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erwähnten umsichtigen „Geschichte der Landwirthschaft im altenburger Osterlande"(Altenb. 1845). Bei alledem aber erschien der Mann im vollen altenburger Bauern-costum, das Gesicht gebräunt unter jeder Arbeit des Feldes.
Der Boden des altenburger Osterlandes ist so fruchtbar, daß man ihm zutraut, !vier Acker, mit Umsicht bewirthschaftet, können eine Familie mit drei bis vier Kiu- !dcrn anständig ernähren. Jedoch sehr zu beachten bleibt ein von den Bauern dessel-ben Osterlandes dem Direktorium ihres landwirkhschaftlichen Vereins gelieferter Nach-weis, daß die Ertragsfähigkeit ihrer so vortrefflichen Bodenstrecken trotz allen Fleißesund aller Agrikultur in letzter Zeit gegen früher nicht zugenommen, sondern abge-nommen hat. Im Kreisamtsbezirke Kahla (Saalgau) desselben Herzogthums ist der
Boden unergiebig; er ist sehr zersplittert und es herrscht Armuth. Die Flur des
Dorfs Reinstädt ist 1632 Acker groß und in 3267 Parcellen getheilt; die Flur des
Dorfs Zeuksch, 890 Acker groß, in 687 Parcellen. Das Ackerland des ganz aufdem Übergangsgebirge liegenden Fürstenthums Reuß-Greiz läßt sich nur mit Mühedie Ernte abringen, aber der Fleiß der Bevölkerung leistet Erstaunliches. Einschleswig-holsteinischer Gutsbesitzer, welcher die Gegend besuchte, äußerte: „Wennich in meiner Heimat solchen Boden besäße und zum Geschenk ausböte, würde ihnNiemand annehmen, und hier gewinnen die Leute von diesem Boden schöne Früchte!"
Den Handel und die Gewerbe der thüringischen Städte, welche durch eine !Menge von Eingangs- und Durchgangszöllen gehemmt und beschwert waren, bc- ^freite der thüringische Zollverein im Jahre 1833. Als er die Hauptschwierigkeitcn !
beseitigt hatte, konnte der Anschluß an den allgemeinen deutschen Zollverein noch in !
demselben Jahre erfolgen.
Schon längst hatte die thüringische Industrie, welche sich mit Ausnahme desMeerschaums und Tabacks fast ausschließlich auf die Verarbeitung inländischer Roh-produkte gründete, für manche Zweige einen weiten Markt zu erringen gewußt. Derinnere Verkehr fand an den kleinen aber verhältnißmäßig reichen Höfen zu allenZeiten seine Hauptbeförderer, und deshalb bewiesen diejenigen Politiker, welche 1818hier mit Beseitigung der „Vielregiererei" kurz und gut vorzuschreiten gedachten, daßsie von nationalökonomischen Bedingungen eines kleinen Landes keinen Begriff hak-ten. Das Gelingen ihres Plans würde, ohne auf irgend einer Stelle zu nützen,die meisten der blühenden Städte an den Bettelstab gebracht haben.*) Der Im-port geschah bis auf die Colonialwaaren, welche zeitig direkt aus Hamburg undBremen bezogen wurden, durch den Zwischenhandel von Erfurt, Naumburg undMagdeburg; Kaufleute, welche auf der leipziger Messe ihre Einkäufe machten, gal-ten für sehr wohlhabend. Der Export reichte bis zu den Seestädten; doch durch-zogen auch Handelsleute aus Schmalkalden, Gcra, Sonneberg, Nuhla und Neu-dietendorf die entlegensten Gegenden von Europa und andern Welttheilen.
Die Hauptstraßen waren die leipzig-frankfurter über Naumburg, Weimar,Erfurt, Gotha und Eisenach; dann die bremen-nürnberger, welche von Münden überEisenach, Meiningen, Hildburghausen und Koburg führt. Den zweiten Rang nah-men die Straßen von Zeitz über Gera, Sonneberg nach Koburg, von Gotha überSuhl nach Hildburghausen und von Weimar über Jena und Neustadt an derOrla ein. Altenburg gehörte der Straße von Leipzig nach Rcgensburg an undsein Verkehr war stets, mehr dem Erzgebirge als dem Thüringerwalde zugewendet.Durch die Eisenbahnverbindung ist Alles gesteigert worden: das innere Leben hatnach allen Richtungen gewonnen und auch Thüringen hat seine Beziehungen überdas Meer vervielfältigt. Man schätzt die Zunahme des Gesammtverkehrs von 1831-—
50 auf mehr als 10Zuerst hat sich der Schienenweg von Berlin und Leip-
*) Lärmten in den Volksversammlungen von 1848 und 1849 die Schuster und Schneidervon Gotha und Altenburg gegen die Lurusbauten des Hofs, so verhielten sich Schlosser,Glaser und Schreiner ganz still, und erst wenn es über das „Beamtenhcer" herging, ließensich diese Zünfte vernehmen; dann aber stimmten Schneider und Schuster erst ein^ nachdemsie sich überzeugt hatten, daß sich keiner ihrer Kunden in der Nähe befand.