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Eilfter Band.
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96 Schweden.

mag es zweifelhaft sein, ob die gewaltthätigen Schritte der Behörden die richtigenwaren, um die Dalckarlicr (Einwohner von Dalarne), und zwar die Bauernim oben erwähnten Kirchspiele Orsa, auf den rechten Weg zurückzuführen. Einjunger Bauer, von den Leser» zum Prediger erwählt, hatte einst die Verwegenheit,einen derben Ausspruch über einen Pfarrer und dessen Religionsunterricht zu thun.Ferner erschienen mehre Weiber zur Cvmmunion ohne die, vom Kirchengesehe vorge-schriebene Vorbereitung. Alle Diejenigen, welche also dem Gesetze zuwidergehan-delt hatten, wurden vor Gericht gezogen und zu beträchtlichen Geldbußen verurthciltoder, bei Mangel der nöthigen Gelder, zu 28kägrgem Gefängniß, zur Wasser- undBrotstrase u. dergl. Infolge dieser Vorgänge ließ die Regierung durch den Bi-schof und das Capitel eine Commission von sechs Pfarrern einsehen, welche den Auf-trag erhielt, sich nach Orsa zu begeben, um dort eine Untersuchung anzustellen;aber zur selben Zeit, als die Commission ihren Auftrag vollendet, kamen in Orsazwei Leser als Reisende an. Die Commission gebot ihnen das Kirchspiel in dreiStunden zu verlassen. Da aber die beiden Reisenden sich keines Verbrechens be-wußt und mit gehörigem Reisepaß versehen waren, blieben sie bis Abend im Kirch-spiele. Am folgenden Morgen wurden sie nach Falun, der Residenz des Landes-hauptmanns in der Provinz Dalarne, ins Gefängniß geführt. Der Landeshaupt-mann, nachdem er sie verhört, ließ sie frei, befahl ihnen aber, im Namen des Ge-setzes, in zwei Stunden die Stadt und in zwei Tagen die Provinz zu verlassen.Indessen wuchs der Widerstand und die Kraft der Separatisten. „Mehre Freunde desEvangeliums verließen die Knechtschaft unter dem Joche der Staatskirche, wähltensich selbst ihre eigenen Prediger, und segneten sie zum Predigen des Evangeliumsund Spenden der heiligen Sacramente ein." Von diesem Augenblick an war nichtmehr die Rede von Conventikcl» allein, sondern auch von einem Schisma, und dieVerfolgungen vermehrten sich allerdings immer mehr. Man weiß aber welche Fol-gen gewöhnlich aus religiösen Verfolgungen hervorgehen: sie verbreiten den Samen,den sie vernichten wollten. „Der Herr scheint seinen Geist über diese nördlichenLänder gesendet zu haben", sagen jene heterodoxen Protestanten Schwedens in ihrermystischen Ausdrucksweise, „denn die Beine der Todten, hier und dort auf die Erdezerstreut, fangen an sich zu bewegen und wieder auszuleben. Ein solcher Hauch derGnade hat sonst nie in diesem armen Lande geweht; mehre Personen auS den höch-sten Ständen der Gesellschaft sangen an däs Bedürfniß zu fühlen, ihr Heil im Hei-land zu suchen und sich der kleinen Heerde der Nazarcner anzuschließen. Die Bewe-gungen des evangelischen Lebens an der Universität zu Upsala sind vorzüglich allerAufmerksamkeit werth. Ein Leben voller Kraft, ein feuriger Eifer und eine großeWirksamkeit thun sich unter einigen Professoren und etlichen Studirenden der Theo-logie für daß Fortschreiten und den Zuwuchs des himmlischen Reiches kund." DasHauptziel der schwedischen Separatisten, wie auch ihr Brief an jene ^lliancs sv.in-ßüllqus darthut, geht dahin, den König und die vier Stände des Reichs zur Ein-willigung in die Aufhebung oder Milderung des Gesetzes gegen die Convcntikel zuvermögen. Allein die Verhandlungen des letzten Reichstags, diese Angelegenheitbetreffend, haben bewiesen, wie wenig in dieser Hinsicht vom Reichstage wie vonder öffentlichen Meinung zu erwarten sei. Aber auch die Regierung ist nicht ge-willt, dem Separatismus irgendwie Vorschub zu leisten; sie hat z. B. das Urtheil,welches das höchste Gericht im Februar 1854 über zwei Separatisten zu Orsa ge-fällt, bestätigt. Die Betreffenden wurden zu einer Geldstrafe von mehr als 200 Reichs-thalern oder I^tägiger Haft bei Wasser und Brot verurthcilt. Jener erwähnteBrief an den Evangelischen Bund hatte ein Schreiben (datirt: Lausanne, 20. Oct.4855) von letzter,» an die schwedische Regierung zur Folge. „Wir haben", heißtes darin, mit Kummer vernommen, daß an mehren Orten des schwedischen ReichsChristen verfolgt werden, weil sie zur gemeinschaftlichen Erbauung Versammlungenaußerhalb des öffentlichen Gottesdienstes halten. Wir leiden mit ihnen, als wennwir Ein Leib wgren. Da der Evangelische Bund zu Bemühungen angeregt wurde,