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Zwöflter Band.
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229
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Deutsche Literatur im Auslande. 229

die,Stael, ihrer Absicht sich klar bewußt, mit ihrem Buche dem mechanischen Wesendes unorganischen Napoleonischen Verwaltungs- und Negierungssystems einen empfind-lichen Streich versetzte. Napoleon haßte die deutschen Ideologen und stellte sich auchso an, als ob er sie verachtete; die Stael aber brachte in ihrem Buche die deutschenIdeologen zu Ehren und legte dar, welch ein größeres Maß innerer geistiger Freiheitunter dieser Herrschaft der Ideologen Deutschland besaß gegenüber dem todtstarrenfranzösischen Staatsmechanismus. So trug dieses Buch nicht wenig dazu bei, dasdeutsche Volk in seinen eigenen Augen zu heben und sein Selbstbewußtsein anzu-stacheln, wahrend es andererseits dahin wirkte, die Selbstüberhebung der Franzosenauf ein billigeres Maß zurückzuführen und somit ein achtungsvolleres Verhältnißzwischen beiden Nationen zu begründen. Der Haß Napoleon's gegen dieses Buch unddessen polizeiliche Maßregelung durch Fouche war daher sehr erklärlich.

- Gleichzeitig und zum Theil noch vor der Frau von Stael wirkten und schriebenin derselben Richtung mehre vortreffliche Männer, unter denen namentlich BenjaminConstant de Rebecque und Charles de Villers zu nennen sind. Jener übersetzte denSchiller'schen „Wollenstem" unter dem Titel: „V^allstsin, lragsclis en eing actos,st er, vsrs, prsosüss cls ^uslguss rstlsxions 8ur Is tlrsstrs gllsrnsnZ, st suivis üsnots8 kwtori^uss" (Paris 1809), eine höchst dankenswerthe Arbeit, obschon derVerfasser sich manche Freiheiten mit dem deutschen Original herausnahm und die„ Piccolomini" und „ Wallenstein's Tod" in ein einziges Drama zusammenschmolz.Doch ist des deutschen Dichters Geist von ihm ziemlich treu festgehalten und wieder-gegeben worden, soweit dies in französischer Sprache überhaupt möglich ist; einigeder schönsten Scenen des Originals sind darin sogar sehr glücklich nachgeahmt. Inder Einleitung gibt der Verfasser eine tiefer eingehende Charakteristik der deutschenBühne überhaupt, wobei er namentlich die Punkte hervorhebt, durch die sich diedramatische Literatur der Deutschen von der der Franzosen unterscheidet. Eine treff-liche Entwickelung der Schiller'schen Trilogie gab Benjamin Constant sodann in seinen„illsl-mzss -Is littsraturs st cls Politikus", sowie vom „Götz von Berlichingen" inder oben genannten Einleitung zum „VVoilstsin". Auch Mercier, der Übersetzer der„Jungfrau von Orle'ans", ist als Vorgänger der Frau von Stael zu betrachten.

Ein sehr bedeutungsvolles Doeument ist Charles de Villers', unter der Herr-schaft des Königs Hieronymus in der Hofbuchdruckerei zu Kassel gedruckter „tloupä'osi! 8ur Iss nr>ivsr8its8 cls Ullswggns". Es ist dies eine Schutzschrift für diedeutschen Universitäten und namentlich für die göktinger Hochschule. Zu einer Zeit,wo man von Frankreich aus den Bestand der deutschen Universitäten zu untergrabensuchte, war zur Abfassung einer solchen Schrift ein anerkennenswerther Muth er-foderlich. Villers zeigt darin, wie durch die Reformation das ernste Studium und Alles,was dieses fördert und unterhält, in allen durch die Reformation erleuchteten Län-dern wahre Staatsangelegenheit und das Palladium der Selbsterhaltung werdenmußte. Er entwirft zum Schluß ein meisterhaftes Gemälde GLttingens als einerwahren Musteranstalt. Die göktinger Universität und ihre Schwestern, sagt er, stän-den im Centrum Europas und knüpften ein moralisches Band zwischen allen civili-sirtcn Ländern; darum müßten diesen Hochschulen, wenn sie ihren erhabenen Beruferfüllen sollten, alle ihre physischen und moralischen Mittel, ihre Freiheit und Auto-rität unangetastet erhalten bleiben. Gelegentlich warnt Villers die Deutschen davor,ihrer Neigung, sich den Franzosen zu assimiliren, zu sehr nachzugeben; denn bei sol-chen Versuchen erschiene bor Deutsche den Franzosen stets schwerfällig und zu seinemNachtheil. Villers übersetzte ferner die Heeren'sche Abhandlung: „ Welches waren dieFolgen der Kreuzzüge?" und errang damit die Hälfte des vom Französischen Institutüber diese Frage ausgesetzten Preises. Neben Heeren genoß zu der Zeit noch Jo-hmrnes von Müller als Historiker classisches Ansehen in Frankreich. Von seiner,, schweizergeschichte" erschien in den Jahren 1814—17 eine französische Übersetzungin Genf, und Guizot schrieb über ihn im „bksrsurs <ls Lronss" von 1810 eine„Nokias biogrgplnHUv".