Band 
Zwöflter Band.
Seite
36
JPEG-Download
 

36 Australien.

die Regierung zu concentriren wünsche, nur noch mehr ausgebreitet werde. Wegeneines solchen elenden, rein theoretischen,, und unter Umständen wahrhaft aberwitzigenGrundes sollte also, wäre es nach dem Willen der englischen Bureaukratie gegangen,die beste, damals schon so viel versprechende englische Colonie wieder aufgehoben wer-den! Batman mochte für seine unternehmende Thätigkeit auf Belobung und Be-lohnung gerechnet haben: statt dessen erklärte die Regierung seinen Landkauf fürungültig. Batman's Gesellschaft reichte nun zur Vertheidigung ihrer Ansprüche einePetition bei der Regierung ein, und übergab den Betrieb der Sache einem tüch-tigen londoner Advocaten. Die Regierung verweigerte aber alle Anerkennung; dochwurde die Gesellschaft endlich mit einer Entschädigung zum Betrage von 7000 PfundSterling abgefunden. Fawkner's Gesellschaft fand aber gar keine Anerkennung.

Mit der Colonie ging es inzwischen so schnell voran, daß die Regierung sienicht mehr aufzuheben vermochte. Der Ruf der neuen reichen und weiten Weidenverbreitete sich bald. Zahlreiche Zuzüge kamen von Neusüdwales. Die Vandiema-nier aber ergriff ein wahres Port-Philipp-Fieber, dem spätern Goldfieber ähnlich,und sie zogen in Scharen über die Meerenge mit Zelten und Heerden. Als imJuni 1836 eine Magistratsperson, von Sir Richard Bourke, Gouverneur von Neu-südwales, entsendet, ankam, um die Rechte der Königin geltend zu machen undalle Ankäufe, die man mit den Ureinwohnern geschlossen, für ungültig zu erklären,waren schon viele Hunderte von Ansiedlern mit Tausenden von Schafen und Rindernum Port-Philipp angesiedelt. Im selbigen Jahre explorirte Sir Thomas Mitchell,der Generalfeldvermesser von Neusüdwales, abermals die Uberlandrouke von Neusüd-wales nach Port-Philipp und gab in seinem darüber veröffentlichten Reisewerke eineglänzende Beschreibung von der schönen Ebene, von ihm Australia Felix genannt,was denn wesentlich dazu beitrug, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die junge Co-lonie zu richten.

Inzwischen hatte das englische Colonialministerium mit dem Gouverneur SirRichard Bourke noch immer darüber verhandelt, ob überhaupt die neue Colonie be-stehen solle oder nicht; denn es wollte der Bureaukratie durchaus nicht in den Kopf,daß britische Unterthanen sich unterfangen könnten, auf eigene Hand hin Colonienzu begründen. Im April 1837 aber besuchte Sir Richard die Colonie in Person,und sah wohl ein, daß wenigstens der Bestand derselben außer Frage gestellt sei.Die neue Hauptstadt, welche bereits ein Parallelogramm von einer Meile Länge unddrei Viertelmeile Breite bildete, wurde von ihm Melbourne getauft. Zm Juni fan-den die ersten Landverkäufe nach dem Negierungssysteme statt, und sofort auch er-wachte jene maßlose Speculation in Stadkbaupläßen (lorvn sllotwönts), wie wirsie bereits in Adelaide kennen gelernt haben. So führte gleich die erste Einmischungder Regierung nur Unheil herbei. Anstatt, wie man angefangen hatte und ohnejene Einmischung gewiß auch fortgefahren wäre, das Land zu bestellen und Heerdenzu ziehen, richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit nur auf Stadtbauplätze, durchdie man ja schnell reich werden konnte. Mochte auch das Beispiel der Schwester-stadt Adelaide ansteckend auf den Speculationsgeist wirken, so lag doch der eigent-liche Grund des Übels eben nur in dem Verkaufssysteme der Regierung, nachwelchem behufs Aufrechthaltung der Preishöhe immer nur möglichst beschränkte Grund-stücke in möglichst langen Fristen zum Verkguf ausgeboten werden. Dazu kam da-mals noch, daß die Regierung in Zahlung der Kaufschillinge nur baare Goldmünzeannahm, welche sich zu jener Zeit nur im Besitze von Wenigen befand. Schon gleichim Jahre 1837 waren die Bauplätze in Melbourne auf 30 —100 Pfund Sterlingden halben Acre gestiegen. Aber bereits im Jahre 1839 wurden drei halbe Acre-sectionen zu 10250 Pfund Sterling verkauft, und der Käufer machte ein gutes Ge-schäft, indem er die Grundstücke, in kleinere Bauplätze zerlegt, wieder verkaufte. ImJahre 1837 löste die Regierung für Stadtbauplätzc 7245 Pfund Sterling; 1838:8746 ; 1839: 8988; 1840: 79168; 1841: 4028 Pfund Sterling. Alle andern Ge-genstände stiegen gleicherweise im Preise: Schafe auf 3 bis 3 Pfund Sterling 10 Schilling,