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Die östreichische Monarchie.
selten war dem Kaufmanne damit gedient, nach monatelangem Harren in den Besitzseines Eigenthums zu gelangen, und somit blieben die erwarteten guten Folgen desneuen Tarifs für den allgemeinen Verkehr eine reine Fiction. Aber auch das Unheil,welches engherzige Fabrikanten von demselben und dem nähern Anschlüsse an den deut-schen Zollverein vorhersagte», ging nicht in Erfüllung. Weder wanderte das östreichischeCapital in Masse nach dem Auslande, noch verdrängten fremde Colonisten die heimi-schen Arbeitskräfte. In einzelnen Jndustriekreiscn machte sich zwar schon eine Con»currcnz bemerkbar, wie in Schlosscrarbciten, Goldschmiedwaaren. Französische Seiden-bänder, leichte clberfelder Seidenstoffe, sächsische seine Schafwollwaaren, englischerBaumwollsammet zeigten sich auf dem Markte, und im Laufe von zwei Jahren wurden12000 Ccntner fertiger Dampfkessel eingeführt; die Mehrzahl der Gewerbe blieb abervon der Mitbcwerbung fremder Arbeit noch unberührt und hat die nöthige Zeit ge-wonnen, durch eine energische Benutzung der vorhandenen Hülfsmittel, durch dieEinführung einer bessern Technik auf den Wettkampf sich zu rüsten. Hört manaber dennoch häufige Klagen über den schädlichen Einfluß des neuen Tarifs, so darfman nicht vergessen, daß nirgends die Anschauungen verschiedenartiger, die Urtheilewidersprechender, die Werthbestimmungen relativer sind als in den Jndustriekreiscn.Je nachdem ein Gegenstand dem einen Industriellen als Rohstoff oder Hülfsmaterialdient, von dem andern als Ganzsabrikat betrachtet wird, muß auch die Ansicht überNutzen oder Schaden von Zollermäßigungen wechseln. Die östreichischen Maschinen-fabrikanten entsetzten sich über den niedrigen Zoll, welcher auf die Einfuhr auslän-discher Maschine» gesetzt ward, und erklärten die gesannnte östreichische Eisenindustriezugrunde gerichtet; die Besitzer von Kattundruckereien dagegen protestirten gegen dieallzu hohe Zollbelastung der von ihnen gebrauchten Maschinen und verlangten in>Namen der von ihnen vertretenen Industrie Abhülfe. Der Zolltarif, welcher alleClassen von Producenten und auch die Consumcnten gleichmäßig befriedigt, soll nocherfunden werden.
Diese Erwägungen erschienen nothwendig, um unser Urtheil zu begründen, daßdie östreichische Industrie gegenwärtig in einem Übergangsstadium begriffen ist, dessc"Folgen noch keineswegs klar vorliegen. Im Allgemeinen kann man wol eine Z»'nähme des Gcwcrbfleißes annehmen und mit Zuversicht auf eine bedeutende Eiü'Wickelung der östreichische» Industrie hoffen; aber die Stellung der verschiedenen Ar'beitszwcige wird sich wesentlich verändern, viele bisjcht mit Vorliebe betriebenenwerbe werden in den Hintergrund treten, andere früher vernachlässigte und veracht^eine große Bedeutung gewinnen. Auch die Wendungen in der äußern Politik sind^das Schicksal der östreichischen Industrie von mächtigen» Einflüsse. Erweiterte Ök'reich, wozu die Regierung, von der öffentlichen Meinung getragen, eine zeitigNeigung zeigte, seine östlichen Grenzen, führte es die Donaufürstenthümer alsgesbeute aus dem orientalischen Kriege heim, so gewinnt der östreichische Produss^eine»» Markt, welcher für die durch die deutsche Mitbcwerbung etwa erlittenebüße glänzend entschädigt; bleibt die untere Donau unter der russischen Herrsch^und die Fürstenthümer in ihrer gegenwärtigen Stagnation, so hat die östreich'^Industrie nichts dort zu suchen und sieht sich zur Auffindung neuer Absatzwege 6zwungen. Nur dadurch ferner, daß Östreich seinen Schwerpunkt mehr nach ^ »Osten verlegt, würde die Consumtionsfähigkeit seiner östlichen Provinzen jtvermehrt und die Sorge der westlichen Neichsländer, wohin sie ihre ProdukteGewinn absetzen könnten, vermindert werden. Der gleiche Grund, der ein abschl>e^edes Urtheil über die östreichische Industrie verwehrt, zwingt uns auch dieÜbersicht der Erwerbsthätigkeit aus Daten desjenigen Zeitraums zu wählen, we^,dem neuen Zolltarif vorangeht, und die neuesten Erhebungen erst bei der Betetung der einzelnen Industriezweige zu berücksichtigen. -^»1
Nach der letzten allgemeinen Zählung, wobei aber Ungarn nicht einbegrw^wurde, zahlte man in Östreich 7012 Fabriken und Manufakturen, 7^55^0 Ywerksmäßig betriebene Gewerbe, 237 Wechsler, 1207 Großhändler, oOOO
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