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Die große und kleine Industrie.
mit Handspinnerci dafür zu arbeiten. Dies Geschäft verdrängte vielfach den müh-samern Feldbau, daher z. B. die Mißernte von 1771 schon weit empfindlicher wurde.Neuerdings haben auch hier die Handspinner von Seiten der Spinnmaschinen großeBedrängniß erlitten. *)
Wo Fabrik und Manufactur auf demselben Felde miteinander wetteifern, damuß die erste regelmäßig den Sieg davontragen. Sie kann die Arbeitstheilungviel weiter führen: damit ist für den Nationalökonomen schon genug gesagt. Werabwechselnd webt und den Acker baut, der wird schwerlich dieselbe Virtuosität errei-chen, als wenn er sich einem dieser Geschäfte allein widmete. Das Capital ist beimHaussysteme sehr zersplittert; die Intelligenz des Unternehmers im Großen,. Verlegers,Kaufmanns, oder wie er sonst heißen mag, ist hier mit der Thätigkeit des Arbeitersnur sehr lose verknüpft. Es gibt dabei natürlich Gradunterschiede: wo der Verlegerblos die Einsammlung und den Absatz der fertigen Waaren besorgt, da leistet er selbstfür die ganze Produktion viel weniger, als wo er die Arbeiter mit Rohstoff und Musterverficht, die schließliche Appretur vollzieht u. s. w. Wie sehr durch den Betrieb ingroßen Gewcrbsanstalten, selbst ohne alle Maschinenhülfe, der Preis der ^Waarenermäßigt wird, zeigen die niedrigen Preise der handschriftlichen Bücher in Mariial'sZeit. Das erste Buch dieses Dichters, 45 Octavseiten in der zweibrücker Ausgabe,kostete gebunden u. s. w. nur 5 Denare, d. h. etwa 4 Francs; die „Leinen", 22 Octav-seitcn, nur 4 Sestertien — 6 bis 7 Silbcrgroschen, und hätten eigentlich nur 2 Sester-tien zu kosten gebraucht.**) Solche Preise lassen sich nur erklären durch das, seit.Atticus eingeführte, großartige Fabrikwesen der Buchabschreiber. Im Allgemeinenleuchtet wol ein, wie der Übergang aus dem ältern System in das neuere wirth-schaftlich ein Fortschritt ist, nach welchem in der Regel jedes Gewerbe streben wird.Ist dieser Fortschritt einmal gemacht, so können die Hausarbeiten schwerlich auf dieDauer die Concurrenz der Fabrikarbeiten vertragen. Man vergleiche nur die deutscheHausleinweberei mit der schottischen Weberei, die gleichfalls durch Menschenhandgetrieben wird. Die letztere befindet sich meist in großen, dem Fabrikanten, d. h.eigentlich Spinner und Bleicher, gehörigen Räumen, wo 50—100 Stühle neben-einander stehen. Außer den sonst hierbei möglichen Vortheilen, Ersparnissen u. s. w.wird namentlich allem Unterschlagen und Vertauschen des Garns auf diese Art amwirksamsten vorgebeugt. Auch die irländischen Leinweber sind durch das Aufblühender großen Fabriken zu Dundee verdrängt worden. Das auffallendste Beispiel aberist der Untergang der ostindischcn Baumwollindustrie, welche seit einem Jahrtausenddie ausgedehntesten nationalen Wurzeln hatte, durch die Nähe des Rohstoffs unddie Niedrigkeit des Arbeitslohns unüberwindlich schien, und gleichwol die Concur-renz der jungen Fabriken von Lancashire selbst auf ihrem eigenen Boden nicht aus-halten konnte.
In frühern Zeiten, wo die geringere Güte der Transportmittel, die schärfereAbsonderung der Volkscharaktere, Volkssitten und Volkstrachten, sowie der Mangelan Maschinen die Gewerbe nothwendig mehr über viele Länder zerstreuten; wo injeder Production die Handarbeit unendlich wichtiger war, als das Capital: da mochtesich das Haussystem allenthalben auch durch größere Wohlfeilheit empfehlen. I. Mö-ser bemerkt, in Osnabrück sei das Leinen oft viel wohlfeiler gewesen als das Garn;aber die Landleute hätten doch fortgefahren zu weben, um den selbstgebauten Flachsin zwei verschiedenen Formen zu Markte bringen zu können. Ging die eine Formnicht, so ging vielleicht die andere, und ihre Mußestunden hatten die Leute doch ein-mal zur Flachsarbeit bestimmt. Dies sei das Geheimniß, urtheilt Möser, weshalbdie englischen Leinenfabriken von den deutschen Manufacturen immer noch unterbotenwürden. Etwas Ähnliches gilt von der hausmäßigen Verarbeitung anderer Rohstoffe,
*) Meyer von Knonau, „Der Canton Schwyz", S. 134 fg.
S*i1ll*f"'^ ^ "8' XIII, 3. Bgl. A. Schmidt, „Geschichte der Denkfreiheit",