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Die Medicin.
einzelne pathologische Sectionen nachgewiesenen localen Veränderungen nur aus einMitergriffensein von jenen auS bezogen und überhaupt, entsprechend der symptomati-schen Form der ganzen Pathologie, von scharf bestimmten Localleiden noch wenigerein einer solchen Weise kannten, daß ihnen ein Nachweis, wie sich das betroffeneOrgan auf den einzelnen Stadien seiner Erkrankung verhalte, hätte von wirklichemWerthe sein können? Für die Kunst zu heilen schien diese Verfolgung organischerVeränderungen von fast gar keiner Bedeutung zu sein, und das Bestreben, diePathologie wissenschaftlich zu gestalten, ging einzig in der Bildung von Krankheits-bildern auf, welche unter dem Einfluß allgemeiner Hypothesen aus den allgemeinenZeichen des Erkrankens zusammengestellt wurden. Ganz anders mußte sich jedochdie Sache gestalten, als man durch Bichat's Arbeiten aus eine Verfolgung desKrankheitsprocesses am ergriffenen Organe hingelenkt wurde und nun auch begann,dem von Morgagni,hinterlassenen Schatze reicher pathologisch-anatomischer Erfah-rungen eine ganz andere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sobald man von der Ansichtausging, daß die krankhaften Funktionen der unmittelbare Ausdruck der anatomischenVeränderungen eines Organs sei, mußte natürlich die Kenntniß der letzter« und dieErkennung derselben schon während des Lebens in einem völlig veränderten Lichteerscheinen. Es,, war daher natürlich, daß eine Umgestaltung der Diagnostik beson-ders von den Ärzten ausgehen würde, welche in Bichat's Sinne die pathologischeAnatomie förderten. Den Grund hierzu legte der schon genannte Leibarzt Napoleon's,I. N. Corvisart, dadurch, daß er zunächst eine neue französische Übersetzung desAuenbrugger'schen Buches besorgte und die darin entwickelten Grundsätze seinerBearbeitung der Lehre von den Herzkrankheiten zugrunde legte. Corvisart führteauf diese Weise die Percussion ein, ein Hülfsmittel der Untersuchung, welches dersegensreichen Folgen wegen sehr bald eine große Verbreitung fand. Mittels desselbenerlangte man nicht blos über gewisse ausgebildete Krankheitsformen exacte Nach-weise, sondern man konnte damit gewisse Krankheitsprocesse Schritt für Schritt ver-folgen und durch sorgfältige Bestimmung des normalen Percussionstons in den ver-schiedenen Gegenden des Brustkastens schon im Beginn manche Störung erkennen.Die größte Verbreitung erlangte jedoch die neue Methode durch die Entdeckung derzweiten, sie ergänzenden Untcrsuchungsart, der Auskultation, welche nicht daraufbeschränkt blieb, die beim Anklopfen an die Brustwand entstehenden Töne zu unter-scheiden, sondern durch Anlegung des Ohres oder eines Hörrohrs an die zu unter-suchende Stelle die im Innern vor sich gehende Bewegung direct wahrzunehmen.Die beiden schon im normalen Zustande mit einem akustisch wahrnehmbaren Zei-chen verlausenden Functionen sind die Respiration und die Herzthätigkeit, überhauptdie Cirkulation. R. Th. H. Laennec bezeichnet daher zunächst durch seine Ent-deckung der Auskultation die Begründung der heutigen Lehre von den Herz-und Lungenkrankheiten. Schon Corvisart hatte in Fällen, wo die Bewegungen desHerzens nicht deutlich wahrgenommen werden konnten, das Ohr an die Herzgegendgelegt, die Sache aber nicht weiterverfolgt; Laennec dagegen war es, welcher dieMethode eigentlich begründete und durch ausgedehnte Anwendung derselben in seinemreichen praktischen Leben sie zu einem hohen Grade von Vollkommenheit brachte.Wenn gleich nun die erste Veröffentlichung der Laenncc'schen Arbeit ins Jahr 1819,die erste deutsche Übersetzung ins Jahr 1822 fiel, so dauerte es doch verhältniß-mäßig lange, bis sich die Auskultation und Percussion in Deutschland zu allge-meinem Ansehen erhoben. Die Deutschen erfassen sonst das ihnen vom AuslandeGebotene ziemlich schnell und dankbar, zuweilen sogar ohne den Werth desselben zu^ufen,, wie man wol nicht ganz mit Unrecht die außerordentliche Verbreitung derBrown schen Eingungstheoric zum Theil wenigstens auf Rechnung des Umstandesschreibt, daß dieselbe aus der Fremde zu uns kam; die.,Einführung der Auskulta-tion und Percussion schien jedoch zu sehr dem, ältern Ärzten eines gewissen Zeit-alters sicherlich mit Recht zum Vorwurf gereichenden Sichgehenlassen in der täg-Die Gegenwart. Xll. 29