Band 
Eilfter Band.
Seite
238
JPEG-Download
 

238

Westindien.

ein Palmbaum, von Pike» umgeben und geschmückt mit der phcygischen Mütze.Zwei hübsche Gemälde, eins dem andern gegenüber aufgehängt, schmückten die Mauer.Das eine stellte das berühmte Conventsmitglied Abbe Gregoirc dar, das andere denregierenden Kaiser von Haiti. Jenes ist von einem europäischen Künstler, diesesmacht dem Talent eines Künstlers Ehre, der Mulatte ist. Man nennt ihn jetztBaron Colbert. Ich würde wol noch Mehrcs bemerkt haben, aber meine Aufmerk-samkeit mußte sich auf die Schritte Sr. Majestät in dem anstoßenden Zimmerrichten, in welches man uns alsbald einführte. Dies von Bildnissen der großenMänner Haitis geschmückte Gemach dient zu den großen Audienzen. Wir nahtenunS Sr. Majestät. Er war in eine grüne Uniform gekleidet, gleich angenehm inStoff wie in Form. Soulouque trug zwei goldene Epauletten mit zwei silbernenSternen, ein reicher Orden schmückte seine Brust. An seiner Seite hing ein Schwert;den Hut hielt er in der Hand. Er empfing uns mit einem herzlichen Händedruck,nahm dann in einem Lchnstuhl Platz und wartete mit einiger Verwirrung undSchüchternheit auf Naybaud's Ansprache. Wir halten uns, nach geschehenerEinladung, auf Stühlen niedergelassen. Der Consul nannte meinen Namen undmeinen Beruf; sagte, ich sei in sein Reich gekommen, um meine Neugierde zu be-friedigen und mich zu unterhalten, und fügte dann hinzu, eS wäre mir äußerst un-angenehm gewesen, das Land zu verlassen, ohne die Ehre genossen zu haben, vonSr. Majestät empfangen zu werden. Bei diesen Worten erhob ich mich etwasvon meinem Sitze und sprach: «Sire, es war dies der einzige Zweck meiner Reise.»Der Kaiser erhob sich ebenfalls ein wenig, dankte mir und sagte: «Ich habe schonSonntags bei der Heerschau das Vergnügen gehabt, den Herrn zu sehen.« Es warnun an mir, meinen Dank für die gütige Erinnerung darzubringen. In dieserWeise dauerte die Unterredung ohngesähr 20 Minuten. Bei unserm Weggehenschüttelte unS der Kaiser abermals die Hand. Drei Verbeugungen unsererseits, ebensoviele von ihm, beschlösse» die Ceremonie."

„Faustin l. Soulouque ist ein vollkommener Neger Seine Gesichtszüge gewäh-ren jedoch das wilde und häßliche Aussehen nicht, welches gewöhnlich die Unwissen-heit den Negern von reiner afrikanischen Abkunft verleiht. Noch nicht 64 Jahrealt, möchte man ihn nur für einen Fünfziger halten. Er ist von mittlerer Größe-Er hat eine breite hervorstehende Brust, kräftige Schultern und starke Hüften, gleich-wie Ludwig XVlll. Der Regelmäßigkeit der Form wegen könnte nian sein Profilmit dem eines römischen Kaisers vergleichen. Er ist wohlbeleibt, und sieht deshalb,wenn er steht, etwas klein aus. Von Natur schweigsam, ist er, wenn er spricht,immer würdig und gewählt in seinen Worten. Ich halte es für Pflicht, einen Irr-thum zu berichtigen, der ihm eine völlige Unkenntniß der französischen Sprache bei-mißt. In meiner Gegenwart sprach er vollkommen richtig, ohne irgendeine MischnnSvon creolische» Wörtern. Man erzählt auch, er könne weder lesen noch schreiben-Den, ist nicht so. Soulouque unterzeichnet seinen Namen leserlich und schreibt selbstnöthigenfalls Briefe. Außerdem liest er jeden Abend, ohne Beihülfe seines Gehciw'schreibers, in dir neuesten Geschichte Haitis, verfaßt von Madien, einem Eingt'bvrcnen von Verdienst, der kürzlich zum Baron ernannt wurde. Die Caricaturt^welche der pariser « Llnirivari» über ihn bringt, sind ihm äußerst unangenehm,wie alle Scherze, welche sich die Presse über ihn erlaubt. In dieser Beziehung »er empfindlich bis zu einem fast unglaublichen Grade." .

„Faustin k. Soulouque ist von der niedrigsten Herkunft. Er ward als Sklave a»>den Besitzungen des Herrn Viallet geboren. Dieser Herr, ein Europäer von Gebus'wurde mir auf Haiti gezeigt. Viallet war so glücklich, allen revolutionären St»^men zu entkommen, welche dieses Land erschütterte», und hat nun seine» Aufenth^zu Port-au-Prince genommen. Der Kaiser bcgcgmte ihm vor einiger Zeit,auf ihn zu und sagte: «Obwol ich Kaiser bin für die ganze übrige Welt, so ^ich auf Sie doch immer nur als meinen Gebieter hinsehen.« « Und ich », erwibtViallet, «bewachte mich als Ihren Unterthan.»"