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Zehnter Band.
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520 Die neuere Physiologie rc.

bleibt, während der Bildungshergang aber nicht der gleiche ist wie bei den Säugekhieren.Ganz ein ähnlicher Fall tritt bei einer eigenthümliche» Gruppe von meerbewohncudeuMantelthieren, bei den sogenannten Salpen ein: auch hier bleibt das Junge währendseiner ganzen Entwickelung durch einen hohlen Stiel, in welchem ein Fruchtkuchenliegt, mit der Mutter im engsten organischen Zusammenhang. Das Charakteristischealler dieser Placentaverbindungcn liegt aber darin, daß die Blutströmungen der Mut-ter und der Frucht zwar einander begegnen, aber vollständig unabhängig voneinanderbleiben, sodaß der Übergang von Nahrungsstoffen und überhaupt der Austausch voneinem Blutgcfäßsqstem zum andern nicht unmittelbar, sondern nur durch die Wan-dungen der sich berührenden Gefäße hindurch geschieht. Die Ermittelung dieses Punk-tes hat besonders bei den Säugethieren vielfache Untersuchungen hervorgerufen. DieBlutgefäße des Embryo werden durch den früher erwähnten Harnsack an eine Stelleder Eipcripherie geleitet, die mit der Innenwand der Gebärmutter im engsten Zu-sammenhange steht: es bilden sich auf der Eioberflache Zotten, in welche die Gefäßedes Embryo schjjngenartig eindringen, und diesen Schlingen wachsen von dem Ge-fäßsysteme der Gebärmutter her andere Schlingen entgegen, die sich bedeutend erwei-tern und Hohlräume bilden, in welche die Gcfäßschlingc» des Embryo hineinragen.Die Blutbahn der Frucht ist demnach überall ebenso vollständig geschlossen wie die-jenige der Mutter, und nur flüssige und gasförmige Stoffe können durch die Wändeder Blutgefäße hindurch miteinander ausgetauscht werden. Der Mutterkuchen ist dem-nach ein Organ der Ernährung und der Athmung zugleich für den Embryo, einOrgan des wechselseitigen Austausches für alle Stoffe, welche in das Blut der Fruchtaufgenommen oder von demselben abgeschieden werden sollen, und nur auf dem Wegedieses Austausches kann die Frucht aus dem Blute der Mutter diejenigen Stoffe er-halten, welche zum Ausbau ihrer Organe unumgänglich nöthig sind, da sie im Übri-gen durch „die vielfachen Hüllen vollständig von der Außenwelt abgeschlossen ist.

In Übereinstimmung mit dieser fortdauernden Ernährung der Frucht aus dem >mütterlichen Blute steht die geringe Ausstattung des Eies der Säugethiere mit Dotter- !substanzen, welche bei andern Classen, wie z. B. den Vögeln und Reptilien, reich- 'licher ist. Bei diesen letztem muß der sich entwickelnde Embryo seine Organe gänzlichauf Kosten derjenigen Substanzen aufbauen, die ihm vom Beginne an in dem Ei >niedergelegt wurden: der einzige Austausch, welcher, und auch hier nur in beschränk-tem Maße, stattfindet, besteht >u der Wechselwirkung der an der Oberfläche des Eiesbefindlichen Gejäßschlingen und der äußern Luft, welche durch die Poren der Eischaleeindringt, und deren Sauerstoff gegen eine gewisse Quantität von Kohlensäure um-getauscht wird. Zufuhr von wirklichen Ernährungssubstanzcn findet aber bei dieserArt der Entwickelung nicht statt, und es ist deshalb auch in Beziehung aus die Vor-gänge im Ei selbst ziemlich gleichgültig, ob die Entwickelung außerhalb oder innerhalbder mütterlichen Organe stattfindet, d. h. ob das Thier Eier legt oder lebendige

Junge gebiert. Bei manchen Reptilien kann dies sogar willkürlich geändert wer-den: hält man sie in der Gefangenschaft, ohne ihnen die äußern Bedingungen, un-ter welchen sie ihre Eier legen, zu gewähren, so behalten sie dieselben im untern

Theile des Eileiters bis zur Enthüllung und gebären dann lebendige Junge,wahrend sie sonst Eier legen. Der Eileiter dient dann ebenso gut als Brutstätte, >wie der Misthaufen oder der feuchte Sand, in welchen sie ini Freien ihre Eier ab-gelegt haben würden; die mütterlichen Organe nehmen keinen weiter» Antheil ander Ausbildung der Jungen.

Schon oben wurde erwähnt, daß nicht alle Säugethiere die Ausbildung einesFruchtkuchens während der Entwickelung beobachten lassen. In der That gibt eseine ganze Reihe von Säugethieren, bei welchen kein solcher Zusammenhang derFrucht mit der Mutter stattfindet und welche man deshalb die Säugethiere ohneMutterkuchen oder die Didelphen genannt hat. Bei diesen entwickelt sich das Eiinnerhalb der Leikungsorgane, ohne sich jemals festzusetzen, nur bis zu einer gewissenStufe der Embryonalbildung, die bedeutend geringer ist als diejenige, i» welcher die