657
Mexico und Mittelamerika.
es versucht, diesen Regierungsansichten Geltung zu verschaffen. Seit der Zeit blieber das Haupt der reactionären Partei, welche niemals ihre Sympathien für diemonarchische Regicrungsform verheimlichte. Sie erklärte die Monarchie für das ein-zige Mittel, die mexicanische Nationalität gegen die angelsächsischen Eindringlinge zuwahren. Alaman suchte sogar eine Verbindung aller spanisch-amerikanischen Repu-bliken zu diesem Endzweck zustande zu bringen, ein Versuch, der vielmals erneuert,aber niemals ausgeführt werden konnte. Derselbe unumschränkte Geist wehte in allenDecretcn des Dictators. So wurden alle mericanischen Offiziere ihrer Grade undStellen verlustig erklärt, welche freiwillige Gefangene der Amerikaner in den Feld-zügen 1846 und 1847 geworden waren. Durch Einführung einer regelmäßigenNekrutirung wurde eine neue zahlreiche Armee geschaffen. Im Jahre 1855 wardein höchst lästiges Zollgesetz bekannt gemacht, welches nicht einmal dem eigentlichenZwecke, den Staatsschatz mehr zu füllen, entsprechen konnte. Endlich wurden, umdie Geistlichkeit zu gewinnen, durch einen Erlaß vom 19. Sept. die Jesuiten wiedereingeführt. Dem Decrete gemäß sollte die Gesellschaft Jesu wieder in das Eigen-ch"m aller ihrer ehemaligen Häuser, Collegien, Tempel, der städtischen und ländlichenBesitzungen, in ihre Güter aller Art, wenn sie noch nicht verkauft wären, eingewiesenwerden. Nur wurde ausbedungen, daß die Jesuiten als mexicanische Bürger betrach-tet würden und als solche eintreten müßten, daß sie kein Sonderrecht als Ordcnsleute>n Anspruch nehmen könnten. So haben sich auch hier, wie allenthalben auf Erden,das engverschwistcrte Paar, Jcsuitismus und Despotismus, zusammengefunden.
Am 17. Nov. 1855 verkündete indessen die Stadt Guadalaxara ein neues Pro-hunciaincnto; auch die Revolution im vorhergehenden Jahre, welche Santana zurück-swf, war ursprünglich von ihr ausgegangen. Der Statthalter, die Behörden, dieNotabilitäten aller Art vereinigten sich und verfaßten ein Schreiben, in welchem sie,ouf die.Umtriebe der Parteien und die unvermeidlichen Gefahren einer Republik hin-veisend, das Verlangen aussprachen, der General Santana möge die ihm anver-taute Gewalt so lange behalten, als es Se. Excellenz für paffend erachte. Außer--em verlangten die Großen Guadalaxaras, Santana solle im Falle seines Ablebens,Wittcls eines versiegelten Schreibens, seinen Nachfolger bestimmen können. AndereStädte folgten und erließen ähnliche Bekanntmachungen. Am 15. Dec. ward der^taatsrath einberufen, um über diese Anträge zu berathen. Dieser beeilte sich na-türlich, ihnen seine Sanction zu ertheilen. Es wurde Santana überdies der Titel''Durchlauchtige Hoheit" beigelegt, den er seit der Zeit führte. Kurz nachher wardw Wiedereinführung des Ordens Unserer Lieben Frau von Guadelupe vorgenommen,Elchen der Kaiser Jturbide zu Ehren der heiligen Jungfrau, der Beschützerin Mexicos,^gründet hatte. Der Dictator vertheilte eine Anzahl dieser Ordenskreuze an seineAnhänger und zeichnete sie aus mit Mänteln der verschiedensten Farben.
. Die Unterdrückung des Bundessystems und jeder Freiheit verletzte mehre Staaten^ Nlcxicanischcn Union und gab bald zu wiederholten Beschwerden Veranlassung.. u^e Zollgesetz gereichte den Seehäfen zum größten Nachtheile. Dann erreg-die Decrete in Betreff der Cvnscription und neuer Auflagen allenthalben große^oitterung. Eine dumpfe Unzufriedenheit verbreitete sich nach allen Seiten; manohte mit Aufständen von innen und mit Einfällen von außen. Der DictatorFsich bald dieses gefährlichen Zustandes bewußt, seine Maßregeln zeugten vonLuis de la Rosa, vormals mexikanischer Minister in Washington, wurdeder, V^"lruz gebracht und von dort nach Europa eingeschifft; Munoz Lcdo, Gou->„ Guanaxuato, ward als Gefangener in einer Hacienda, nahe bei Puebla,
te,.,3ehalten. In Veracruz selbst wurden die beim Volke beliebten und hochgeach-^nd ^"ner, die Herren de la Serna, Manuel Samora, Angel Lascurand undTew c Länglich eingezogen. Ceballos, der 1855 kurze Zeit Chef der ausübenden^eu.rV,^""^" war, erließ einen Drohbrief an Santana und flüchtete dann nach- . rleans. Bald kam ei in mehren Gegenden zugleich zu förmlichen Aufständen.
Gegenwart. XI 42