Norwegen. 271
l-icht bei den Meisten doch nur eine dunkle Reminiscenz älterer Traditionen sein, daßes einem Staate ehrenvoll und Vortheilhast, andere „Staaten zu erobern und sich ein-zuverleiben. Es mochten auch diese Gefühle und Äußerungen des Unmuths über d,Art und Weise der Union hauptsächlich in dem schwedischen Adelstände concentnrt sein.Da nämlich der Adel in Schweden wirklich bei der Besetzung bsr meisten hohemÄmter begünstigt wird, in Norwegen aber es eigentlich keinen einheimischen Adel gab,mit Ausnahme weniger Familien, die in den letzten Jahrhunderten dastlbst von Dä-nemark übersiedelt waren, und deren Privilegien nachher vom Storthmg ganzucy aus.gehoben wurden: so hofften vielleicht die Überzahlreichen schwedischen Edelleute,die Aussichten in ihrem eigenen Lande, der Menge wegen, verlegt worden , u> Tor-wegen einen erweiterten Boden zu gewinnen. In dieser We.se lassen sich d>e »"g' -stige Stimmung Schwedens gegen die Union und die Versuche der vom Adel starbeeinflußten Krone, das Verhältniß Norwegens zu modificiren, wol erklären.
Für Norwegen würde indessen eine wirkliche Einverleibung in schweben d,größte Calamität gewesen sein, während zugleich Schweden selbst keinen Nutzen ge-habt, sondern vielmehr nur eine unfruchtbare, hindernde Last auf sich gezogen yUngeachtet der nahen Verwandtschaft beider Volker gibt sich doch, pwvl m ihremInnern als Äußern, eine tiefgehende Nationalvcrschiedenheit kund. Die Schweden,blonder und im Ganzen großer, zeigen mehr Besonnenheit und halten länger an .her-gebrachten Formen; die Norweger, dunkler und kleiner, sind mehr lebhaft und be-weglich. Die Schweden, von jeher durch Norwegen von dem großen Ocean ge-trennt, sind in ihrer völkischen und socialen Entwickelung mehr auf sich selbst an-gewiesen gewesen-, die Norweger, über das Meer in mannichfachcr Verbindung mitdem Auslande stehend, selbst schon durch die lange Vereinigung mit Danemark, sindmehr von den allgemeinen geistigen Bewegungen Europas berührt worden. In dentonangebenden Classen Schwedens herrschte schon seit einem halben Jahrhundert,hielleicht auch früher, eine entschieden altsranzösische Bildung, und herrscht noch vor;m Norwegen, wie in Dänemark, war und ist die deutsch-englische Bildung die ob-waltende. In Schweden theilt sich noch die Bevölkerung in vier verschiedeneStände, und der Standesunterschied ist ei» wesentliches Moment des ganzen öffent-liche,, Lebens In Norwegen besteht kein anderer Unterschied als der zwischen den^-bildeten und Ungebildeten, und das Staatswcsen ist auf völlige Einheit gebautund es sein. Mit diesem leicht zu handhabenden Skaatsorganismus hat Nor-wegen erstaunliche Fortschritte gethan, und ist ganz Europa ein Beispiel geworden,Wie heilsam die Freiheit, mit Mäßigung benutzt und durch weise Verfügungen mgehörigem Zaum gehalten, auf das innere und äußere Gedeihen eines Volks wirkenkann. Der schwerfällige Staatsmechanismus Schwedens hingegen, wo d>e pnv.le-girten Stände mächtig genug sind, Fortschritte, die ihren Vorzügen Abbruch thunmüßten, zu hemmen, «nd wo ein stetes Ringen zwischen den Privilegirten und denaufgeklärten Männern der mittlern Classen herrscht, drückt der ganzen National-entwickelung ein Gepräge der Stagnation aus.
Eine völlige Einverleibung Norwegens in Schweden, wenn sie schon seit 18i istattgefunden, würde unter solchen Umständen alle die Keime, die schon jetzt in Nor-wegen zu so herrlicher Blüte gekommen, ganz und gar erstickt haben; wenn diese Ein-verleibung aber jetzt einträte, so müßte Alles, was bereits im Fortschreiten begriffen,S«r unmittelbaren Stockung kommen. Die Nation würde in ihrer Entwickelung zuemem veralteten Standpunkte zurückgeführt werden müssen. Abgesehen won demAmerzlichen Gefühl der Verlustes der Selbständigkeit und Nationalität, wurde die-"ation durch jene gezwungenen Rückschritte geradezu verkümmern, und Schw-dmwußte ein solcher Zuwachs, statt zum Vortheil, nur zur Last gereiche», w>e -m av-gestorbenes Glied. Und was mehr ist: die Ansicht und Hoffnung, welche °er
bessere Theil der schwedischen Nation hegt und hegen muß, daß früher oder spater emepolitische Reform Schwedens nach dem Muster Norwegens zustande komme, wurdevrirch Vernichtung eben dieses Musters ganz vereitelt werden. Auch dem Kvmgr