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Eilfter Band.
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616 Die Literatur Frankreichs.

man beabsichtigt, ist an sich nicht schlecht; die Maler taugen im Allgemeinen nichts.Die Meisten schildern blos das Schlimme, welches allerdings eine nothwendige, abernicht die einzige Lebensbedingung des Romans ist. Man irrt, wenn man sich ein-redet, daß Romane nur von Zerrissenheiten, Abenteuern und Lastern leben und beigeregelten Sitten, ganz geraden Charakteren und rein tugendhaften Handlungen plat-terdings nicht bestehen können. Man macht Romane aus Leidenschaften, und mankann sehr heftige Leidenschaften in sehr keusche Herzen verlegen. Man macht Ro-mane aus Elend, und man kann schreckliches Elend sehr honetten Leuten andichten,die das rührendste Interesse erregen werden. Man hat sogar das Recht, das Lasterals Nomanstoff zu gebrauchen, wenn nur das Laster nicht die Frechheit hat, sichals Tugend zu brüsten und für etwas Herrliches auszugeben. Der Roman darfauch die gemeine Wirklichkeit abzeichnen; nur soll er sich nicht zum Daguerreotypdes Schlammes und Unflaths, zum Photographen des materiell und moralisch Häß-lichen herabwürdigen und seine Bilder nicht mit dem Messer aus der härtesten undrohesten Wirklichkeit herausschneiden, wie es noch unlängst der Roman in Frankreichthat. Gab es je etwas Kläglicheres als jenes Auskramen und Ausmalen von Per-sonen und Charakteren, Situationen und Vorgängen aus dem wirklichen Leben, wo,unter dem Vorwande von Naturtreue und Wahrheit, jedes Sonnenstäubchen vonIdeal und Poesie, jedes Gefühl von Größe und Erhabenheit verschwunden, wo La-ster, Leidenschaft, äußere und innere Welt, Beulen und Geschwüre altersschwacherund verdorbener Culturzusta'nde mit dem Vergrößerungsglase besichtigt und beschriebenwurden, ohne daß man dem Leser eine Pustel oder Warze erließ? Das beständigeUmrühren und Aufstochern alles Kehrichts und Moders, das öffentliche Waschen undAusklopfen aller Haderlumpen und Scheuerlappen kranker Staaten verursachte endlich denLeuten von Geschmack und Bildung solche Übelkeiten, daß sie gegen den unerträglichen Ge-stank »ach dem ersten besten Niechfläschchen griffen, daS ihnen in die Hände fiel, ohnelange zu fragen, ob reine Essenz oder abgestandenes Kölnisches Wasser darin sei. Schonin den letzten Jahren der Julimonarchie hatte der Schmuz- und Abenteuerroman mitoder ohne socialistische Tendenzen bei dem bessern Theile des Publicums sein Ansehenverloren und einen physischen Ekel erregt, wozu bei den hellersehenden Köpfen dieÜberzeugung oder wenigstens die Ahnung sich gesellen mochte, daß die in der Feuille-tonliteratur versteckt liegenden giftigen Elemente und Doctrinen im Leben zur Ent-wickelung kommen und aus der Nomanhaftigkeit in die Wirklichkeit hineintretesikönnten. Als nach der Februarrevolution jene Elemente und Doctrinen ihre glt''ßende Schlangenhaut abwarfen und in allerlei Unthicrgestaltcn auskrochen, diein verwunderlicher Weise wie Staatsgewalten gebcrdeten, da steigerte sich die cr^Unlust gegen den Fcuilletonroman zu dem entschiedensten Widerwillen von Seit^der gebildeten Welt, die sich geduldig hatte mit Schmuz bcwerfcn lassen, die ab^nicht leiden wollte, daß man sie mit Füßen trete. Das wahre Publicum, geifl''phantastische Paradoxen nachsichtig gestimmt, hatte kein Erbarmen mit leibhaft^Sophistereien, und nachdem es sich in Romanen hatte gefallen lassen, was jetztden Straßen herumlief, flößten ihm die Gassenschauspiele einen ganzen Nücksts!'von Groll und Mistrauen gegen Romane ein. Was sollten da die Nomansch^ .steiler thun? Die, so um jeden Preis ihre Popularität und Leserzahl behalten §

vermehren wollten, kümmerte» sich nicht um die veränderte Stimmung in den

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und Hähern Geistesregionen: Eugene Sue und Alexandre Dumas schriebenschreiben nach wie vor bändereiche Romane in ihrer großen Manier; aber ^Romane machten nicht mehr das Glück von den „Uystöros ,io Paris"

„Löwin <lo Mnto-Lristo--. Andere beachteten den umschlagenden Wind der "st ^lichen Meinung und verließen den überflutenden Strom des Feuilletonromans, ^sie mit in den Wirbel hineingcriffcn, wo sie aber, trotz ihres überlegenen T" ^ §

sich bei weitem nicht als die stärksten Schwimmer bewährt hatten. Solchesnamentlich George Sand. Nach^dcm geringen Erfolge ihrer letzten socialistN ,.^Nvmauc mochte die hochbegabte Schriftstellerin einsehen, daß sie durch eigen!