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Schweden.
Der Landbau und die Grundverhältnisse.
Die Hauptbeschäftigungen des schwedischen Volks sind Acker- und Bergbau,Viehzucht und Fischerei, und dazu kommt noch ein nicht unbedeutender Gewerbfleißnebst Handel und Schiffahrt. Die Viehzucht befindet sich indessen auf keinem hohernStandpunkte, und die rationelle Forstwirthschaft scheint noch in den Anfängen be-griffen.
Die Hauptgcgenstände des schwedischen Ackerbaus find Weizen, Roggen, Gerste,Erbsen und Kartoffeln. Der Roggen ist das Hauptproduct in den meisten MilchenProvinzen; nur in den weniger fruchtbaren Theilen von Westergötland, Hallandund Smaland gleichwie in Dalarne und Wermland baut man Hafer und sogenann-tes gemischtes Getreide (Blandsäd), aus Gerste und Hafer bestehend. Nördlich vonDal-Elsven an wird der Weizen nur wenig angebaut, und in den nördlichen Pro-vinzen ist Gerste die Hauptsaat. Erbsen werden überall im Lande angebaut, Boh-nen am meisten in Bohus-Län, im nördlichen Halland und einem Theile von Westcr-götland. Die Kartoffeln sind die wichtigsten der Knollengewächse und werden bisüber den Polarkreis angebaut. Das ganze Areal des zum Acker benuHten Landeswird nur zu 165 Quadratmeilen angenommen.
Unter den übrigen Gegenständen der Cultur nimmt der Leinbau in Schwedenkeinen unbeträchtlichen Raum ein. In Helsingland und Ängermanland wird Leinam allermeisten gebaut, doch auch in Smaland und Bohus-Län. Der Leinbau reichtindessen nicht über 16°. In einem Theile von Södermanland, genannt LVing-aker, gewinnt man den besten Hopfen, dessen Anbau aber nicht über 62 ° geht.Der Taback, der meist in der Nachbarschaft der Städte gezogen wird, erreicht den61.°. Obstgärten sind beim Landmann selten und kommen eigentlich nur auf denGütern der Hähern Classen vor. Raps zur Ölbereitung dürfte nur in Schonengebaut werden.
Schwedens Ackerbau producirt Getreide hinreichend für den Bedarf der Bevöl-kerung, wenigstens in gewöhnlichen Jahrgängen, und eigentlich ist sogar das Landun Stande, von seinem Getreide einigen Überfluß auszuführen. Doch wird dieseAusfuhr dadurch verhindert, daß man in Schweden ein beträchtliches Quantum desgewonnenen Getreides zu andern Zwecken als dem der unmittelbaren Ernährungverwendet. Der schwedische Landbauer übte bisher als ein seiner Besitzung anhaf-tendes Privilegium das Recht, sein Getreide, wie es heißt, zu veredeln, d. i. zu Brannt-wein zu brennen. LHelche Quantität Getreide durch diese sogenannte Veredelung demNährzwecke entzogen ward, erhellt daraus, daß nicht weniger als 40 Millionen Kan-nor (1 Ksnna — 0,4z?5o preuß. Quart) Branntwein bisher jährlich producirt wurden.Erst der letzte Reichstag hat diesem Übelstande Einhalt zu thun gesucht.
Die politische Natur und Eintheilung des Grundes und Bodens in Schweden istungemein verwickelt.- Man hört immer das Wort Hemman (Hufe) nennen; aber mchtskann so unbestimmt und unsicher sein als die Bedeutung dieses Wortes. In Jemtlandgrbt es z. B. Hemman von 56000 Tunnland (1 Tunnland -- 0,A?rs preuß. Mor-gen) neben solchen, die nicht mehr als 70 Tunnland enthalten. Während ein Hem-man in Wermland einen Werth von 9451 Neichsthalern hat, schätzt man in Zemt-land cm solches nur zu 1889 Reichsthalern. Dazu kommt, daß im Laufe der Zeitviele Hemman gegen andere von allgemeinen Steuern und Lasten befreit wordensind, wodurch sie Namen und Beschaffenheit verändert haben. Alles Dies machtdas schwedische Kameralwcsen aufs höchste schwierig und verwickelt. Es dürfte abermcht ohne Interesse sein, etwas Näheres in dieser Hinsicht hier mitzutheilen, ohneoch allzu weit in Specialitäten einzugehen. .
- Kungs- und Kungsladu-gardar, d. i. königliche Güter, sind Hemman, die vemStaate gehören und ehemals dem Könige zum Aufenthalt angewiesen waren. InMerer Zeit sind die Schlösser der königlichen Familie zur Disposition gestellt; andere
Uter dieser Art sind Beamten zu Wohnungen angewiesen, und wieder andere sind
^Pachtet.