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Eilfter Band.
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Die englische Literatur.

Gefühls und Delicakesse des Ausdrucks aus. Nach dem einstimmigen Urtheile Allerund dem sichern Zeugnisse der Geschichte und Erfahrung, sind diese Nationalklängedas populärste von allen Werken Moore's — dasjenige, welches den Dichter wahr-scheinlich am meisten unsterblich machen wird. Sie sind musikalisch über alle Ver-gleickung — voll Anmuth auf Gedanken und Empfindungen. Dichterisches und ro-mantisches Gefühl vereinigen sie mit den Gegenständen und Sympathien des ge-wöhnlichen Lebens in einer Sprache, keusch zugleich und verfeinert, aber dabei dochaugenscheinlich so einfach, daß jede Spur von Kunst darin verschwunden ist. Diegewöhnlichen Ausdrüche werden in seinen Händen zu Vehikeln von Kraft und Me-lodie. Das ganze Volk kennt und singt diese Lieder. Sie sind willkommene Gästein der Hütte wie im Salon, und werden in dem Vateriande des Dichters mit einemEnthusiasmus gesungen, welcher im Festglanze wie in den Tagen des Leidens undder Trauer sich bei jenem Phantasie- und gefühlvollen Volke noch lange fühlbarmachen wird."

Der „eigenste Gesang", welcher Goethe den Byron zuschreibt, das Verdienst derBesonderheit und Originalität, meinen wir, kann mit demselben Rechte auch ThomasMoore beigelegt werden. Wenn seine frühesten Gedichte oft an die leichtfertigenAnakreontiker des französischen Empire gemahnen, so sollte man, beim Hinblicke aufdiese „Irischen Melodien" meinen, daß in ihnen ein Tropfen jenes spanisch» milesischenBlutes pulse, dessen sich die Jrländer so gern rühmen. So ist eS denn auch cha-rakteristisch, daß Stil und Weise des Sangmeisters so wenig Nachahmer gefundenhaben. Dagegen hat er, und diesen Ruhm wird ihm wol Keiner wagen streitig zumachen, zum ersten male bewiesen, wie süß und melodisch auch diese englische Sprache,die man in Rücksicht auf ihre rein phonetischen Elemente doch mit Recht als eine häß-liche bezeichnen darf, tönen könne. Shelley und die Dichter der Seeschule habenmehr, was wir „Narurlaut" nennen, in ihren Versen, allein Moore ist unstreitigDerjenige gewesen, dem der englische Vers in Hinsicht auf melodiösen Fluß undAngemessenheit zur Musik (wie er denn in dem reizenden Gedichtchen „On musio"sich geneigt zeigt, die letztere Kunst über die Poesie zu stellen) seine reichste undfeinste Ausbildung, die englische Sprache einen so weichen, eleganten Schliff ver-dankt, daß sie in seinen Poesien fast an die französische gemahnen könnte. Daßdieser Manier in ihrer Vollendung die Gefahr naheliegt, das der Poesie natürlich*Maß zu überschreiten, „in Tönen zu denken, weil Gedanken zu fern stehen", lieg*auf der Hand. Allein bei Moore nimmt eS gerade Wunder, daß ihn dies**Hang zur Musik so selten (in den „Irischen Melodien" niemals) dem einfach klare»-menschlichen Gedanken entfremdet hat, was bei den eigentlichen Romantikern de*englischen Literatur, den Sängern der Seeschule und ihren Epigonen, so oft derist. Ja da, „wo der gute Homer von Erin", was bekanntlich auch allen Best*''widerfahren ist, „zuweilen schlummert", macht sich hier und da eine unverkennbarSpecies von whiggistischem Rationalismus und spiegelnder Freigeistigkeit in und »cb*der musikalischen Gewandung bemcrklich. .

Im Jahre 1812, also ein Jahr vor den „Irischen Melodien", waren die/*den ersten Gesänge des „Llnlcks llarolll" erschienen. „Ich erwachte eines seh»"Morgens, und machte die Entdeckung, daß ich über Nacht ein berühmter Mann gworden sei", hat der Dichter (Byron) selbst einmal von sich gesagt. In dem Sch**^liegt eine tiefe und bittere Wahrheit — die Wahrheit, daß man in England *„Fashion" werden müsse, um ein berühmter Mann werden zu können. NieAutor von Seiten eines Publicums so übel, so unverständig, mit so eigensi»"kindischer Despotenlaune mitgespielt worden, nie hat man einem so glänzendennius, mit einem so großen, wahren und klaren Berufe, der größte Dichter b*s-aHunderts zu werden, seine Entwickelung mit soviel Prüderie und Grausamkeit ,schnitten als dem unvergeßlichen Dichterlord die seinige. Es gemahnt, wie *"' ^i-hängniß, daß just um dieselbe Zeit, ja in demselben Jahre, da der Stern des psehen Genius des Jahrhunderts, an der Grenze des Horizonts von Europa-