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Die bildenden Künste.
rung ihnen unmittelbare Klarheit verleiht. In, entgegengesetzten Falle sind sie alseinfache Rebus zu betrachten. Dann aber beruht das Wesen von Cornelius' Kunst-weise und Stil auf der ganz eigenthümlichen Mischung des Dichters und Philoso-phen mit dem Maler. Nur der Einblick in seine hervorragende Begabung machtseine Werk genießbar. Man ziehe ab, was der ausnahmsweise mächtigen und rei-chen, aber unveräußerlichen Natur des Künstlers den Ursprung verdankt, man denkesich seine. Richtung in einer Schule fortgesetzt, wo eben nur Durchschnittstalente vor-herrschen, und frage sich nach dem Eindrucke schulmäßig in Cornelius' Weise erzeug-ter Werke. Die Grundsätze seiner schöpferischen Thätigkeit können unmöglich aufdie Gültigkeit einer Regel Anspruch machen; als Regel müßten sie verdammt wer-den, weil sie die besondern Wirkungsmittel der Malerei überschreiten und das all-gemein Poetische auf Kosten des Malerischen erheben; aber als eine glänzende Aus-nahme, als der Ausdruck eines einzigen Genius erregen sie unsere höchste Bewun-derung und lassen auch gar manche Widersprüche vergessen. In den Loggiender Münchener Pinakothek z. B. steht der verwickelte, geschlossene Gedankengangdurchaus nicht im Einklänge mit den Arabesken, die die bildlichen Darstellungen um-geben, und mit der spielend dekorativen Bedeutung, die dem Ganzen innewohnen soll.Cornelius weiß diesen Misklang wieder aufzuheben; der Himmel möge uns abervor einer derartig vorgehenden Schule bewahren. Die nächste vorstechende Eigen-thümlichkeit bei Cornelius, daß er seinen Bildern einen streng einheitlichen, dabei aberreich entwickelten Gedankenkreis zugrunde legt, mit Vorliebe geschlossene Bildercyklenschafft, ist keineswegs so neu, als man gewöhnlich annimmt. Auch das Mittelalterbesaß, zwar nicht gemalte, aber gemeißelte Encyklopädien. Die Sculpturen an dengroßen französischen Kathedralen stehen gleichfalls in einheitlichen Beziehungen zuein-ander und offenbaren einen streng geschlossenen Gedankenkreis. Sie offenbaren den-selben aber dem Verstände, nicht dem Auge, das nicht Hunderte von Statuen undReliefs gleichzeitig übersehen kann, sodaß wir zwar zum theoretischen Bewußtsein, abernicht' zur sinnlichen Anschauung des ideellen Zusammenhangs gelangen. Ähnliches giltvon Cornelius' Bildercyklen. Viele ihrer eigenthümlichsten Vorzüge gehen dem unbefan-genen Auge verloren, das nur den Schein erblickt, was hinter und neben diesemliegt, aber nicht durchdrängen kann. Bis zu einem gewissen Grade läßt sich die Zu-sammengehörigkeit einzelner Bilder zu einem Ganzen an diesen selbst andeuten, unddie Theile eines größern Bilderkreises sollen zusammengehöre»; aber in diesen Bezie-hungen darf wenigstens die Malerei nicht die Hauptsache erblicke», einestheils, weildies die Grenzen ihrer Wirkungskraft überschreitet, andernrheils, weil die Gewohn-heit, das Einzelbild nicht als ein geschlossenes, sich selbst, genügendes Ganze darzu-stellen, die Gedankenfäden, die von einem Bilde zum andern gezogen sind, vorzugs-weise zu berücksichtigen, die Gefahr der Vernachlässigung malerischer Formen mit sichbringt. Cornelius hat sich eine eigenthümliche Formengebung geschaffen und ist darinin seinem vollen Rechte. Ob er aber gewisse Freiheiten der Natur gegenüber, ein-zelne Übertreibungen und gewaltsame Bewegungen, die geringe Beachtung nament-lich der Gewandung so hartnäckig festgehalten hätte,, wenn sein Augenmerk nichtausschließlich auf die Entfaltung einer poetischen Gedankenwelt gerichtet wäre, stehtdass». Es ist eine Beleidigung des großen Künstlers, zu behaupten, unmöglicheStellungen, übertriebene Längenverhältnisse gehörten zu seinem Stile. Wer esversteht, den Gestalten der Evangelisten und Kirchenväter (Ludwigskirche) das Ge-präge einer so großartigen, ausdrucksvollen Schönheit zu verleihen, wer die Grup-pen der acht Seligkeiten, die'Gruppe der Verzweifelnden im'Untergänge von Babel,me vier apokalyptischen Reiter und Anderes geschaffen hat, der-ist auch ein Meister in derFormengebung, bei dem kann von einer Unzulänglichkeit der Mittel nimmermehr dieRede sein. Wird zuweilen von Cornelius den Rechten der Natur zunähe getreten,und dies läßt sich freilich nicht ableugnen, so liegt der Grund nur in der von ihmverlangten Unterordnung der Form unter den Gedanken, des Malerischen unter dasallgemein Poetische. Wenn Humboldt in schiefen Linien schreibt, so thut dies der