Norwegen. - 293
IX. Ackerbau und Viehzucht; Fischerei und Jagd.
Norwegen erzeugt im Durchschnitte jährlich etwa 2,500000 Tonnen Getreide,und muß zur Deckung seines ganze» Bedarfs ungefähr noch 1,200000 Tonnen Ge-treide einführen. Dieses Misvcrhältniß zwischen Erzeugung und Verbrauch hat keines-wegs seinen Grund in der Unzulänglichkeit des ertragsfähigen Bodens noch in derUnbehülflichkeit des norwegischen Ackerbauers und einer gar zu schlechten Betriebs-weise, sondern nur in dem Umstände, daß eine große Masse der norwegischen Be-völkerung durch Fischerei, Schiffahrt und Waldbetricb reichliches Auskommen findet.Die Gefahr, die ehedem in Kriegszeilen aus diesem Verhältnisse entstehen konnte,ist jetzt größtentheils durch die Union mit Schweden beseitigt, da dieses Land immermehr Getreide zur Ausfuhr producirt. Die Landschaften Norwegens, welche nicht nurzum eigenen Verbrauche Getreide hervorbringen, sondern auch Überschuß zum Verkaufhaben, sind die flachen Küstcngegenden um die Christianiaföhrdc, die Küsten südwärtsvon Stavanger bis Ekcrsund und die fruchtbaren Küstenstrecken im Süden und Ostender Trondhjemsföhrde. Von Getreidearien nehmen die geringern, wie Gerste, Haferund Kartoffeln, einen vcrhältnißmäßig größer» Platz ein als in Schweden. Dieseszeigt, daß der Ackerbau freilich noch weit mehr gehoben werden kann, was denn auchbei den eifrigen Bemühungen des Staates und patriotischer Vereine gewiß stattfindenWird. Man berechnet den jährlichen Gewinn vom Ackerbau an ungefähr 8 Millio-nen Species.
Die Viehzucht ist in Norwegen bei weitem nicht, was sie sein könnte und sollte.Zwar zeigen die statistischen Tabellen, daß, während sonst in Europa auf 12 Men-schen ein Pferd oder ein Esel, aus 3 ein Stück Rindvieh, auf 5 vier Schafe kom-men, in Norwegen die Verhältnisse wie respective 10,7:1, 1,5.1, 0,s:1 find, wozunoch 290950 Ziegen und 90500 Rennthiere in Anschlag zu bringm. Die Racenfind jedoch klein und mit Ausnahme der echten norwegischen Gcbirgspferde nicht gut,obgleich man sie in neuerer Zeit zu verbessern gesucht. Indessen würde auch dieHebung der Naceu nichts helfen, wollte man nicht-zugleich die Zucht und Behand-lung des Viehs verbessern. Mit seinen weiten, trefflichen Gebirgsweiden könnteNorwegen eine Masse von Butter und Käse zur Ausfuhr hervorbringen und sicher-lich mit der Schweiz concurriren; auch ersieht man aus glaubwürdigen Quellen, daßNorwegen im Mittelalter Butter, insbesondere nach Deutschland, ausführte. Dieschlechte, zum Theil unreinliche Behandlung der Butter und die unschmackhaste Zu-erettuug der Käse verursacht, daß diese Erzeugnisse als Handelswaare nicht so ge-sucht sind, als sie sonst sein würden, und daß man größtentheils, auch im Landeselbst, dänische, deutsche und holländische Butter und Käse vorzieht, was wieder aufdie Production zurückwirkt. Diesem Übelstande abzuhelfen, haben patriotische Vereineneuerdings niehre Schweizer kommen lassen, welche die Norweger in besserer undzweckmäßigerer Behandlung der Milch unterrichten sollen. Was in diesen Bestrebun-gen mehr Hindernisse bereiten wird als die alte unsaubere Gewohnheit und der an-gcerbte Schlendrian, ist der Mangel an Associationsgeist. Statt die rohen Erzeug-nisse in großem Massen zusammenzubringen und durch einen gemeinschaftlich en-gagirten sachkundigen Mann reinlich und kunstgemäß veredeln zu lassen, bereitet jederBauer oder jede Bauersfrau die Butter und den Käse für sich, in kleinen Portionen,">>t schlechten Geräthschasten und in unbequemen, oft unreinlichen Localen. Wie^ber in. Ganzen doch die Viehzucht Fortschritte gethan haben muß, ist daraus zu^lgern, daß bei der raschen Zunahme der Städte- und Küstcnbevölkerung, somit derKonsumtion von Fettwaaren, die Einfuhr von diesen in den letzten Jakren nicht ver-HEnißweise gestiegen; von Fleisch ist sie sogar geringer als früher. Während »änl-ich in den Jahren 1811 —-15 durchschnittlich 1,155150 Pfund Butter, 519712Ffund Speck, 567909 Pfund Fleisch, 516552 Pfund Käse eingeführt wurden, sind>ur die Jahre 1816—50 respective 1,552055, 551865, 555598, 582671 Psu»d"s Land gebracht worden. Die Einfuhr von Wolle und wollenen Stoffen ist bei^ zunehmenden Wohlleben und dem Mangel an einheimischen Fabriken in stetem