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Eilfter Band.
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Das Königreich beider Sicilien.

einst Ferdinand I. sein Großvater sie beschworen hatte. Neapel war noch einmalein constitutioncller Staat.

Bald darauf, am 2. März, trat das Ministerium Serracapriola ab, ein neuesunter Cariaki war gebildet worden. Welche Erscheinungen sah man nun in Neapel!Carlo Poerio, der liberale Advocat, der kaum noch die Ketten dcl Carretto's ab-gestreift hatte, fungirte nun als Minister des öffentlichen Unterrichts, und jenen GianAndrea Romeo, der eben noch auf der Galeere die Eisen getragen, sah man glän-zend am Hofe geehrt und zum Intendanten der Provinz Principato Citeriore er-nannt, gleichsam als ein schühendcr Schild der konstitutionellen Monarchie demimmer ungestümer werdenden Nadicalismus entgegengestellt. Am 11. März aberentzückte die Neapolitaner das seltenste Schauspiel: 20 Kutschen rollten über denPlatz des Castell nuovo, beseht mit den Vätern Jesu, welche — ins Exil wanderten.Auch Monsignore Cocle, der allmächtige Beichtvater des Königs, war schon vorherverschwunden und nach Malta in Sicherheit gebracht worden. Übrigens zeigte dieEntfernung der Jesuiten den Radikalen deutlich den Zustand des Volks. Dennkaum verließe» die Däter Jesu die Stadt, als die Lazzaroni einen Tumult erregtenund, von Mönche» und Priestern fanatisirk, sich in Scharen versammelten und ge-gen den Schloßplatz zogen, mit wüthendem Geschrei die Zurückberufung der Jesuitenverlangend. Sie ließen den König und die Madonna del Carmine leben und schrienTod der Constitution und den Liberalen, welche ihnen die Religion und die Heiligennehmen und ihre Kirchen zerstören wollten. Die Nationalgarde bändigte den Tumultnicht ohne Mühe. Diese Lazzaroni, die armen Kinder des Augenblicks und doch dieeifrigsten Anhänger des althergebrachten Zustandes, begriffen die Constitution so we-nig als die politische Bewegung überhaupt. Sie blieben dem Könige zugethan, undso oft er sich öffentlich zeigte, umschwärmten sie ihn, ließen ihn hochleben und ver-langten von ihm Waffen, seine Feinde zu erschlagen. Wenn wir keine Waffen haben,sagten sie, so werden wir die Steine von, Boden aufgreifen und dich vertheidigen,wie unsere Vater deinen Großvater vertheidigt haben.

Der Zustand Neapels war damals wunderlich. Während Sicilien, welches am25. März sein Nakionalparlament feierlich in Palermo eröffnet hatte, sich zur vollstän-digen Losreißung und Entthronung des Königs anschickte, und so die RegierungNeapels diesscit und jenseit des Faro in doppelter Bedrängnifi stand, wurde sie auchüber die eigenen Grenzen hinaus in die allgemeine italienische Bewegung hineinge-rissen. Denn es handelte sich um die l.og.i >i'lt<ilia: der italienische Congrcß solltein Nom beschickt, ein Hülsscorps für den lombardischcn Krieg abgesendet und fürdie italienische Unabhängigkeit gefochten werden. Mit großem Geschick leistete manAlles. Schon am 28. März mußte Fürst Schwarzenberg, der östreichische Gesandtein Neapel, dessen Wappen das Volk heruntergerissen, die Stadt verlasse». Am7. April, nachdem (2. April) unter Carlo Troya ein neues Ministerium gebildet wor>den, erschien sodann ein pomphaftes Proclam des Königs, in welchem dieser seineVölker für die italienische Union aufrief. Sofort wurden die Regimenter für denKampf i>, der Lombardei ausgerüstet, und dem General Wilhelm Pepc, dem berühM'ten Carbonarichef aus dem Jahre 1820, ward der Oberbefehl über dieses Corps über'tragen. Freiwillige waren bereits abgegangen, begleitet von der enthusiastischen Prin'zessiu Belgiojoso; am 27. April aber stachen 8000 Mann Truppen auf acht Kriegs'schiffen in See, um die italienische Sache in Oberitalien zu unterstützen.

Kaum war dies geschehen und der Blick also in das weite Vaterland gerichtetals die Kunde von Palermo einlief, das sicilische Parlament habe einstimmigdinaud von Neapel und die bourbonische Dynastie für alle Zeiten des Thrones r>r"jedes Rechts auf Sicilien entsetzt und verlustig erklärt. Am 12. April war dicsssüberraschende Act erlassen worden, unterzeichnet vom Marchese Tvrrearsa als Pr"'sidenten der Kammer der Gemeinen, vom Herzog Scrra di Falco als Präsiden^der Pairskammer, von Nuggiero Scttimo als Reichspräsidenten und von Calvi alMinister des Innern. Sicilien hatte sich unabhängig und zu einem ronstitutiove'