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Zehnter Band.
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Thüringen.

den mußte! Auch gegen innere Unruhen hatten die Regierungen keine Regimenteraus den Provinzen in die Hauptstadt zu ziehen, und sie hingen von der Willfährig-keit und dem Geschäftsgänge befreundeter Regierungen ab. Allein in allen diesenPunkten Abhülfe zu schaffen, ist Sache der Bundesreform. An sich ist der Übel-stand, welcher oft geltend gemacht wird, nicht groß, wenn in den kleinern Staatenhöhere Offiziere und Civilbeamten aus Preußen oder Sachsen entlehnt werden: estritt,damit factisch eine Annäherung an einen größer» Organismus ein; fühlbar wirdder Übelstand erst beim Rücktritt und der dann nothwendig werdenden Entschädigungjener Beamten. Er vergrößert sich freilich, wenn auch für untergeordnete Angelegen-heiten, für Durchführung der Flurvermeffung und Zusammenlegung fremde Beamtenmit bedeutender Vergütung herbeigezogen werden müssen. Aber der doctrinären Klage:im kleinen Staat könne sich die Staatsidee nicht entwickeln, bleibe der Beamten-horizont ein enger, werde die andere aus dem Leben Schwarzburg-Sondershausensgegriffene gegenübergestellt: „Die Ausländer messen unsere Verhältnisse nach zugroßem Maßstabe." Vor der erdrückenden Einförmigkeit einer großartigen Centralisa-tion, wie z. B. beim Stadtgericht zu Berlin, wo ein Beamter Tag für Tag und Jahraus und Jahr ein nichts zu thun hat, als Manifestakionseide abzunehmen, bleibtdie Beamtenwelt der kleinen Staaten bewahrt. Wie würden die Reformatoren von1848 und 1849 den Umstand ausgebeutet haben, daß in Neuß-Greiz ein und der-selbe Mann alle drei Justizinstanzen vorstellte, wenn sie es gewußt hätten! Gegen-wärtig findet schon in zweiter Instanz Actenversendung an ein auswärtiges Justiz-collegium statt. Oder wenn jene Herren gewußt hätten, daß es sich in den säch-sischen Herzogthümern ereignen kann, daß eine und dieselbe Person als Super-intendent, als Mitglied des Schulcollegiums und als Mitglied des Konsistoriumsim Appellakionsfalle das Referat in einer und derselben Sache behält! Wir legenkein zu großes Gewicht darauf, daß Weimar in Dresden, Meiningen, obwoleS eine eigene Münze in Saalfeld hat, in München Zweithaler. (3',/r Gulden-)Stücke prägen läßt. Daß die Postverwaltung in den meisten Staaten ThüringensThurn- und Taxis'sches Lehen ist, und daß die Post- und EisenbahnverwaltungAltenburgs an das Königreich Sachsen abgegeben wurde, hat wesentliche Vortheile,obwol die Souveränetätseitelkeit dadurch auf den ersten Blick gekränkt erscheinenmag. Bitterer ist, daß die kleinen Staaten bei aller Ordnung ihres Finanzhaus-halts auf den großen Geldmärkten nur geringen Credit haben, da nothwendige An-leihen nur mit großen Verlusten contrahirt werden können, oder Unternehmen wiedie Werrabahn, bei der sich Preußen schwerlich an die orientalische Frage kehrenwürde, durch jede Krisis gehemmt werden. Allerdings ist mehrfach versucht worden,von manchen Umständlichkeiten loszukommen, z. B. daß die Gcheimerathscollegien demLandeshauptmann, der Landeshauptmann dem Magistrate rescribirt — und dies Allesin einer Stadt, wo ein Gang über die Straße den Proceß abkürzen müßte. Manhob die Mittel- und Unterverwaltungsbehörden auf, übertrug die Geschäfte der Erstemden Ministerien, denen man ein größeres Personal gab, und schob zwischen diesen undden Ortsbehördcn einen landesherrlichen Kreisdirector mit landschaftlich gewähltenBeiständen ein. War damit auch dem Zslk-govornmsnt gehuldigt, vereinfacht wurdedadurch nichts. Bei der jetzigen Organisation des Deutschen Bundes, die auch demkleinsten Bundeskörper die particulare Ausführung aller seiner souveränen Aufgabenauferlegt, kann aber trotz des ernstesten Willens die Regierungsmaschine kaum be-schränkt werden Die Cadres sind in dem kleinen Staat dieselben wie in dem großen,während hier unstreitig durch die Menge der Unterbehörden Vortheile erlangt werden.Trennten einige kleine Länder Justiz und Verwaltung sogar in der untersten Instanz,so erwuchs daraus, abgesehen von der Unfehlbarkeit der Maßregel, statt der stet-ersehnten Ersparniß ein neuer Mehraufwand.

Eine Hauptverwickelung ist aber sowol hinsichtlich der Umständlichkeit als desKostenpunktes aus den vollständig durchgeführten Repräsentativverfassungcn entstanden,woran man früher nicht gedacht hatte. Wir haben nachzuholen, daß der freiltch