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Zwöflter Band.
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738 Die bildenden Künste.

nennen, und anderwärts ist die befolgte Methode nur um wenige Grade besser, woder Kunstjünger, erst den Pinsel zur Hand nahm, als er an die Ausführung seinesersten für die Öffentlichkeit bestimmten Bildes schritt; wo er alle Proben und Ver-suche in der Malerei an seinen Bildern selbst anstellte, und gezwungen war, alleKraft und alles unmittelbare Leben bereits im Carton zu verwenden und für dieAusführung des Bildes nur die gelangweilte Phantasie und die ermüdete Handübrigzulassen. So werden keine Coloristen gebildet. Ganz gut, wenn man grund-sätzlich auf alle Farbenwirkungen verzichtet, wenn man so componirt, daß die Farbezum Abschlüsse und zur Vollendung des Werks nichts beitragen kann. Unsern kon-sequenten Idealisten das Studium der alten Niederländer oder spätern Venekianerzu empfehlen, wäre eine große Thorheit und zeugte nur von dem gänzlichen Ver-kennen ihres Ziels und ihrer Bedeutung. Aber man darf nicht ungehalten sein,wenn die Kritik gegenüber einem realistisch angelegten Bilde die Durchführung desrealistischen Princips auch in der Farbe verlangt und sich mit halben Ansätzen, mitschwankender matter Verwirklichung nicht begnügt. Die Behauptung, die Kunstsolle nicht bloße Spiegelbilder der Natur liefern und zum Handwerke sich nicht er-niedrigen, erinnert in diesem Falle nur an die bekannten sauern Trauben, da jagerade die vollendete Kenntniß des Handwerks den Künstler vom bloßen Dilettantenunterscheidet, und die äußere Durchführung dem künstlerischen Gedanken keineswegsfremd ist, vielmehr seinen eigensten Leib bildet, aus dem sein Werth und Wesenallein erkannt werden kann. Wir sind weit entfernt, mit Jenen zu rechten, welchedie ideale Auffassung der Geschichte als ein richtiges Erbkheil des deutschen Geistesauffassen und dem großen Stile in der historischen Kunst als unsern Anschauungenam meisten entsprechend das Wort reden. Aber als anmaßend müssen wir esschelten, wenn das unbedingte Verdammungsurkheil über die lebendige realistischeDarstellung geschichtlicher Scenen gesprochen und jede Bestrebung in diesem Sinnemit hochmüthigem Achselzucken abgefertigt wird. Wir hatten bei Gelegenheit derTriumphzüge bekannter belgischer und französischer Werke durch Deutschland Gelegen-heit, ein solches Verfahren zu beobachten und im schroffsten Gegensatze zu dem En-thusiasmus der Laien die scheelsten Ansichten seitens vieler Kunstgebildeken zu bemerken.Hätten sie sich damit begnügt, vor dem blinden Nachbeten einer Richtung zu warnen,deren glückliches Beschreiten die seltensten Eigenschaften voraussetzt, und auf die Thor-heit hingewiesen, durch die bloße Stillosigkeit der Composition, durch kecke Farben-effecte und chargirte Ausführung als Realist glänzen zu wollen, so hätten sie ihrePflicht gethan. So aber haben sie ihr Ziel überschössen und das Volk nach reali-stischen Darstellungen nur noch lüsterner gemacht. Freilich, wie gering ist die Kennt-niß des Realismus selbst in kunstgebildeten Kreisen. Tcichlein in Münchrn z. B.gefällt nicht das Motiv des Gallait'schen Bildes: Die Schützengildc erweist Egmondund Hoorn die letzte Ehre. „ Wenn man die Wahl hat zwischen einem Leichen-zuge und dem, Paradebett im Leichenhause", sagt Teichlein in seiner Schrift:„L. Gallait und die Malerei in Deutschland" (Münchem 1853), „so würde sichUnsereiner (d. h. ein Deutscher) ziemlich leicht für den erster» entscheiden. DerZug schwankte vom Stadthause her durch starre Reihen der spanischen Garde; aufden kalten und lauernden Gesichtern dieser Fremdlinge sowie in den Mienen dervlämischen Schützen fehlte es dann nicht an Gelegenheit,. eine reiche Scala von psy-chologischen und politischen Gegensätzen abzuspiegeln. Dabei könnte der Gegenstanddes Grausens leicht in eine perspektivische Ansicht gebracht werden, welche den Ein-druck milderte, oder er könnte auch füglich mit der nämlichen (in Gallaik's Bilde)bewunderten Sammetdccke gänzlich verhüllt sein. Für den gewaltsamen Tod Derer,denen hier die letzte Ehre erwiesen wird, spräche noch immer schauerlich genug dasSchaffst, mit dem silberblinkenden Kreuze, welches im Hintergrund die Scene über-ragt. Und wollte man ein Übriges thun, könnte selbst Alba an dem Fenster er-scheinen, von welchem er der ganzen Hinrichtung zugesehen." Teichlein meint, auchdiese Auffassung wäre realistisch. Wenn man darunter eine trockene, poesielose

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