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Eilfter Band.
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Das Königreich beider Sicilien.

Alfonso von Aragon gegründet. Sodann gibt es fünf Lyceen zu Messina, Syrakus,Aci Reale, Caltagirone und Trapani. Es stellt sich also für Sicilien ein günstigeresVerhältniß von Bildungsanstalten heraus. Aber obwol die Sicilier seit dem 16. Jahr-hundert eine nicht geringe wissenschaftliche Cultur auszuweisen haben und bis aufden heutige» Tag darin sich auszeichnen, sind es doch nur die höher» Stande, diedaran theilnehmen, die Adeligen, die Geistlichen, und unter den Bürgerclassen dieAdvocaten, welche zugleich die Führer jeder politischen Bewegung sind. Dagegen istdas Volk in seiner Masse so unwissend wie jenes auf dem Festland« und wächst imrohestcn Naturzustände auf. Die von den Jesuiten gehandhabte Censur muß über-dies als ein unbezwingliches Hinderniß für die volle Entwickelung der Wissenschaftund der Literatur gelten. Nur waö die Interessen des Volks nicht berührt, wirdgeduldet, jedes andere geistige Product flüchtet sich ins Ausland. Den Buchhandelerschwert vollends eine Steuerabgabe; denn jeder Band, welcher eingeführt wird,muß die Taxe von 3 Carlin (etwa 16 Silbergroschen) zahlen.

Die Folgen der mangelnde» Volkserziehung zeigen sich deutlich in allen öffent-lichen Zuständen. Bei einem so äußersten Abstände der Bildungsstufen und einemso grelle» Gegensatze der höher» Schichten der Gesellschaft, welche mit der modernenBildung auch alle Fortschrittstheorien in sich aufgenommen hat, zu der gedankenlosen,verdummten und vom Mönchsthum beherrschten Masse, ist eine gesunde politischeEntwickelung nicht möglich. Das Volk begreift nicht einmal die politischen Reformen;der Begriff eines constitutionelle» Staatswesens ist ihm unfaßbar. Es hat nur dasGefühl seines Elends, den Bewegungsinstinct oder das Bedürfniß der Veränderungund Neuerung. Daher tritt die revolutionäre Partei in Neapel jedesmal nur alsSekte auf, und führt ein geheimes Leben in Logen und Bündnissen, welche demVolke selbst fremd sind.

Die bürgerliche Gesellschaft.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß der Adel in Neapel und Sicilien keines-wegs das stabile Element ist, sondern an der Spitze der politische» Bewegung steht-Die Geschichte seiner Privilegien, welche durch die Monarchie und nicht durch dasVolk gefallen sind, wie seine große Anzahl und seine Armuth im Ganzen erkläre»dies im Lande diesseit dcs Faro; in Sicilien sind die Ursache» besondere und historische-Die verschiedenen Dynastien, welche »ach und nach Neapel beherrscht haben, ver-mehrten die Adelsclassen, indem sie, um sich Anhänger zu verschaffen, Adelsdiplonttverschwendeten. Daher gibt es nirgends in der Welt so viel Princip!, Barone, GrafcwMarchcsi als in Neapel. Der eine Theil des neapolitanischen Adels, der vom Gol-denen Buche, zerfiel einst in die sogenannten Sedili (Adclsbänke), und spielte als mäch'tigc Körperschaft bis auf die Zeit Karl's III. eine große Rolle. Mit Titeln über-schüttet, reich durch unermeßliche Feudalliegenschaftcn, schalteten diese Herren in ihre»Besitzungen als Könige im Kleinen. Aber jene Zeiten sind vorüber, und obwol d>estolzen Namen dcr Caraffa, Palliano, Sangro, Miranda, Policastro, Nocca-Roman^Nuffo u. s. w. noch fortleben und mancher große Palast dieser Familien in Neapel vo"ihrer Pracht Zeugniß gibt, ist ihre Bedeutung doch untergegangen. Sie glänztnur als betitelte Magnaten durch höfische Würden und Ehren oder durch fürstliche"Reichthum; aber seit Karl III. die Reformen begann und Joseph Bonaparte das Lch>^'Wesen abschaffte, si„d diese Herren nichts mehr als reich und angesehen durch ci>ü"alten Geschlechtsnamen. Die Majorate bringen die jüngern Söhne wiederum de"'Volke näher, und Armuth wie das Bedürfniß, sich hervorzuthun und eine Rolle i"spielen, macht sie politische,, Revolutionen zugeneigt. Viele Adelshäuser in Neaps)'sowol derer vom Goldenen als der niedern voni Silbernen Buche, sind in die bitter!^Armuth hcrabgesunken. Es gibt Grafen und Barone, welche Zimmer vcrnnethe'und ihren Einmiethern die Kleider ausklopfen und die Stiefel wichsen. Wachs""nun ein kleiner Theil des Adels wirklich gebildet ist, steht die Menge der Adelige"an Bildung dem Volke ziemlich gleich. Geistigen Interessen fast gar nicht zugethan