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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

von dem Dach hoher Kirchthürme sammelte, eine Menge organischer Geschöpfe auf-zufinden. Namentlich sind es Bacillarien, deren unzerstörbare Kieselpanzcr sich amleichtesten im Staubmchl erhalten und wiedererkennen lassen. Der Staub ist inWirklichkeit ein zoologisches Museum, ein Herbarium vivum zahlreicher mikroskopischerFormen, die freilich nur eine» außerordentlich kleinen Bestandtheil der ganzen Masseausmachen. Zu gewissen Zeiten, namentlich zur Zeit der Kieferblüte ist die Luftjedoch mit den Pollcnkörncrn dieses Baumes auf viele Meilen so erfüllt, daß eingleichzeitig fallender Regen auf alle Körper eine gelbe Schicht des Blutenstaubes ab-setzt, sodaß man oft schon von Schwefelerzen gesprochen hat.

Die mit dem Staube auf Dächer, Mauern und Felsen getragenen organischenWesen werden ins Leben zurückgerufen, sowie der Regen den Staub in Schlammverwandelt und seine Bewohner erweckt; sie vermehren sich nun außerordentlich, so-lange die Feuchtigkeit andauert, und verfallen wieder in Schlummer, wenn das Wasserverdunstet ist. Daher die oft unglaublich reiche mikroskopische Fauna und Flora, die aufden Dächern haust; selbst auf den höchsten Alpcngipfcln über der ewigen Schneegrenze,z. B. auf der Spitze des Monte-Nosa, sammelt sich, wie Schlagintweit fand, durchden Staub mit der Zeit eine Erdschicht, die von mikroskopischen Nädcrthierchen,Bäremhierchcn und Bacillarien in außerordentlicher Menge belebt ist. Auf einersolchen Staubschicht keimen etliche Algen-, Moos- lind Flcchtensporen, die derWind mit sich brachte, und die Pflänzchen, die sich aus diesen Sporen entwickeln,dienen dazu, den Staub zu binden, die Feuchtigkeit zu erhalten. Bald bedeckt sichdas Dach, der Fels mit dem grünen Überzug des ProtococcuS, mit buntem Flechten-schmucke, mit smaragdenem Moosrascn, unter dem eine Humusschicht theils durchVerwesen der abgestorbenen Pflänzchen und Thierchcn, theils durch neue Hinzuge-wehte Staubmassen sich beständig vermehrt. Zugleich kragt die Feuchtigkeit derselben^ dazu bei, den Steingrund zu zerbröckeln und seine Bestandtheile in lösliche Pflan-zennahrung umzuwandeln. Bald ist die Erdschicht so dick, daß Gräser darauf sprießen,daß die Fetthenne (Sollmn), die Dachwurz (Lomporvivum) ihre Wurzeln anhef-ten können; nach einigen Jahren entfaltet sich hier ein Blnmenteppich. Ein Birken-samc ist bereits gekeimt und fangt an sich zu grünem Busche auszubreiten. Undwieder nach Jahren rodet der Mensch den dichten Wald aus und verwandelt den-selben Grund in ein fruchtbares Getreidefeld, der aus nackten Stein sich zum völ-kcrnährcnden Acker entwickelt hat. Auf diesem Wege haben die Kronen unsererFestnngsmauern im Laufe der Zeit in hängende Gärten sich verwandelt, sind Rui-nen unter Wald und Wiescnwuchs verschwunden, sind einst berühmte Städte unterdie Erde gesunken, und die Pflugschar geht jetzt über dieselben Gefilde, unter denenherrliche Neste höherer Cultnr vergraben liegen. Auf dieselbe Weise bekommen aberauch die Felsen, welche im Stillen Ocean durch die gewaltsame Thätigkeit der Vul-kane, die durch die unscheinbaren, aber nicht minder mächtigen Korallenthierchenemporgehoben werde», in kürzerer oder längerer Zeit ihre Vegetation, die später auchde»> Menschen eine Stätte baut, und es ist höchst wahrscheinlich, daß ein gleicherVerlauf die Granitfelsen des Erdgerippes beim Beginn der gegenwärtigen Schöpfungfür die Ernährung höherer organischer Formen vorbereitet hat. Überall sind mikrosko-pische Geschöpfe die Vorläufer edlerer Lebcnseutfaltung, oder, um ein bekanntes Bildgebrauchen, die Pionniere der Civilisation gewesen.

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Mcteorstaub. Passatstaub.

Der Staub, der im Sommer in der Nähe der Städte und bei heftigem Winde^"ch außerhalb derselben in dichte» Wolken dahingetrieben wird, hat nichts Ausfal-sndes, da seine Quelle in den benachbarten Straßen und Feldern leicht ins AugeI?>t' Anders ist es mit gewissen ungewöhnlichen Staubfällen, die unter ganz eigen-tümlichen Erscheinungen beobachtet werden. Oft im strengsten Winter, wenn in"reilcnweiter Erstreckung alles mit Schnee bedeckt ist, erhebt sich plötzlich ein furcht-barer Süd- oder Südweststurm, der gelbliche oder rothe Wolken heraustreibt; diese