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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

lsu einnehmen, worauf kaum zwei Millionen Seelen wohnen, ein Bruchtheil mehrals zwei Personen auf der Quadratmeile. Die weisesten Gesetze, die kräftigsten Mit-tel muffen wirkungslos sein unter Umständen, wo die Menschen so leicht ihren Auf-enthalt wechseln können und für ihre Bedürfnisse allenthalben gesorgt finden. Undein verhältnismäßig großer Theil dieser Bevölkerung lebt überdies in einigen Städten:Buenos-Ayres zählt 100000, Cordova 16000, Tucuman 10000 Einwohner. Dieübrige Ländermasse ist zum Theil gar nicht, zum Theil äußerst spärlich bewohnt.Ortschaften, Pfarreien und Mcierhöfe liegen vier bis acht, bei den mangelhaftenStraßen, mühsame Tagereisen voneinander entfernt. Eine ausgebreitete Boden-und Geistescultur kann unter solchen Umständen gar nicht stattfinden. Es ist die-ses Leben von dem der vereinzelten Familien und winziger Clane aus Eingebore- !neu rother Nace nur wenig verschieden — eine barbarische Einsamkeit mitten in Er-trägnissen aller Art, in üppig strotzenden Wildnissen. Erfreuen sich doch jene Landeeiner äußerst gesunden Lage, eines mannichfachen, für jede Beschäftigung, für jedekörperliche Beschaffenheit geeigneten Klimas, von der Kälte der mit ewigem Schneebedeckten Cordilleren bis zur drückenden tropischen Hitze der Pampas. Und eben

diese Herrlichkeit, eben dieses leichte Leben ist ein vorzüglicher Grund des verderbtenfaulen Wesens der Insassen. Nur Sorgfalt und Arbeit, nur Nöthen und Mühenerzeuge» und erhalten das tüchtige selbständige und gesunde Wesen bei den Einzelnenwie bei den Massen im Staatenverbande.

Eigenthümliche, durch die besondere Natur und Menschenverhältnisse hervorge- .rufene Erscheinungen, in den berühmten Pampas von Buenos-Ayres und in demgroßen Chaco, sind die Estancias und Gauchos. Estancias oder Niederlassungen

nannte ehemals der Spanier und nennt heutigen Tags der Südamerikaner ange-

baute Feldmarken oder Meiereien, welche sich über drei bis vier Meilen in der Rundeerstrecken mit einer großen Menge Vieh: Pferde ryid Ochsen, Schafe, Lamas undAlapacas. Man findet nicht selten Meiereien mit 30000 Stück Thieren aller Art.

In einem großen Hause, inmitten der Meierei, wohnt der Eigenthümer, umgebenvon seinen zahlreichen Knechten, hier Gauchos oder Bauernvolk geheißen, und ihrenWeibern. Genügen die Wohnungen nicht im Meierhofe, so werden den Gauchos

in kleiner Entfernung hölzerne, mit Stroh bedeckte Hütten erbaut, Ranchos geheißen.Ihnen ist zur Überwachung der Arbeit und ihrer ganzen Aufführung ein Häuptlingvorgesetzt, Majordomo, Hausmeier genannt. So mag es ungefähr in Deutschlandausgesehen haben zu den Zeiten der Karolinger. Ähnliche Zustände erzeugen ähn-liche Einrichtungen. Ursprünglich wurden Gauchos schlecht beleumundete Mischlingegenannt, welche bewohnte Orte mieden und sich in einsame Gegenden zurückzogen.Später hat man die Benennung auf alle Landleute übertragen. Es wird jetzt dieganze, im Gegensatz zu dem städtischen Wesen in einer Art Barbarei gedankenlos ^fortlebende Landbevölkerung unter der Benennung Gauchos zusammengefaßt. Esist das Bauernvolk unserer Sprache, mit derselben niedrigen Nebenbedeutung. *) DieGauchos gaben und geben den La Plata-Staaten und im höher« Grade dem Ar-'geutinischen Staatenbunde sein eigenthümliches Wesen. Mehrmals haben sie alleinund auf lange Zeit die Schicksale jener Länder bestimmt; sie waren auch die Stützeder zwanzigjährigen Zwingherrschaft des Don Juan Manuel de Rosas.

In einem und demselben Jahre 1810 haben sich die meisten spanischen Länderim südlichen Amerika erhoben und selbständige Regierungen, Juntas genannt, ange- ,ordnet: zu Caracas am 19. April, zu Buenos-Ayres und Santa-Fe-de-Bogota am j15. Mai, zu Quito am 19. Aug. und zu Chile am 11. Sept. **) Sie erhoben ,

*) Die Gauchenmischlinge haben mehre Wörter der Quachua-, der Guarani- und anderer jSprachen und Mundarten der einheimischen Völkerschaften angenommen. Man findet sie auf- >gezählt in den „Lstuclios distorioos, politioos z- 8c>oisls, söbrs sl ktio 6s Is klsls, por !Hsjsnäro NsZsrinos llervsntss" (Paris 1854), S. 319.

**) Alle auf die Staaten am Rio de la Plata bezüglichen Erlasse und Documente findensich in der wichtigen, mehre Bände umfassenden Sammlung des Don Pedro Angelis. Der-