Band 
Zwöflter Band.
Seite
172
JPEG-Download
 

172

Afrika.

das Königreich Kaschna in Besitz, traf seine Anordnungen und erklärte nun dem si

Heere seinen Entschluß, auf gleiche Wkise alle übrigen Könige in Sudan züchti- ei

gen. Er zog sodann nach Nusfi an der untern Kowara, dessen großartigen Handel Z

und Reichthum ganz Sudan bewunderte. Der Widerstand der üppigen Kaufleute von st

Nusfi war bald gebrochen und auch dieses schöne Land dem Fellatahreiche einverleibt. ti

Auf diese Weise wurde ein Königreich nach dem andern unterworfen, mit Einschluß st

des nördlichen Aghades (Ahier), welches sich zwar später wieder unabhängig machte, k>

jedoch noch gegenwärtig einen jährlichen Tribut nach Sakatu sendet. Im Jahre st

1805 erbaute Saki seine Hauptstadt Sakatu (Saki's Stadt) an der Nordgrenze des ti

Reichs im Stammsitze seiner Fellakah. Endlich ward auch der Sultan des mächtigen h

Bornu angegriffen und gleichfalls geschlagen. Die durch den bereits oben erwähnten r>

Überfall des Scheikh Emin von Kanum erlittene blutige Niederlage und die darauf st

erfolgende Wiederherstellung des Thrones von Bornu setzten zwar den Fellatah in z,

dieser Richtung eine Schranke; doch eroberten sie später, besonders unter Saki's Sohn, st

dem großen Emir Bello, welcher sich auch als Schriftsteller ausgezeichnet hat, noch n

alles Land bis nach Bagirmeh, mit Ausnahme eines schmalen Streifens der Neger- st

länder, der Bornu nach langen Kämpfen als Jagdbezirk verblieb. Das Kaiserthum b

der Fellatah hat somit die gegenwärtige riesige Ausdehnung erhalten. Während der u

Islam in Europa und Westasien in neuerer Zeit immer mehr hinfällig ward, ist er 1

sonach in Afrika, namentlich durch diese Fellatahbewegung, mit entschiedener, neuer st

Lebenskraft wiederhergestellt worden.

Diese allgemeinen Umrisse von Sudan müssen uns hier genügen. Einen voll- 3

ständigen Bericht zu liefern, ist die Aufgabe der gegenwärtig daselbst befindlichen d

Expedition, die ihre wissenschaftlichen Eroberungen nach allen Richtungen hin so u

tapfer durchgeführt hat. L

3

Die Erplorationen und Schicksale der Reisenden Richardson, Barth, Overweg und Vogel st

in Sudan und die Expedition Baikie's vom Süden her. ^

Als die Expedition unter Richardson, Barth und Overweg Damergu, das un- n

ter der Herrschaft der Tuarik von Ahier stehende und von deren schwarzen Sklaven t>

fleißig angebaute nördliche Grenzland von Sudan, erreicht und hier, wo Lebensmittel g

aller Art in Fülle waren, sich von ihren Anstrengungen und Entbehrungen etwas N

erholt hatte, beschlossen die Reisenden, um Sudan in verschiedenen Richtungen zu 0

exploriren, sich zu trennen und dann in Kuka wieder zusammenzutreffen. Richardson ti

nahm die directe Route über die bornuesische Stadt Sinder (Zinder), Barth zog 3

südlich nach Kaschna und Kano und Overweg westlich nach Guber und Mariadi. v

Sie schieden am 11. Jan. 1851. „Wir nahmen", sagt Richardson in seinem Jour- e

nal, „nicht ohne Rührung Abschied voneinander; denn in Centralafrika können Rei- u

sende, welche verschiedene Straßen nehmen, kaum darauf rechnen, sich wieder zu st

treffen." il

Richardson erreichte Sinder, die Hauptstadt der bornuesischen Provinz Dama- f

gram, am 14. Jan. und wurde von dem Sultan (Gouverneur der Provinz) wie n

von den Einwohnern bestens aufgenommen, was von ihm, der soeben von den Tua- ^

rik kam, um so angenehmer empfunden werden mußte. Man überwies ihm ein ei-genes Haus nnd sandte reichliche Speise. Der Interpret des Sultans, Scheris Sa-gher aus Fez, ein unterrichteter Mann, benahm sich mit Richardson sehr gesellig.Er war der geheime Agent des Scheikh von Bornu, der den. Sultan beaufsichtigenmußte. Richardson sah sich in Sinder eine Woche zurückgehalten, da gerade eine Gha-sua ausgeführt wurde. Der Sultan stellte diese Sklavenjagd an, um seine Schul-den zu bezahlen. Am 8. Febr. verließ er Sinder unter Escorte aus einem ihmvom Sultan geschenkten Pferde. Er durchreiste eine reiche Landschaft mit zahlreichenDorfschaften und kam am 14. in Gurai an, der Hauptstadt von Manga oder Minjo,der wichtigsten Provinz im nördlichen Bornu, vom dortigen Sultan ebenfalls freund-lich empfangen. Weiterreisend, schrieb er bereits am 21. Febr. bei dem Orte Gu-