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Zehnter Band.
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Hannover. 661

anlagen bewirkt, d. h. Ableitungskanäle, mit deren schrittweiser Fortführung zugleichTors gewonnen und Ackerbaustellcn errichtet werden. Im Bremischen leidet die Aus-nutzung der größten Moorstrecken noch an unzulänglichen Verbindungsstraßen, daherman von einer nahen Zukunft dort die Vollendung des längst beabsichtigten Oste-Wümmekanals und die Errichtung einer Bremen-Harburger Eisenbahn, beides aufdie engere Verbindung der zwei großen deutschen Scehandelsplätze Hamburg undBremen berechnet, erwartet. Die periodische Auswanderung der Anwohner dieserMoorgegenden, das sogenannte Hollandsgehen, ist stark im Abnehmen begriffen.

Die Schätze ans Licht zu fördern, welche unter der Oberfläche der Erde ruhen,liegt in Hannover beinahe ausschließlich dem Staate ob. Steinkohlen zu gewinnen istzwar niemals als förmliches Regal betrachtet worden; aber thatsächlich ist das Ge-schäft in den Händen der Staatsverwaltung geblieben, die im Rechnungsjahre 1851— 52 daraus 926400 Balgen oder 2,516000 Kubikfuß für 58685 Thaler Rein-gewinn gezogen hat. Von den Salzwerken dagegen, an denen das Land einen natür-lichen Reichthum besitzt, sind unter 18 nur drei dem Staatsgut angehörig, währendes an drei andern einen Antheil besitzt. Die gesammtc Salzerzcugung betrug imRechnungsjahre 1848 — 49 rund 517500 Centner, von denen auf die königlichenSalinen 17°/, oder 88500 Centner kamen. Von der ganzen Summe wurden imAuslande 178500 Centner oder 34'/°/° abgesetzt. Von dem Kalkbcrge bei Lüneburgwerden auf Staatskosten Kalk und Gypsmehl gebrochen, was unter Anwendung vonKettenstrafgefangcnen als Arbeitskräften im Rechnungsjahre 1850 — 51 rund 16800Thaler Überschuß ergab.

Ungleich bedeutender als diese Betriebe ist der Harz mit seinen Bergwerken undForsten. Er ist für Hannover die Erbschaft weniger erleuchteter Jahrhunderte, indenen der Grundsatz galt, daß der Staat für Leben und Wohlergehen seiner Insassenim weitesten Umfange zu sorgen habe, anstatt einfach für ihre öffentliche Sicherheit.Die Bevölkerung des Harzes lebt noch heute in dem Glauben, die „Herrschaft" seifür ihr Fortkommen verantwortlich, und eine unübersehbare Menge halb verdienter,halb freiwillig zugestandener Leistungen der Regierung bestärken sie darin. Da aberder Staat heutzutage große Industrien, in denen er der Cvncurrenz von Privat-betrieben ausgesetzt ist, nur noch mit zunehmendem Schaden fortführen kann, so ge°räth die Wirthschaft der harzer Bevölkerung, abhängig wie sie von dem guten Willender Verwaltung ist, immer tiefer ins Stocken, wofür durch planmäßige und vomStaate geleitete Auswanderung nur erst eine sehr geringe Erleichterung gegeben ist;der Übergang zu einem andern System, zur Überlassung des Bergbaus an Privat-unternehmer und zur Trennung des Forsthaushalts von der dortigen Verwaltung,wird daher über kurz oder lang nothwendig eingeschlagen werden müssen. Der Staatmuß sich aus diesem Gliede der hannoverischen Gesellschaft vollends zurückziehen, wennes nicht ganz und gar elend absterben soll. Hält man die vvlkswirthschaftlichen Er-gebnisse im Harz mit den finanziellen zusammen, so ergibt sich, daß der Abschluß jedesneuen Jahres die Lage schlimmer als das vorausgegangene erscheinen läßt. Der Harzist seiner Verwaltung nach in zwei selbständige Theile getrennt. Unter der königlichenBerghauptmannschaft Klausthal steht der sogenannte Oberharz, 11'/ Gevicrtmeilengroß mit 56000 Einwohnern, dessen Haushalt in drei Abtheilungen, die Silberberg-werke, die Eisenhütten und den Forsthaushalt, auseinandergeht. In vier Silberhüttcnwurde 1850 für 612000 Thaler Silber, für 562000 Thaler Blei und Glätte, für28000 Thaler Kupfer gewonnen, wobei die Ausgaben freilich die Einnahmen um55000 Thaler überstiegen. Die Eisenproduction des Harzes ergab 1849 in hundert-pfündigen Centnern rund 59000 Gußwaare, 25000 Granulir- und Wascheisen,54000 anderweitiges Roheisen, 48500 Stabeiscn, 15500 Zaineisen, 1100 Draht,100 Rohstahl, 100 Raffinirstahl, 300 Gußstahl und 365 Centner Achsen. DieEinnahmen dieses Haushalts waren 1850 rund 408000 Thaler, die Ausgaben 357000Thaler. Von den Forsten ist schon im Zusammenhange mit denen des Landes dieRede gewesen. Das zweite selbständige Stück des hannoverischen Harzes macht der