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Zwöflter Band.
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Australien. 47

Freilich war die Erhebung bei der Ausdehnung und der gebirgigen Natur der Gold«selber nicht ohne Schwierigkeiten. Die Polizei, welche die Licenz erhob, beschick denschwer arbeitenden Diggers oft meilenweit nach dem Zelte des Commissars, und hier,unter einer glühenden Sonne, mußte er stundenlang warten, um seinen Erlaubniß-schein einzuholen. Sodann pflegte die Polizei von Zeit zu Zeit in Rotten zu Pferdeund zu Fuß sich nach den Gruben zu begeben, wo sie beliebig eine Strecke um-zingelte und Jeden, der seinen Schein nicht auf der Stelle vorweisen konnte, fest-nahm und ohne weiteres um 5 Pfund Sterling strafte. Es kam in der erstenZeit vor, daß Leute in solchen Fällen in Ermangelung von Gefängnißlocalen dieNacht über an einen Baum gekettet wurden. Überhaupt hat die übermäßige Strengeund Unbilligkeit der Erhebungsart und das dabei entwickelte officiöse, barsch militäri-sche Verfahren der Polizei sehr viel böses Blut verursacht. Nachdem die Einkünftevon den Goldfeldern seitens der britischen Regierung der Colonialregierung von Vic-toria überlassen worden, gestalteten sich diese Verhältnisse rücksichtlich der Diggersnoch viel unvortheilhafter. Die Polizei verstand sich immer noch sehr wohl darauf,die Licenzgebühr mit Strenge einzutreiben, that aber gar nichts mehr zur Sicherungdes Eigenthums und des Lebens der Digger. In den abgelegener«, aber häufigdicht bewohnten Quertha'lern fielen allnächtlich Raub und Gewaltthätigkeit aller Artvor, ohne daß die Polizei die Wiederkehr der Gräuelscenen zu verhindern suchte.Auf der Straße von Melbourne nach den Goldgruben bewegte sich der bedeutendsteVerkehr der Colonien, ohne daß auch etwas für Straßenbau gethan wurde. DieStraße war so unpraktikabel, daß man im besten Falle die kurze Strecke nach denGruben in einem Monate zurücklegte. Täglich wurden Karren der Diggers auf derStraße zertrümmert, und die Noth und die Verluste bei den Flußfurten überstiegenvollends alle Vorstellung. Der Fuhrlohn von Melbourne nach dem Alexanderbergstieg auf 150 Pfund Sterling die Tonne. Und doch wäre es leicht gewesen, we-nigstens Bahn zu brechen, die Sümpfe auszufüllen, Brücken von groben Holzblöckenzu legen und jähe Abstürze zu ebnen. Ebenso war das Postwesen, für das allge-meine Interesse so wichtig, höchst elend. Zudem zeigten sich häufig bei der PolizeiBeispiele offenkundiger Bestechung und Unredlichkeit. Die Diggers ertrugen alle dieseBeschwerden umsoweniger mit Geduld, als sie wohl begriffen, daß sie die bedeutend-sten Consumenten und Producenten des Landes seien, daß sie dem Staate jährlicheine halbe Million beisteuerten, während die Squatters demselben nur 20000 PfundSterling lieferten, dazu aber noch Vertretung in der Legislatur hatten.

Unter diesen Umständen konnte es nicht fehlen, daß mancherlei Reibungen zwi-schen den Diggers und den Behörden ausbrachen. Um die Mitte des Jahres 1855wurde der Diggerbund (viggsrs' lssgus) gebildet, und eine Convention trat zusam-men, bei welcher die verschiedenen Goldfelder durch Delegaten vertreten waren. Die(damalige) 50 Schillinglicenz sollte herabgesetzt werden. In mehren großen Volks-versammlungen wurde eine drohende Sprache gegen die Regierung geführt, ein Cen-tralcomite und Subcomite's von gar revolutionärem Anstrich wurden eingesetzt. DieDinge hatten ein so bedrohliches Ansehen, daß die Regierung fast ihr sämmtlichesMilitär nach Bendigo entsandte. Eine Deputation der Diggers ging nach Mel-bourne, um bei dem Gouverneur auf Herabsetzung der Licenzgebühr anzutragen, er-hielt aber von diesem eine durchaus abschlägige Antwort. Große, stürmische Volks-versammlungen wurden nun abermals abgehalten, und endlich ward der 1. Octzum Entscheidungstage bestimmt. An diesem Tage sollten Abgeordnete der Dig-ger vor dem Commissar erscheinen, eine herabgesetzte Licenzgebühr anbieten und,falls man selbige verweigere, ihren Entschluß erklären, nicht mehr bezahlen und sichals Gefangene überliefern zu wollen. Am festgesetzten Tage marschirte die Mengein einem riesigen, aber geordneten Zuge bei dem Regierungszelte vorüber, wobeiMehre herausfodernde Pistolenschüsse gegen dasselbe abfeuerten. Zugleich erschienendie Abgeordneten vor dem Commissar. Die Commissare erklärten jetzt, man werdein diesem Monat keine Licenzgebühr erheben, und bald daraus traf von Melbourne