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Zehnter Band.
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Judenthnm. 553

dar Charakteristische des jüdischen Strebcns, daß ein einmal ins Auge gefaßtes Zielmit unbesiegbarer Beharrlichkeit festgehalten und niemals wieder ausgegeben wird.

Lcheinaufklärung und ihre Folgen.

Aber der Einfluß, den einerseits die plötzlich zur Herrschaft gekommene neueIdeenwelt, sowie andererseits der überraschende Fortschritt der Juden in der Auf-nahme der Zeitbildung zu Gunsten derselben auf die öffentliche Meinung ausübte,verschaffte ihnen in gewissen Kreisen einen zu raschen und zu leichten Erfolg, alsdaß sich nicht bald auch verderbliche Folgen desselben zeigen sollten.

Es bemächtigte sich nämlich der Juden ein unruhiges Drängen nach Bildungund öffentlicher Geltung, ein krankhaftes Verlangen nach Hinwegräumung allerScheidewände zwischen ihnen und ihren christlichen Mitbürgern, das ihrer naturgemäßfortschreitenden innern und äußern Entwickelung schaden mußte. Geistesbildungwurde nicht mehr nach dem innern Werth geschätzt, den ihre Aneignung verlieh,sondern nach dem äußern Erfolg, den ihr Besitz verschaffte. Gebildet scheinen undfür gebildet gelten wurde zum Gegenstand des allgemeinen Ehrgeizes. Der Erfolg,den man erstrebte, war kein anderer als die Aufnahme oder doch die Zulassung indie gebildete christliche Gesellschaft. Das Mittel aber, durch das man hierzu zugelange» hoffte, glaubte man vornehmlich in der Lösung von all den Formen zufinden, die bisher den Juden vom Christen unterschieden und getrennt hatten-. Manglaubte den Juden zunächst äußerlich abstreifen, diese Entäußerung vor der Öffent-lichkeit documentiren zu müsse», um der Gemeinschaft mit dem Nichtjuden würdigund zugänglich zu werden. Schcinwisscn, Schcinbildung und besonders Scheinauf-klärung, d. h. ein ostensibles Prunken mit der Nichtachtung alles Dessen, was bisherdem Juden eigenthümlich, werth und heilig gewesen war, wurde unter tonangeben-den wohlhabenden Juden zur Tagesordnung. Scheinemancipation derselben von derAusschließung aus der christlichen Gesellschaft war der einzige Erfolg derselben.Wenn Männer von Geist und Charakter, von ernstem und bewußtem Streben be-reits offen und rückhaltlos den Standpunkt Mendelssohn's aufgaben und mit derSelbstbefrciung von hergebrachter jüdischer Unbildung und Unsitte sich auch von derBeobachtung des jüdischen Gesetzes lossagten; wenn dieselben in Wort und Schriftfür die Autonomie der Vernunft, als der obersten Nichten» über alle Fragen derReligion und des Lebens, sich erklärten; wenn diese Männer infolge ihrer allgemei-nen geistigen und sittliche» Stellung in den gesellschaftliche» Kreisen der gebildetstenund hochgestelltesten Christen jederzeit willkommen waren und eine ausgezeichneteStellung einnahmen — so gestalteten sich alle diese Tendenzen und Erfolge vor denBlicken und im Streben der großen Schar der nachahmenden Menge zu einemganz andern Bilde, das nicht nur der anziehenden Originalität, sondern auch dermaß- und würdevollen Haltung und der sichern Abgrenzung gänzlich entbehrte, unddaher nur zu leicht und nur zu oft an das Gebiet der verzerrten Caricatur streifte.

In diesen. Kreise lebte der Name und der Ruhm Mendelssohns nur nochfort, um jeden jungen Mann, der sich für begabter hielt als seine Altersgenossen, inden Wahn zu versetzen, daß in ihm ein zweiter Wdendelssohn zu erwarte» sei; undman schenke sich wol auch nicht,.mit staunendem Achselzucken von Mendelssohn's Be-schränktheit über die Frage des Gesetzes oder doch mit lächelndem Zweifel gegen denErnst seiner Behauptung über die Geltung desselben aufzutreten. Von der Philosophiedes Jahrhunderts hatte man sich die gangbarsten und schlagendsten Formeln an-geeignet, um mit denselben die Berechtigung jeder Autorität ohne Bedenken zurück-zuweisen; und man besaß gerade soviel allgemeine Kenntnisse, um sich an Gesprächender Art zur eigenen Befriedigung zu betheiligen, und genug Witz, um seine vorur-theilsfreie Aufklärung durch einige spottende Bemerkungen über Autoritätsglaubenund Orthodoxie zu documentiren. Man besaß soviel äußere Politur, um sich innichtjüdischen Gesellschaften allenfalls ohne Anstoß gegen die Sitte zu bewegen, aberweder hinreichende Selbstachtung, um sich nicht auch in Kreise zu drängen, wo man