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Zwöflter Band.
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.Die bildenden Künste.

von großem Reize. Und auch jene Mangel wird man milder beurtheilen, wenn mandie Zeit der Errichtung des Werkes berücksichtigt. Als Ohlmüller im Jahre 4831den Plan begann, war der Organismus der gothischen Architektur noch wenig be-kannt, durch keinen umfassenden Restaurationsbau eines alten Werks ein tieferesStudium der gothischen Formen noch angebahnt worden. Man darf die Aukirchenicht mit den Planen vergleichen, welche z. B. aus der kölner Bauhütte her-vorgehen, nicht mit den Preisentwürfen der wiener Votivkirche. Dazwischen. lie-gen 20 Jahre reicher künstlerischer Entwickelung. Man muß vielmehr die An-regungen, welche Ohlmüller's Werk in zahlreichen Kreisen weckte, preisend her-vorheben. Daß die Münchener Basilika einen so eingetheilten Beifall finden konnteund kann, erscheint für den Zustand unserer Kunstbildung recht bezeichnend. DasArchitektonische derselben nimmt keine große Bedeutung in Anspruch. Das Innere istzur bloßen Schauwand zurückgesetzt, der malerische Schmuck läßt die bauliche Glie-derung vollkommen zurücktreten und würde Dasselbe thun, auch wenn die letzterekräftiger gehandhabt wäre. Auch > die äußere Vorhalle, die thurmlose Facade sindeinfach und anspruchslos gehalten. Aber der altchristliche Stil, unentwickelt undunbestimmt wie er ist, zwingt uns kein bestimmtes Glaubensbekenntniß ab, bringtunser ästhetisches Bewußtsein zu keiner entscheidenden Kundgebung, verträgt sich ebensogut mit rationalistischen wie mit orthodoxen Überzeugungen, birgt antike und christ- ^liche Elemente in sich: und so wurde er denn auch von unserer schwankenden, nach ikeiner Richtung entschieden entwickelten Volksbildung gleich, willkommen geheißen.

Ob es wünschenswerth sei, daß sich der Basilikenstil ausbreite und zur allgemeinenHerrschaft gelange, kann nicht in Frage stehen. Es würde dies gerade so angesehenwerden müssen, als wollte man zum Althochdeutschen zurückkehren und alle weiteregesetzmäßige Ausbildung der Sprache verleugnen.

Auf dem Gebiete der Architektur sahen wir mehre Richtungen vertreten, .

mehre hervorragende Künstler einander nebengeordnet. Eine viel strengere Einheit j

herrscht im Gebiete der Plastik. Die Münchener Plastik: das ist einfach Ludwig ^Schwanthaler, der Unermüdliche und Rastlose. Kein bedeutendes Bauwerk wird es ^in München geben, dessen plastischer Schmuck nicht von Schwanthaler herrührte, ja jkaum eine größere Unternehmung, an welcher nicht auch Schwanthaler Antheil ge- ^nommen. Da darf man sich freilich nicht wundern, wenn das Verzeichnis seinerWerke über 200 Statuen und Statuetten aufzählt und diesen noch 20 Büsten,zahlreiche Friese und Reliefs, Grabdenkmäler und Brunnen (Freiung in Wien)anreiht, ganz. abgesehen von kleinern, von der Hand des Goldschmieds ausgeführtenWerken, von Handzeichnungen und den Entwürfen zu zahlreichen Wandgemälden imKönigsbau. Unter den großen Statuenwerken nehmen, außer den früher erwähn-te» Münchener Bildsäulen, die Statueu Jean Paul's in Baireuth, Goethe's inFrankfurt, Bernadotte's in Norrköping, Kaiser Franz' in Franzensbad, Rudolfsvon Habsburg in Speier, Mozart's in Salzburg, Großherzog Karl Friedrichs in ^Karlsruhe, der altböhmischen Fürsten in Liboch (bei Melnik) eine hervorragende Stellungein. Unbedingte Vollendung dürfte kaum einer einzigen zugesprochen werden. Man lvermißt nicht den lebenswahren Ausdruck des Kopfes, nicht die Gewandtheit in der jAnordnung, nicht die allezeit fertige Kunst, dem Motiv eine plastische Seite abzuge-winnen, aber man vermißt gar häufig die gleichmäßige Durchführung bis auf dasgeringste Detail, das unverdrossene Durcharbeiten des Motivs, bis die ausschließ-lich gültige Form gefunden ist, die tiefere Charakteristik. Zuweilen möchte man glau-ben, die Stilisirung sei für Schwanthaler nur ein äußerliches Geschäft, wobei seinePhantasie ruhte, seine geübten und gewandten Hände ausschließlich thätig waren;und doch fehlt auf der andern Seite wieder die volle Freude an einer realistischenAuffassung, die Zuversicht in die plastische Gültigkeit auch nicht antiker Formcn-gebung. Leicht dürsten unter Schwanthaler's Statuen die Entwürfe für die böh-mische Walhalla den Preis erringen; auch die Bildsäulen berühmter Maler aus derPinakothek, und die Personificationen der acht Neichskreise auf der Treppe de