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Die bildenden Künste.
der düffeldorfer Schule vorwirft. Wir führen diese Stelle, obschon sie bekannt ist,an, weil sie noch immer das richtigste Urtheil über die ältern düffeldorfer Künst-ler bildet. „Bei ihnen", schreibt Jmmermann, „vermißt man die geniale Sicher-heit, das s plomb der alten Meister, die überzeugende Kraft und Nothwendigkeitder Gestalten. Es sind Versuche, aber schwankend zwischen der Kühnheit des In-dividuums, immer nur für sich und sein Personellstes ausdrückend, und der Scheu,Fehler zu begehen. Diese Furcht vor gemalten dummen Streichen war immer eincharakteristischer Zug der Schule. Ihr Wahrzeichen ist es, daß das Weiche, Ferne,Musikalische, kontemplative, Subjective vor dem Starken, Nahen, Plastischen, Han-delnden vorwalten. Es sieht aus dieser Zeit wiederum ein Zopf heraus, nur einvornehmerer und poetischer zusammengeflochten als die alten puderigen." Nur darinirrt Jmmermann, wenn er die Schuld an dieser Halbheit und Mattheit theilweiseauf den Leiter der Schule wirft. Schadow's Meisterclaffe war zwar ein arger Fehl-griff, die Permanenzerklärung- der Unselbständigkeit; aber er that mit dieser Einrich-tung weiter nichts, als daß er die unabweisbaren allgemeinen Misverhältniffe regelteund in ein System brachte. Die Vereinsamung der düffeldorfer Schule mußte sienothwendig um Kraft und Mark bringen, das Einspinnen in engbegrenzte Kreiseauch die Phantasie zur Einförmigkeit verleiten und persönlich oder unter den Schul-genossen zufällig beliebten Anschauungen eine unberechtigte Wichtigkeit verleihen.Daran konnte kein Einzelner helfen; wie ja denn auch aus der Abkehr der düssel-dorfer Künstler vom frischen, gesunden Leben ihrem individuellen Charakter kein Vor-warf bereitet werden soll. Wenn es einen Umstand gab, sie in ihrer Einseitigkeitzu bestärken, so war es die Art und Weise, wie das gebildete Deutschland von derKunst dachte, und welche Mittel es ergriff, den Aufschwung der bildenden Künste,soweit dieselben sich nicht der liberalen fürstlichen Gunst erfreuten, herbeizuführen.Wir meinen die für die deutschen Kunstzustände überaus charakteristischen Kunstver-eine mit ihren periodisch wiederkehrenden Ausstellungen und Verwesungen, die seit1828 (wenigstens hat der in diesem Jahre von Lucanus u. A. gegründete Halber-städter Kunstverein zuerst die später allgemein angenommene Organisation erhalten)bestehen und im Laufe der Zeit eine unerwartete Ausdehnung gewonnen haben.
Dem Institute der Kunstvcreine wird in der Regel nicht viel Gutes nachge-redet. Und der Tadel trifft sie nicht mit Unrecht. Wenü man glaubt, der Kunst-sinn des Volks werde dadurch gehoben, daß es nach elfmonatlichem Fasten nur einigeStunden lang — und mehr als einige Stunden verwendet nicht das größere Pu-blikum auf den Besuch der Ausstellungen — viele Hundert der verschiedenartigstenBilder, ungeordnet und bunt durcheinanderhängend, mit neugierigem Auge betrach-tet, so geht man ebenso sehr irre, als wenn man es für gleichgültig erachtet, obder Künstler für einen bestimmten Raum mit dem klaren Bewußtsein, wozu seinWerk dienen soll und was sein Schicksal wird, ein Bild schafft, oder ob er in dasBlaue hinein für Lotterien arbeitet. Aber wir können die Kunstvereine nicht ent-behren, den Künstlern Deutschlands die materielle Theilnahme, welche ihnen durchVermittelung der Kunstvereine zutheil wird, nicht entziehen. Die Summe, welcheder Kunst und zwar ganz vornehmlich der Malerei und den vervielfältigenden Kün-sten durch die deutschen Kunstvereine jährlich zufließt, darf für die letzten Jahrenicht unter 200000 Thaler angeschlagen werden, und betragt seit der 27jährigen Wirk-samkeit derselben weit über 2 Millionen. *) Welcher andere Weg läßt sich vorschla-gen, der einen gleichen Erfolg sicherte? Wir wollen demnach das gewöhnliche Klage-lied nicht noch einmal durchsingen, umsomehr, als in der jüngsten Zeit durch die
» .».^^lt^E^Handelzblatt" veröffentlichte vor einiger Zeit eine freilich nicht vollständigewelcher von 33 deutschen Kunstvereinen (25083 Actien repräsentirend)nn ^ayre 1852 die Summe von 161672 Thalern (die Ankäufe von Privaten auf den Aus-lm Werthe von 17368 Thälern einbegriffen) für den Ankauf von Kunstwerken ver-
bremer Kunstverein hat vom Jahre 1813 — 51 der Kunst eine Summevon 12881 Thalern zugewendet.