbst nichtverstanden und die sie höchstens in den Nebensachen eines StraßenlärmS, eines Aus-Marsches, ohne Zusammenhang und Übersicht im Gedächtniß behielten oder gar schonvergessen haben.
Als die meisten, im Grunde noch gemäßigten Foderungen gewährt waren, Wü-stemann aber seine Entlassung genommen hatte, stutzten selbst die Ungestümen, indemsie sich fragten, wer nun die neuen Principien durchführen solle. Selbst der schonfortgerissene Landtag fühlte sich gedrungen, dem verdienten Manne neben dem Dankfür sein bisheriges Wirken auch die Hoffnung auszusprechen, daß er nach Herstellungseiner Gesundheit in sein Amt zurückkehren möge. Indeß begannen die Volksver-sammlungen und die entfesselte Presse ihre Wirksamkeit und die neuen Staatsmännerreiften unter ihrem Einfluß mit den Aprikosen am Spalier. Die verunglückte Ver-haftung der Aufwiegler hatte die beliebten Barrikaden zur Folge, diese eine Amnestie,diese die Deputation, welche dem Herzog sagte, eS stehe ihm nach der Verfassungzwar frei, seine Räthe nach eigenem Ermessen zu wählen, allein es sei ihm drin-gend zu rathen, „Männer des Volks, die daS Vertrauen des Volks besitzen", inSMinisterium zu rufen. Von Cruciger's Eintritt in dasselbe datirt sodann, daß dieStaatsgewalt auS den Angeln ging. Der unaufhaltsame Fortschritt von Dölitzsch,Erbe und Douai — Douai, dem erst frömmelnden, dann freigeistischen Candidatender Theologie — drang in den Landtag und eines der ersten Geschäfte war, daßeinige Demagogen mit Zuziehung eines Sachverständigen die Hauptkassen stürzten.Sie hatten nicht erwartet, Alles, namentlich die Landesbank (ein Institut von7,250000 Thaler Activa und 6,885000 Thaler Passiva; 1851 mit 65400 ThalerGewinn) in bester Ordnung zu finden, und deshalb wurde an den allerdings hohenAusgaben des herzoglichen Hauses desto mehr gemäkelt. Man wußte warum; desbisher so populären Lindenau Mahnungen wurden überhört. Jene Herren, welchewegen der Höhe der Civilliste und des Steuerdrucks geseufzt hatten, halfen in derZeit von 1848 — 51 die Staatsschuld von der vergleichsweise geringen Summe von923955 Thalern aus 1,574000 Thaler bringen, eine Summe, die trotz der Matri-cularbeiträge und Kriegsrüstungen nicht zu rechtfertigen ist. Sie machten in aller Eilefür 52,000 Thaler Papiergeld, gegen das sich Altenburg bisher stets gesträubt hatte.
Schon am 28. Mai 1848 schrieb der „ Vater.'andsvcrein" von Altenburg andie deutsche Nationalversammlung: „Der Verein bekennt sich offen zur Republik";und der Landtag bewies noch besondere Mäßigung, wenn es dort hieß: „Das Volkwird künftig herrschen, der Herzog nur noch regieren." Flugblatt auf Flugblatt,Volksversammlung auf Volksversammlung! „Für Fortschritt und Bewegung" erklärtesich das „Altenburger Volksblatt", da es am Fortschritt allein noch nicht genughatte. Eine, unstreitig von der Stadt aus veranstaltete und in Altenburg gehalteneBauernversammlung verlangte „Aufhebung der Frohnden und Lehnsgefälle ohneEntschädigung, Aufhebung der Steuerfreiheit, Einkommensteuer (bei der, als sieversucht wurde, die reichen Bauern ihrer Deklaration zufolge der Unterstützung be-nöthigt waren), Armenversorgung durch den Staat, freie Fischerei in den öffent-lichen Gewässern, Befreiung der Hausbesitzer von den Wegbaukosten, Abtretung desKammervermögcns an den Staat, Volksbewaffnung und Beseitigung des Beamten-heers". Man sieht den städtischen und doktrinären Einfluß; man sieht aber auch,daß der in seinem herkömmlichen Gleise rechtlich denkende Bauer im ungewohntenJdeenkrcise zum niedrigsten Egoisten wird. Für die Entschädigung der Dienst- undZinsbercchtigten sprach selbst Dölitzsch als einsichtsvoller Jurist, aber die Bauernfanden es bequemer, gar nichts zu zahlen. Anfangs wurde der Bauer gehetzt, dannhetzte er und zwar aus dem Hinterhalt, seine Advocaten bezahlend, weil er hoffte,die Auslage wieder eingebracht zu sehen.
In den Städten erhielten die Sanguiniker den Kleinbürger und das Proletariatbeständig im Athem. Zwar klagte die „Deutsche Eisenbahn" vom 3. Aug. 1848,die Reaction gewinne, dank der Lässigkeit und Leichtgläubigkeit der Masse, täglich