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Die mikroskopische Welt.
(Phytolitharie»), aber auch viele Bacillarienschalen. Eine genaue Untersuchung macht«es Ehrenberg unwahrscheinlich, daß dieser Passatstaub aus dem benachbarten Afrikastammen könne; vielmehr brachten ihn einige darin aufgefundene Bacillarienschalen,die sonst nur aus Südamerika bekannt sind, zu der Annahme, daß in der heißenZone des westlichen Comments auf den weiten Ebenen Brasiliens und Euianas dieeigentliche Urheimat des Passalstaubs zu suchen sei. Die trockene Jahreszeit, derenMacht wir aus den plastischen Schilderungen Humboldt's über die Steppen undWüsten kennen, verwandelt die ockerfarbene Oberfläche unermeßlicher Savannen inrothen Staub, den Orkane in furchtbaren Staubwirbeln umhertreiben. Die über demglühenden Boden senkrecht aufsteigende Luftströmung, der Lourant »soonelaM der Me-teorologen, trägt die feinsten Bestandtheile dieses Staubes in rothen Wolken in einehöhere Luftregion, wo sie vom obern Passat nach Osten geführt, als ein unermeß-liches Sraubnebeldepot dahinschwcben. Diese Staubwolken entladen sich regelmäßiglangsam an der Westküste Afrikas über eine Strecke von Millionen Quadratmeilen alsPaffatstaub; durch ungewöhnliche Siroccostürme aber werden sie weiter nach Nordund Ost verschlagen, wo sie auch den europäischen ContineM mit Meteorstaubfällenüberschütten. Es umkreist daher nach Ehrenberg eine feine Staubncbelzone in be-deutendem Abstände von der Erde den Äquator derselben, wie ein Saturnring seinePlaneten, und es wäre nach seiner Vermuthung nicht unmöglich, daß das räthsel-hasle Zodiakallicht, der wunderbare, einer leuchtenden Zunge gleichende Schmuck derTropennächte, dessen Ursprung man gewöhnlich in einer eigenen Sonncnatmosphärcsucht, vielmehr auf jene sonnenbeleuchtete Zone des PassarstaubcS sich zurückfüh-ren lasse.
In einem andern großartigen Naturphänomen will Ehrenberg ebenfalls dieSpur des Passatstaubes finden. Bekanntlich betrachtet man gegenwärtig die Meteor-, steine als Körper, die außerhalb der Erde im Weltraum entstanden sind, da mansich nicht denken konnte, wie die centnerschweren Massen, aus denen sie bestehen,aus unserer Atmosphäre entnommen sein sollten. Nun entdeckte Ehrenberg in demrothen Absatz des Passat- und des Meteorstaubcs eine Menge grüner Krystalle, dievielleicht Olivin oder Pyroxen sein können und alSdann nickelhalrig wären. Rechnetman nun dazu, daß jedes Staubmctcor Tausende und Hundertausende von Centnernfester Massen mit sich führt, daß die Analyse in diesen Staubmassen 7 — 14"/,Eisen, 37 "/> Kieselerde, 16°/» Thon nachgewiesen hat, so würden wir in unge-heuern Massen in der Atmosphäre schwebend alle jene Elemente vorfinden, die ausihr als Meteorsteine und Meteoreisen von Zeit zu Zeit herabfallen. Und wäre esnicht ebenso gut denkbar, den Ursprung dieser räthselhasten Körper aus einer Ver-i schmclzung und Vereinigung der im Staubnebcl der Atmosphäre schwebenden Eisen-,
! Kiesel-, Nickeltheile zu erklären, als in ihnen kleine Weltkörper zu vermuthen, die
I im Weltraum sich verirrt und abgemattet auf« die Erde herabgefallen sind? Ehrcn-berg wenigstens ist sehr geneigt, die Meteorsteine oder Acrolithen nicht für kosmische,sondern für irdische Producte unserer eigenen Atmosphäre zu erklären.
Wie dem nun auch sei — eine spätere Zeit wird erst die wahre Bedeutungdes Passatstaubes ins rechte Licht stellen —, so steht doch jedenfalls Das fest, daßd" organischen Bestandtheile des Staubes immer nur zufällig, passiv mit den übri-gen Staubatomen in die Luft gehoben sind, und daß man daher von einem cigeut-thümlichen mikroskopischen Leben der Atmosphäre, und von einer Wichtigkeit dieses"ebens für meteorologische Processe durchaus nicht sprechen könne; ebenso gewiß ist^ aber auch, daß den mikroskopischen Untersuchungen der organischen Staubthcilek>ne große Bedeutung für die Erkenntniß und das Verständniß dieser großartigenProcesse nicht abgesprochen werden darf.
Vulkanischer Staub.
Ältere Beobachter haben die ungewöhnlichen, bei Südsturm von brennendrothcmHimmel herabfallenden Meteorstaubmaffen für vulkanische Asche erklärt und vom