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Zehnter Band.
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Die neuere Physiologie rc. ,

blicke, wo letzteres reif der Befruchtung entgegeneilt, seine Bestimmung durchaus 'erfüllt habe: es verschwindet dann spurlos, indem es wahrscheinlich sich auflöstund seine Flüssigkeit sich mit derjenige» des Dotters mischt. Nicht minder lebhaftwie um das Keimbläschen waren die Bemühungen um das Schicksal namentlich dervielfachen bläschenförmigen Keimflecke, welche bei manchen Thieren, z. B. den Frö-schen, im Keimbläschen sich finden. Auch diesen hatte man eine bedeutende Rolle inden spätern Bildungsvorgängen innerhalb des Eies zugewiesen. Aber auch hierinscheint man das Rechte nicht getroffen zu haben, denn auch diese Bläschen schwin-den, ohne weitere Veränderungen zu erleiden, sodaß der Dotter nach geschwundenemKeimbläschen und Keimfleck eine durchaus gleichförmige Masse darstellt, welche denganzen Räum der Dotkerhaut erfüllt.

So weit war man gelangt, als ganz in der neuesten Zeit das Eindringen derSamenthierchen in den Dotter den Beobachtern einen noch keineswegs erschöpftenGegenstand bot. Genauere Untersuchungen über diesen Punkt, zuerst in Englandangestellt, wurden diesseit des Kanals theils ignorirt, theils selbst mit dem vorneh-men Höhne der Alleinweisheit in embryologischcn Dingen solange zurückgewiesen, bistheilweise sehr fehlerhafte Beobachtungen, die aber doch einen beachkungswertheu Kernvon eifrigem Strebe» nach Wahrheit enthielten, auch in Deutschland die Frage aufsneue in Anregung brachten. Gereizte Zurückweisung gegenüber den diesseit wie jen-seit des Kanals nun in der Wissenschaft auftretenden Namen, ärgerliche Replikenund mismuthiges Zugeständniß einiger Thatsachen auf erhaltene Winke hin folgtensich Schlag auf Schlag und hätten noch länger fortdauern können, wenn nicht ganzneuerdings ausgezeichnete umsichtige Untersuchungen von unbctheiligter Seite her denunerquicklichen Streit so niedergeschlagen, daß von keiner Seite her ei» Widerbelferndagegen möglich ist.

Wir haben oben gesehen, in welch verschiedener Weise die Samenthierchen indas Ei gelangen können; cS liegt uns nun ob, nach dem Ergebniß der neuesten Unter-suchungen darzustellen, welches Schicksal die Samenkörperchen i» der Dottermasse er-leiden. Die Beobachtungen an dem Spulwurm? der Katze haben hierüber besondersAufschluß gegeben. Die Samenthierchen dringen hier durch das Dottcrthor in dasEi ein und gleiten längs der innern Fläche der Dotterhaut hin, sodaß man sie ander Peripherie des Eies herumliegen sieht. Nun vermindert sich allmälig ihr An-sehen, ihre Contouren werden schärfer und dunkler, ihre Substanz bricht offenbardas Licht mehr als die umgebende Dottermasse, und in kurzer Zeit kann man sichüberzeugen, daß dieselbe in Fett umgewandelt ist. Aus dem stabförmigen, in dieLänge gezogenen Samenkörperchen ist ein etwas konsistentes Fetttröpfchen geworden,welches nach und nach in der Dottermasse sich auflöst und vollständig darin ver-schwindet.

Beide Vorgänge, die Auflösung des Keimbläschens, wie diejenige der einge-drungencn Samenthierchen, laufe» demnach auf ei» und dasselbe Endresultat hinaus,nämlich auf die Herstellung einer überall gleichartigen Dottermasse, welche die Grund-lage des aufzubauenden Jungen darstellt. Nichtsdestoweniger ist in beiden Vorgän-gen ein ungcmeiner materieller Unterschied: der eine löst ein fortan bedeutungslosesGebilde auf, der andere zerstört nur die Form eines von außen her gelieferten Bil-dungselementes, ohne dessen Dazwischenkunft die weitere Entwickelung des Eiesnicht stattfinden kann und dessen Stoff die Bedingung der weiter» Neubildungen ist.Durch beide Vorgänge wird aber erst der eigentliche embryonale Dotter gebildet,aus welchem nun der Aufbau des Jungen hervorgehen kann; erst durch die Ver-schmelzung des Keimbläschens und der eingedrungenen Samenthierchen mit der Dotter-masse wird jene Qualität der Dottersubstanz hergestellt, welche die Bildung desZunge» ermöglicht.

Der Nachweis der Verschmelzung der Samenkörperchen mit der Dotlersubstanzselbst hat nothwendigerweise allen bisher gangbar gewesenen Ansichten über den Be-sruchtungshergang eine neue Wendung geben müssen. Solange die positive Erkennt-