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Zehnter Band.
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Die große und kleine Industrie.

briken steigerten das Elend, so wäre dies falsch; aber ste concentriren es jedenfalls,in dichtbevölkerten Gewerbedistricten, kolossalen Gewerbehauptstädten u. st w., undmachen es eben dadurch ungemein viel bemerkbarer. Die Unzufriedenen überzeugensich von der Größe ihrer Zahl, jeder Einzelne entflammt sich noch mehr anden Übrigen. Und was das Schlimmste ist, die Abhülfe wird positiv schwieriger, danatürlich Gewerbkrisen, wenn bei großer Arbeitstheilung eine ganze Gegend vondemselben Gewerbe lebt, auch die ganze Gegend, Reiche wie Arme, in Noth ver-sehen. Oft sind die Fabrikherrcn geradezu gezwungen, den Lohn ihrer Arbeiter zuerniedrigen; wie lebhaft werden diese nun, durch Unwissenheit, Verzweiflung, Wüh-lerei verblendet, ihre Herren als ihre Feinde betrachten! Einzelne unbarmherzige Aus-nahmen, wo dies wirklich der Fall, gelten dann als Regel; um so leichter, weildie Fabrikherren durch ihre ganze Stellung wirklich mehr im Stande sind, ungün-stige Conjuncturen auf die Arbeiter abzuwälzen, als umgekehrt. Dies ist der Bo-den, worauf die Giftpflanzen der socialistischen und kommunistischen Utopien amüppigsten gedeihen. In England, wo der eminent praktische Sinn des,.Volks dasWuchern verkehrter Systeme sehr beschränkt, ließen sich doch einzelne Äußerungenerbitterter Opposition unter den Fabrikarbeitern schon seit langer Zeit und in be-denklicher Menge beobachten. So empfing Niebuhr 1829 ein Pamphlet in der vier-ten Stcreotypausgabe aus der Hand eines englischen Radikalen. Die Vignettezeigte ein furchtbar häßliches Weib, dessen Kopfpuh aus Krone und Mitra wun-derlich zusammengesetzt war, und das ein unförmlich dickgewordenes Punze nochmehr vollnudeltc, während fünf andere, hungerige und zerlumpte Kinder danebenum Speise jammerten, oder in dumpfer Verzweiflung am Boden saßen. * *) Inweitverbreiteten Gedichten (z. B. von Mead, Gerald Masscy und Andern) werdendie Fabrikhcrren unter dem Namen Mill - Lords **) gegeißelt, die Dampfmaschinendem Moloch verglichen, der auch Feuer in seinem Innern hatte und lebendige Kin-der fraß.

Einen um so schönern Eindruck machen die Bemühungen einzelner edeln Fa-brikherren, sich gemüthlich mit ihren Arbeitern in gutes Vernehmen zu setzen. InEngland haben vornehmlich die Herren Gregg auf diesem Wege Bahn gebrochen,die sich, warm für die Veredelung der Mußestunden ihrer Leute interessirten, gym-nastische Spiele u. st w. für deren Kinder einrichteten, die besten Arbeiter auf einepassende Art in ihren eigenen Gesellschaftskreis hereinzogen u. s. w., Alles nach-weislich mit dem schönsten Erfolge. Freilich darf man von der Nachahmung sol-cher Beispiele nicht unmittelbar zu viel hoffen. Um zu gelingen, setzt dieser Versuchimmer eine ausgezeichnete Persönlichkeit voraus, die sich insgemein ziemlich baldeine Elite von Arbeitern zulegen wird. Gregg selbst gesteht ein, er habe seine ur-sprünglichen Arbeiter fast alle zuvor loswerden müssen. Wären sämmtliche Fabrik-herren solche Gregg, so würden die Arbeiter es ihnen bald nicht mehr Dank wis-sen; denn der Mensch dankt in der Regel nur für ungewohnte, unerwartete Wohl-thaten. Indessen wer einen Theil einer Classe wirklich hebt, der trägt schon dadurchzur Hebung der ganzen Classe bei. Insofern sind auch die Subskriptionen zu Lon-don, Manchester u. s. w-, um für die niedern Volksclassen Parks zu gründen, ob-schon hier von persönlichem Dankgefühle kaum die Rede sein kann, gewiß Samen-körner einer bessern Zukunft.

Die ärgste Schattenseite des neuern Fabrik- und Maschinenwesens besteht inder unzweifelhaft dgmit verbundenen Auflockerung des Familienbandes.

Ein großer Theil der Maschinen ersodert zu seiner Wartung so wenig mensch-

*) „Niebuhr's Briefe", III, 242 fg.

*) 2m Gegensatze der viel weniger verhaßten Mylordß. MII heißt im Englischen jede Fabrik,die von Maschinen getrieben wird. Für die Geringschätzung der menschlichen Persönlichkeit derArbeiter ist auf Seiten der Herren der sehr gewöhnliche Ausdruck mill-iisnä ( — Arbeiter)charakteristisch. " "

Die Gegenwart. X. - 46