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Eilfter Band.
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Die Auswanderung.

Nachhaltige Abhülfe gegen Übervölkerung liegt also in den der Industrie mehroder weniger fremd gebliebenen vorzugsweise ackerbautreibenden Ländern, Provinzenund Völkern Europas nicht in der Auswanderung, sondern in der Einführung —wir möchten sagen: Einwanderung — einer angemessenen Industrie.

Die klugen und praktischen Schweizer sind das einzige Volk Europas, das dieseWahrheit in größerm Maßstabe erkannt oder instinctmäßig herausgefühlt hak. Invielen Cantonen und Gemeinden, vorzugsweise der protestantischen Schweiz, die nochVor wenigen Jahrzchnden auf die sparsamen Productc ihres Landes angewiesen waren,herrscht gegenwärtig eine sehr ausgedehnte industrielle Thätigkeit; der Canto» Gla-rus insbesondere, der früher wahrhaft ein Bcttlcrcauton war, hat jetzt durch seinenLinthkanal, seine Spinnereien, seine Kattundruckereien ein vollkommen anderes, durchund durch wohlhabendes und gesundes Ansehen erlangt. Diese Erfahrung ist dieVeranlassung, daß in der Schweiz sehr oft in der neuesten Zeit der eine oder derandere Industriezweig von Gemeindewcgen in ein mit Übervölkerung bedrohtes Dorfoder Städtchen eingeführt ward. Das ist die Bahn, auf der viel sicherer und nach-haltiger Abhülfe möglich ist, als durch einen sich von Zeit zu Zeit erneuernden Ader-laß, der die Vollblütigkeit vermehrt, nur gefährlicher und zuletzt unheilbar macht.

Eine vermehrte industrielle Thätigkeit ist eine mögliche Hülfe für die Gesell-schaft; die Auswanderung ein Ncttungsniittel für den Einzelnen. Dem Einzelnen,der in Noth und Elend gerathen ist, der einer kümmerlichen elenden Zukunft fürsich und seine Kinder entgegensieht, wird oft nicht nur nicht augenblicklich geholfendurch ein größeres industrielles Leben in seinem Lande, sondern nicht selten wird ibmsogar durch die Einführung einer Maschine, die in naher oder ferner Zukunft fürdas Land eine Wohlfahrt und eine Abhülfe gegen relative Übervölkerung zu werdenverspricht, die letzte Erwerbsquelle genommen. Diesem Einzelnen mit Frau undKind und Allen, die sich mit ihm in gleicher Lage befinden, mag dann immerhin beiGlück und festem Willen die Auswanderung zu einer bessern Zukunft verhelfen.Diese Hoffnung ist für Viele der Treiber zur Auswanderung. Die glückliche» undzukunftrcichen Bedingungen Amerikas, Australiens und anderer Colonien kommenals anziehende Kraft hinzu. So oft die Zurückbleibenden die Hoffnung Eines unterZehn in Erfüllung gehen sehen, wirkt dies Eine Beispiel des Glücks allein mehrals das von neun Andern, deren Geschick unbekannt bleibt, und deren Andenken in eini-gen Jahren verschollen ist. Hierin liegt die Hauptursache der massenhaften Aus-wanderung, die gegenwärtig Tausende und Hunderttausend- aus Europa nach denColonien treibt und zieht.

Die Politik und die Religion sind neben relativer Übervölkerung und dem ausihnen hervorgehenden Elende nicht weniger treibende Kräfte für die Auswanderung.Religiöse Unduldsamkeit und politische Tyrannei hat zu allen Zeiten die Einzelnen,ganze Classen, ganze Völkerstämme zur Auswanderung getrieben, so oft und so baldsich den in ihrem Heiligsten Verletzten ein Land öffnete, das sie gegen die Verfol-gung in Schutz nahm. Fast von dem ersten Tage an, daß Amerika in Europa be-kannt wurde, daß sein jungfräuliches Land der Auswanderung offcnlag, haben dieverschiedensten religiösen und politischen Parteien, die in ihrem Vaterland,: nicht zumDurchbrüche kommen konnten, oder auch die. nach langer Herrschaft endlich besiegtzurücktreten mußten, in Amerika einen Zufluchtsort gesucht und gefunden. DerMennonite Deutschlands, der Quäker und Puritaner Englands, der Hugenotte Frank-reichs, der Katholik Irlands, der Republikaner und der Noyalist, der Communistund Socialist und ebenso gut Söhne entsetzter Kaiser und KönigSfamilicn wan-derten aus nach dem Lande der Freiheit. Die Ncvolutionspcriode, in der Europa lebt,hat in den letzten Jahrzchnden eine Partei um die andere siegreich und besiegt gesehen.Die allgemeine, innere Unruhe, die hierdurch j„ die Völker gekommen ist, die ganzbesonders auf dem deutschen Volke lastet und die Zukunft dunkel und gewittcrschwcrzeigt, hat sehr Viele zur Auswanderung veranlaßt, die nicht durch Elend und Nothdazu gezwungen wurden. >