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Zehnter Band.
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Thüringen. 46S

von einer ungeheuren Verheerung, welche die Nonne (eine Raupe) am Ende des vorigenJahrhunderts anrichtete, noch nicht erholt. Dort gibt es daher nur Mittelholzbestandund mehre Eisenwerke mußten aus Mangel an Fcucrungsmaterial eingehen. ImSchmalkaldenschen hat die Staatsregierung selbst die Wälder so gelichtet, daß derMangel an Brennmaterial unter den Bewohnern den größten Nothstand erzeugte,gegen den sich die Nachbarschaft mit bewaffneter Hand vertheidigen muß.

Durch Johann Matthias Bechstein in Waltcrshausen bekam Thüringen dieerste öffentliche Lehranstalt für Forst- und Jagdkunde in Deutschland (1794), welchespäter (1801) nach Dreißigacker bei Meiningen übersiedelte, dort eine rasche Blüteentwickelte, 1843 jedoch wieder aufgehoben wurde, um mit der Realschule in Mci-ningen vereinigt zu werden. Gegenwärtig erfreut sich die Forstschule in Eisenach,früher unter G. König's, gegenwärtig unter Forstrath Grebe's umsichtiger Leitung,der bedeutendsten Frequenz. Nur eine Vorschule fehlt diesem Institute: die gothai-schc Regierung beabsichtigte, eine solche in Georgenthal zu gründen, und es wärezu wünschen, daß der Plan zur Ausführung käme.

Die Waldwiesen sind bei der Ungunst des Klima nur einschürig und heißendie Jobswiesen, weil sie um Jacobi gemäht werden. Indeß ist das Frauenmäntel-chen nicht karg und der Fuchsschwanz, das Strauß-, Knaul- und Honiggras, Ruch-gras, Goldhafer und Wiesenschrigel und ebenso der Ackerspark, der Baldrian unddie Gänsediestel breiten sich weithin fröhlich aus. Auf den Höhen und Abhängenwächst eine Menge officineller Kräuter, über deren Heilkraft die ungläubige Zeitfreilich sehr zweifelhaft geworden, und gegen deren unbegrenzte Wohlthaten die Medi-cinalpolizei einschritt, svdaß die Obcrweißenbacher im Rudolstädkischen (wie die Sievers-häuser im Sollinge) ihre Tränke, Pulver, Pflaster und Pillen erst weit nach Polenund Rußland tragen müssen, um sie abzusetzen. Dagegen dient die Preißelbeere (inThüringen auch Holperte, Moosgucke und Mehlbccre, im Harz Kronsbeere genannt)zu Gunsten vieler Tausende von fleißigen Sammlern noch in ganz Norddeutschlandals Universalmittel für Hausfrau und Köchin, wenn unvermuthete Gäste sich einstellen.Einige süddeutsche Pflanzen, wie der nicht sehr schöne Nieswurz (lisllelxwur; lostillus),finden in Thüringen ihre Nordgrenze, während Bocksbart (^nsmons prntensis) um-gekehrt hier seine Südgrenze erreicht. Für sich allein hat Thüringen höchstens dasThüringische Fingerkraut (kotentills tkuringiaca), welches an den Gleichbergen beiArnstadt spärlich vorkommt.

Im Ganzen ist Thüringen fleißig bebaut, ohne übervölkert zu sein, und die Ein-wohnerzahl bewegt sich im Flachlande zwischen 3700 und 3400, im Gebirge zwischen3600—3800 auf der Quadratmeile. Die Bauart der meisten Dörfer auf dem nörd-lichen Abhänge des Gebirges ist dem Ackerbau ungünstig, indem die Bauerngüter instadtartige», oft sogar mit Thoren ohne Ringmauer versehenen Gruppen dicht bei-sammen liegen, und mancher Laudwirkh einige Stunden weit bis zu seinem ent-legensten Acker zu gehen hat. Im altenburgischen Ostkreise dagegen haben sich dieDörfer vielfach aufgelöst, wenigstens finden sich die großen Dörfer nur sparsam, unddie Güter sind in die Felder verstreut, wie die Sennhütten der Alpen in dieMatten. Durch Ufercorrection (an der Saale) und Austrocknung oder Ableitungder Sümpfe ist viel geschehen, um Culturboden zu gewinnen. Nur in der Gegendvon Sonnebcrg könnte durch Aufschüttung des Moorgrundes und durch Ausfüllungunnöthiger Teiche noch Ackerboden erzielt werden, zumal dadurch auch für die Ge-sundheit der Gegend gesorgt werden würde.

In der Flurabtheilung ist die durchstoßende langschmale, walzende Parcelledie eigentlich thüringische Art. Daneben findet sich in den südlichern Gebieten diefränkische Weise, wo die Abtheilung vom Hause aus fadenförmig durch Wonne undWeide hindurchgeht. Im meiningenschen Oberlande besteht die niedersächsische Artnach Tost und Kamp, wo die besondern, nach ihrer Güte verschiedene» Flurstückein einzelne Länder getheilt und vertheilt wurden, oder Höfe mit umliegendem Grund-besitz vorkommen. Im Saalgebiet liegen oft verschiedene Kämpe in slawischer Art