311
Brasilien und Südamerika.
Monate des Jahres 1855 reiche Goldlager eindeckt wurden, und Chiriqui. /Dermaterielle Wohlstand hat unter den gewaltigen revolutionären Stürmen, die manch-mal in ein förmliches Raubwesen ausarteten, furchtbar gelitten. Überdies lastet dieim Verhältniß zur Bevölkerung außerordentliche Schuldenmasse von 577 Millio-»en Realen oder 180 Millionen Gulden schwer auf dem Lande. Man hat allemöglichen Mittel versucht, sie zu tilgen; die eingegangenen Verpflichtungen wurdennicht gehalten; die Zinsenzahlung wurde (1849) verschoben, oder, namentlich in Be-treff der innern Schuld, ganz beseitigt. Dies Alles wollte nicht fruchten. Ein gro-ßes Deficit zwischen den regelmäßigen Einnahmen und den nothwendigen Ausgabenist immer geblieben. Der Voranschlag der Einnahmen für das Jahr 1854 — 55.belief sich auf 1,959000 Piaster, d. h. Piaster solcher Prägung in einem Werthevon ungefähr zwei Gulden. Neugranada steht in dieser Beziehung ganz allein dain Südamerika. Die Piaster der übrigen südamerikanischcn Staaten, wie in Chile,Peru und den La Plata-Staaten, gleichen mehr dem Münzfüße der nordamerikani-schen Union. Die Ausgaben steigen aber auf nicht weniger als 2,658000. Manhofft durch die Mehrung der Ausfuhr der Landesproducte, welche jetzt schon auf11,325000 Dollars angegeben werden, durch einen Verkauf der Nationalgüter,dann der großen, dem Staate gehörigen Ländereien im Verlaufe der nächsten Jahreeine Erleichterung dieser drückenden Finanzlage zu erzielen. Es sind hierzu bereitsmanche Plane dem Congrefse vorgelegt worden. Der Vorschlag einer Staatslot-terie, sodaß die ganze auswärtige Schuld mittels 1,123000 Fanegas (Landmaß)getilgt würde, erfreute sich anfangs eines besondern Beifalls; doch ist man späterwieder davon abgegangen und hat einen Vertrag mit einer französischen Colonisa-tionsgesellschaft geschlossen, an deren Spitze Stevenson Bushman steht. Dieser Ver-trag hat jedoch im Lande selbst vielen Widerspruch erfahren, namentlich von Seitendes Generals Mosquera. Nach der Übereinkunft zwischen der Regierung und derGesellschaft verpflichtet sich diese, der erster» 50,350256 Hektaren abzukaufen, nachenglischem Maße 75 Millionen Acker. Der Preis wäre 100 Pfund Sterling fürjeden Complex von 1333/z Ackern oder 37,5— rom Cents für den Acker. Da nundie Schuld von Granada blos 20 Vo steht und diese für voll angenommen wird, sostellt sich der Preis blos auf 7,« —rom Cents für den Acker. General Mosquerahat gegen diesen Handel eine eigene Flugschrift geschrieben, deren wesentlichen Inhaltwir, weil sie einige wichtige statistische Angaben enthält, mittheilen.
„Der von Stevenson Bushman gestellte Antrag, im Namen der zu Paris amII.Sept. organisirten Gesellschaft", sagt Mosquera unter Andern,, „ist ven InteressenNeugranadas sehr nachrheilig. Auch besitzt die Executivgewalt, ohne das Volk hier-über zu hören, nicht die Macht, einen Contract dieser Art abzuschließen. In Be-zug auf das unangebaute Land steht derselben nur das Recht zu, gemäß dem Ge-setze von, 20. Jun. 1853 neue Vorkehrungen unmittelbar mit den ausländischen Be-sitzern der Schuldverschreibungen einzugehen, zu dem Zwecke Compagnien zu bilden,denen man gestattet, bei Landankäufen ihre Obligationen an Zahlungsstakt zu ge-ben. Das Gesetz bestimmt, das Land soll aufgenommen und genauer Bericht dar-über erstattet werden; 10000 Dollars waren zu diesem Zwecke bestimmt worden, esist aber nichts in der Sache geschehen. Nach den genauesten Angaben umfaßt dieRepublik 138,775660 Hektaren Land. Drei Fünftheile davon bestehen in den Wü-sten von Caqueta, Sän-Martin, Casanare und Gosgria, sodaß 53,264197 Hekta-ren nicht zur Niederlassung geeignet sind, wenigstens nicht in den nächsten 20 Jah-ren. Demnach bleiben nur 55,509464 Hektaren, wovon wol die Hälfte das Eigen-thum von Privaten ist. Der Republik stehen also nur noch 27,754732 Hektarenzugebote; sie kann also nicht über 30,550325 Hektaren oder 75 Millionen Ackerverfügen, wie dies im Contract ausbedunge» ist. Dann müssen von dem angeblichverfügbaren Lande noch 606000 Hektaren abgezogen werden, welche bereits der Pa-nama-Eisenbahn, dem Staate Panama und für andere Zwecke bewilligt wurden."Der Verfasser zeigt dann weiter, wie beleidigend für die Bevölkerung Neugranadas