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Eilfter Band.
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Da- Königreich beider Sicilien. 175

war und wegen seiner liberalen Grundsätze die höchste Popularität im Volke genoß.Dieser Mann trat jetzt als Haupt der Revolution an die Spitze des Volks.

Die Truppen Desauget's waren gelandet, hatten sich mit der Besatzung ver-einigt und, also 9000 Mann stark geworden, den Kamps mit dem Volke unddie Beschießung der Stadt wiederaufgenommen. Man kämpfte und unterhandeltezugleich. Der Herzog von Maiv und der Prätor der Stadt, das ist der Präsidentdes Senats von Palermo, welcher damals Spedalotto war, sandten sich hm undher Botschaften: das Volk verlangte die Verfassung von 1812 und dieBerufung des Parlaments. Es war aber der Graf von Aquila, Bruder des Ko-nigs, welcher am 15. mit den Truppen angekommen, nach einem nur 2-tstundigcnAufenthalt mit zwei Fregatten von Palermo nach Neapel zurückgegangen, um demKönige den Stand der Dinge vorzutragen und ihn zum Einlenken zu ermähnen. Schonam 20. Jan. kam er mit denselben Fregatten von Neapel zurück, mit sich bringenddie Rcförmdecrete vorn 18. Jan., welche der König, erschreckt durch die bedrohlicheWendung der Ereignisse, sich hatte abbringen lassen. Darin ward den «icilierngetrennte Verwaltung und Rechtspflege zugesichert, das Dccret von, 31. Oct. 18o7aufgehoben, der Graf von Aquila zum Statthalter ernannt und ein neues Ministe-rium unter Lucchesi Palli angekündigt.

Aber die provisorische Negierüng Palermos lehnte diese Zugeständnisse ab: sieverlangte rund heraus die Entfernung des Militärs, die Übergabe sämmtlicher Fortsund die Einberufung des Parlaments auf Grund der Constitution von 1812 . DerEnthusiasmus der Sicilier kannte kein Bedenken mehr, man wollte das Entschiedeneund nicht das Halbe. Also begann der Kampf mit neuer Heftigkeit. Man schlugsich von beiden Seiten mit der größten Erbitterung und hartnäckigen Tapferkeit; aberdie Soldaten litten entsetzlich, und erschöpft durch Mangel, Hunger, Witterung undbeständigen Kampf fingen sie an zu weichen. Als nun am 25. Jan. auch daSkönigliche Schloß in die Hände des Volks gefallen war, erkannte der General Dc-faugrt dir Unmöglichkeit Palermo zu bezwingen oder sich überhaupt nur zu halten:er begehrte einen Waffenstillstand, um , den Nest seiner Truppen nach Neapel ein-zuschiffen. Weil aber das Volk die Übergabe von Castcllamare zur unerläßlichenBedingung eines Waffenstillstandes machte, zogen sich die königlichen Truppen inder Nacht des 29. Jan. über Bagaria nack Solanto zurück, wo sie sich endlichmit genauer Noth aus die Dampfboote retteten. Als sie hierauf in Neapel ausge-schifft wurden, elend und verwildert, «»beschuht, abgerissen wie nach einer langenCampagne, verkündeten sie in jener Hauptstadt den Sieg der Sicilier und die Un-fähigkeit der Regierung, mit Waffengewalt auf der Insel etwas auszurichten.

Und in der Thal machte die Revolution in Sicilien reißende Fortschritte. DieKöniglichen waren gewichen, nur die Citadellen von Palermo, von Messina, welcheder General Prvnio vertheidigte, und die Festung von Sprakus war in ihren Hän-den geblieben, alles übrige Land frei und in voller Thätigkeit sich im nationalenSinn zu organisiren.

Das Gerücht vergrößerte noch die Ereignisse Siciliens in Neapel sebst. Hieruberli^ sich das Volk einem unverhohlenen Jubel, es durchwagte die Straßen mitdem Geschrei Sicilien! Constitution! Schon wehte auf dem Castell San-Elmv diebstitrothe Fahne der Revolution, und in allen Kasernen ertönten die Alarmsignale.Wer mochte noch Neapel bändigen? Der König, umringt von seinen Räthen undden fremden Diplomaten, schwankte, dann gab er nach. Schon am Abend des26. Jan. wurde der Polizeiminister del Carrctto entlassen; aber, als er in Begleitungdes Herzogs Filangieri den Palast verließ, auf der Treppe selbst verhaftet und in allerStille, nach altvenetianischer Art, fortgeführt und auf ein bereitliegendesbracht, das noch in der Nacht mit ihm nach Livorno unter Segel ging. ^m Ver-kehr mit dem Lande war ihm gestattet worden, nicht Freunden noch Angehörigendurfte er Lebewohl sagen, nur 3000 Ducati hatte ihm der König nachgeschickt.

Alle Minister reichten ihre Entlassung ein. An die Spitze des neuen Cabmets trat