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Östreich» ^ 333
Ziehungen Östreichs zu den kleinern Königreichen an Znnigkcit. Den kräftigsten Aus-druck dafür bot„die Monarchenversammlung in Brcgenz. Am 10. Oct. langte hierder Kaiser von Östreich an, am Abend desselben Tages der König von Baiern. Derfolgende Morgen brachte über den Bodensee den König Wilhelm von Würtcmberg.Wenn die zahlreich herbcigeeilten Fremden glänzende militärische Feste erwarteten, sofanden ste sich getäuscht. Ein anhaltendes Regenwetter vereitelte alle Hoffnungen.Für den Außenstehenden fiel nichts von Bedeutung vor; auffallend erschien nur dieUngebundenheit, welche die östreichischen Soldaten zur Schau trugen. Aufmerksam-keit in weiter" Kreisen erregte der Toast des Königs von Würtcmberg: „Ein alterSoldat macht nicht viel Worte, aber er folgt dem Rufe des Kaisers, wohin es auchsei. Den besten Wunsch der Armee bringe ich aus, indem ich sage: Es lebe derKaiser!" Diese freiwillige Unterordnung unter den jugendlichen Herrscher, diese be-sondere Betonung des Kaisertitels sprachen dcutlicb die herrschende Stimmung imFürstenkrcise aus und rechtfertigten die öffentlich ausgesprochene Vermuthung, aufdem Fürstcntage zu Bregen; sei ein Schutzbündniß gegen Preußen verabredet worden.
Die deutschen Angelegenheiten gestalteten sich bald darauf in einer so bedroh-lichen Weise, daß die Meinung, das in Begrenz eingegangene Bündniß werde dem-nächst die Waffenwcihe empfangen, viel an Wahrscheinlichkeit gewann. Auch nachden Cvnserenzen, die Ende Oktober in Warschau zur Schlichtung des Streits zwi-schen den beiden deutschen Großmächten abgehalten wurden, beharrte Preußen aufseinem Widersprüche gegen die Berechtigung der frankfurter Bundesversammlung, undtrat überdies in zwei speciellen Fällen den Ansprüchen Östreichs und seiner Verbün-deten schroff entgegen.
Preußen ließ die dänische Anrufung des Deutschen Bundes zur Pacificirung derHerzogthümer nicht gelten, und protestirte gegen die Bundesexecution in Kurhesscn.Hier schien nun kein anderer Ausweg mehr möglich als die Anwendung der Waffen-gewalt. Zudem klang die Sprache der östreichischen officiellen Organe so feindselig,als wäre der Krieg schon erklärt worden. Die Stellung Östreichs war für den Mo-ment in der That eine günstigere als jene des Gegners. Einheit des Willens herrschtein den höchsten Regionen und verlieh allen getroffenen Maßregeln Kraft und Energie;ei» schlagfertiges Heer stand bereit, und die russische Hülfe erwartete man mit Zuver-sicht. Auf den warschauer Cvnserenzen hatte Kaiser Nikolaus die östreichische Politiknicht nur in ihren allgemeinen Umrissen, sondern auch in allen einzelnen Maßregeln ge-billigt und erklärt, Rußland als der Garant der Wiener Verträge werde mit ÖstreichHand in Hand in allen Eventualitäten gehen, die sich zum Zwecke der Vertheidigungdieser Verträge ergeben sollten. Der kriegerischen Sprache Östreichs entsprachen dieAnbefohlenen Rüstungen. Eine Aushebung von 74000 Mann wurde verfügt, die Er-Achtung der ersten Landwehrbataillone sowie der vierten Bataillone bei den ungarischen
italienischen Regimentern und die Mobilmachung der Grenzregimenter in das^erk gesetzt. An der sächsischen Grenze stand Erzherzog Albrecht in KriegS-"sreitschaft; in Wien traf das Palladium der Armee, der greise Feldherr Radctzkys'N; aus Vorarlberg rückte General Lcgeditsch nach Baiern vor; in Baiern selbst wie'h Würtcmberg und Sachsen wurden ausgedehnte Rüstungen angeordnet. Eine ofst-^Üe Proclamation, auf die östreichische» Völker berechnet, wenn auch nicht unmit-^bar an ste gerichtet, in der „Wiener Zeitung", konnte als der Vorläufer der Kricgs-^klärung gelten: „Deutschland und seine Geschicke sind in diesem Augenblick an^le>„ historischen Wendepunkte angelangt. In wenigen Tagen werden und müssen
entscheidenden Würfel fallen, und es wird sich zeigen, ob das Werk einer rcchts-^Tründeten Neugestaltung des deutschen Gesammtvatcrlandes in friedlichen Wegen^bracht werden kann, oder ob zu dem Schwerte gegriffen werden muß, um diezüchte Aller gegen die Übergriffe Einzelner zu schützen." Die am Schlüsse der^»clamation ausgesprochene Hoffnung, daß „ Preußen Anstand nehmen werde, durch''e Gewaltthat den Frieden zu Niemandes Vortheil, es sei den» zu jenem der ewi-^ Feinde der Völkerruhe, zu brechen", gab nur geringen Trost — zur Freude der