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Östreich.
römischen Curie, eine unbedingte Herrschaft der Bischöfe über den Klerus und dieLaien war ihr Ziel. Dagegen wollte der Verfassungsentwurf auch die Trennung derSchule von der Kirche durchführen, die Synvdalverfassung herstellen, der Gemeindeeinen verhältnißmäßigcn Antheil an der Verwaltung der kirchlichen Angelegenheitenzusprechen und die materielle Lage des niedern Klerus verbessern. Nach mehrtägigenDebatten, in welchen namentlich Pinkas und Szabel und der Berichterstatter des Aus-schusses selbst, Nieger, durch die leidenschaftliche Heftigkeit ihrer Angriffe gegen denEpiskopat hervortraten, siegte die liberale Anschauungsweise. Die Kirche wurde frei,aber auch die Schule, die Gewissen und die klerikalen Proletarier, die Vicare undKaplane. Ob dieser Beschluß (am 6. März gefaßt) in allen Provinzen und in allenStanden mit der gleichen Freude wäre begrüßt worden, wie in Böhmen und bei demaufgeklärten Bürgerstande, steht dahin. Gleichzeitig mit der Kunde davon kam indie Provinzen die Nachricht von der Auflösung des Reichstags, und diese Nachrichtließ alles Ander? in Vergessenheit gerathen.
Die Auflösung des Reichstags.
In einer der ersten Märzsitzungen wurde dem Reichstage ein eigenthümlicherAnblick geboten. Die Mitglieder des Verfassungsausschusses betraten den Versamm-lungssaal, jeder die Brust mit einer dreifarbigen Schleife: Roth, Gold und Weißgeschmückt. Dies Abzeichen, aus dem Durchschnitte der Landes- und der lothringi-schen Haussarben gewonnen und als die neue constitutionelle Tricolorc erklärt, solltedem Reichstage andeuten, daß auch die eigentliche Verfassung im Schosse deS Aus-schusses vollendet sei und zur Berathung bereitliege. Lange genug hatten die Ge-burkswehen gewährt. Als der Reichstag nach Kremsier übersiedelte, war der Ver-fassungscntwurf um keinen Schritt weitergerückt, als an dem Tage, wo der Aus-schuß zum ersten male zusammentrat. Palacky hielt an seinem föderativen Planefest, von welchem die übrigen Mitglieder des Ausschusses nichts wissen wollten, undda eine Ausgleichung nicht möglich schien, so zog man die Unthätigkeit dem Streitevor. Ohne einen günstigen Zufall hatte vielleicht der Reichstag niemals eine Ver-fassungsvorlage erhalten. Während Palacky auf Urlaub abwesend war, kam Pinkasals Ersatzmann in den engern Fünfcrausschuß. Er brachte die bedenkliche Unthäkig-keit des letzter« zur Sprache und erbot sich, im Falle der Ausschuß nicht binnenacht Tagen seinen Vcrfassungsentwurf beendigt, im Laufe der nächsten 18 Stun-de» eine Konstitution zu skizziren, welche den Debatte» wenigstens als formelleGrundlage dienen könnte. Diese Drohung wirkte. Der Abgeordnete Mayer schriebmit aller Hast aus dem vor wenigen Wochen publicirten Verfassungsprojectc einesböhmischen Adeligen, Grafen Albert Nostitz, und aus einzelnen deutschen Konstitutio-nen einen Entwurf zusammen, welchen er dem Fünserausschusse vorlegte und zur An-nahme empfahl. Palacky, von, Urlaube zurückgekehrt, berief seinerseits die czcchischenMitglieder des größer» (Dreißiger-) Vcrfassu»gsausschuss»s zu einer Berathung undlegte ihnen vor seinen Plan des östreichischen Föderativstaatcs, in nationale Grup-pen gegliedert, die Einzelländer in den meisten Angelegenheiten autonom und nurdurch eine formale Spitze in Wien verbunden. Mit Ausnahme ^Niegcr's, welcherPalacky's föderative Tendenzen vollkommen theilte, verwarfen alle Übrigen (Strobach,Pinkas, Brauner) die Nationalitatsgruppcn uud drangen auf die Vereinbarung mitden Centralistcn. Ebenso wie bei seinen nächsten politischen Freunden blieb Palackybei dem Fünferausschusse in Minorität, und an den größer» Dreißigerausschuß ge-langten nun beide Entwürfe, jener Mayer's, auf vollständige Centralisation berechnet,und Palacky's Föderationsplan. An eine Annahme des letzter» war bei der Zusam-mensetzung des Constitutionsausschusses — er war nach den Gouvernements gewähltworden und zählte 20 Centralistcn auf 10 Föderalisten — nicht zu denken. Gleichdie erste Discussion wurde mit einer.solchen leidenschaftlichen Bitterkeit geführt, daßPalacky aus dem Ausschüsse austrat und sich vorbehielt, erst im Angesichtc des gan-zen Reichstags seinen Entwurf zur Erörterung zu bringen. Die wenigen Födera-