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Zwöflter Band.
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Australien. 27

von Australien zum Behufe der Einwanderung fort. Nun traf zugleich mit denTratten für die großen Waarenankäufe die Nachricht ein von dem stetigen Fallender Weltpreise in England und, was das Ernstlichste war, von der gänzlichen Auf-hebung der Deportation, womit denn die bisherige freie Zustellung von Arbeiternsowie die Lieferungen an die Regierungsspcicher für den Bedarf der Deportirtenaufhören mußten. Die Bank beschränkte jetzt ihr Disconto um die Hälfte, und derfinanzielle Sturm brach los. Das Schaf, der Stapclartikel der Colonie, fiel von10 Schilling auf 1 Schilling das Stück. In Sidney und Melbourne erklärten sichim Jahre 1842: 713 Geschäftshäuser insolvent, im Jahre 1843: 659 und imJahre 1844: 266 — zusammen also in drei Jahre» 1638 Fallissemente mit einerGesammtschuldenmasse von 3/- Millionen Pfund Sterling!

Mitten in dieser Kalamität erfand indessen ein geschickter irischer Viehzüchter,Heinrich O'Brien zu Paß, das Talgauskochen, womit sich, da nun ein Schaf we-nigstens auf 5 Schillinge verwerthet werden konnte, ein Weg aufwärts wieder anbahnte.Nach diesem Verfahren werden in großen mit Dampf erhitzten Kesseln die ganzenLeiber der Ochsen, Schafe u. s. w. dermaßen ausgekocht, daß man ohne weitereMühe den gesammten Fettgehalt als Talg gewinnt. Der Talg stieg nun rasch zueinem Ausfuhrartikel, der an Werth und Bedeutung der Wolle fast gleichkam. DieTalgerzeugnng hob sich von 5680 Centner im Jahre 1843 auf 98213 Centnerim Jahre 1848, zum Werthe von 140579 Pfund Sterling. Ware nicht infolgeder Eoldentdeckung eine Unterbrechung eingetreten, so würde England hinsichtlich desTalgs bereits ebenso unabhängig von Rußland sein, wie es hinsichtlich der Wollevon Deutschland ist.

Während der großen Krise wurde im Jahre 1841 auf Befehl des englischenColonialministcriums der niedrigste Ansatzpreis bei den Landverkäufen auf ein Pfunderhöht. Die Maßnahme mußte mit den Umständen wenig in Einklang erscheinen,da bei den obwaltenden Schwierigkeiten die Landverkäufe schon ohnehin wesentlichnachgelassen hatten. Das Motiv zu derselben stand auch in der That in keinemdirecken Bezüge zu Neusüdwales, sondern wurde dadurch veranläßt, der ColonieSüdaustralien, die auf der künstlichen Basis des hohen Landprcises begründet unddemzufolge insolvent geworden war, durch gleichmäßige Erhöhung des Landpreisesin der Nachbarcolonie beizustehen. An der Spitze der südaustralifchcn Interessen standin London eine einflußreiche Clique, zu welcher auch mehre Parlamentsmitgliederzählten. Unter solchen Einflüssen nur kam jene Erhöhung des Landpreises zustande,eine Maßregel, die seitdem von allen Autoritäten, namentlich auch sogleich von demLegislativen Rathe in Neusüdwales in den Jahren 1843, 1844, 1845, 1847 heftigaber erfolglos bekämpft worden ist. Dabei wurde das Land nur in Sectionen vonmindestens 640 Acres (eine Viertel englische Ouadratmeile) verkauft. Der Erfolgwar, daß der Landsvnds, welcher 1840 die Summe von 324072 Pfund Sterlingertragen hatte, 1841 aber bereits auf 92636 Pfund Sterling gefallen war, imJahre 1842 auf 18312, im Jahre 1843 auf 12205 und 1844 auf 9174 PfundSterling herabsank.

In einen besonders heftigen Kampf gerieth Gipps bezüglich der Landfrage mitden Squatters, wie man die großen Schafzüchtcr in Australien nennt. Die Jün-ger Mac Arthur'S hatten in früherer Zeit alles Weideland jenseit der angebautenBezirke als Gemeinwciden benutzt. Unter Gouverneur Bourke wurde jedem eine be-sondere Weidestrecke (kein) im Verhältniß zu seiner Heerde zugewiesen, wofür einejährliche Licenzgebühr von 10 Pfund Sterling zu entrichten war. So war dieStellung der Squatters gesetzlich anerkannt. Die Licenzgebühr ertrug eine jährlicheRevenue von 60000 Pfund Sterling. Die Squatters gediehen zur wohlhabendstenund einflußreichsten Classe in Australien, wie die Schaf- und Viehzucht zum be-deutendsten, die meisten Menschen beschäftigenden Interesse. Gipps wollte nun dieSquatters nöthigen, von Zeit zu Zeit Ankäufe ihres Weidelandes in Sectionen vonje 320 Acres zum Minimumpreise zu machen. Er erließ zu dem Behufe mehre